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| 13.07.2006

Vorwärts statt zurück: Familie heute

Was muss moderne Familienpolitik heute leisten? Die bestmögliche Förderung von Kindern und eine möglichst an den jeweiligen Bedarf orientierte Unterstützung von Familien werden gebraucht. Dazu gehört die Balance zwischen dem Leben mit Kindern und der Erwerbstätigkeit von Frauen und Männern. Trotz sich ändernder Lebenswirklichkeiten der meisten Familien wurde viel zu lange an einem Sozialstaatsmodell festgehalten, dass vor allem das Alleinernährermodell im Blick hatte. Dabei ist für uns die Verknüpfung von Kindererziehung und Beruf eine Aufgabe für Frauen und Männer. Noch immer sind es vor allem Frauen, die sich zwischen zwei Rollenangeboten entscheiden: für das der Hausfrau und Kinderbetreuerin, oder das der berufstätigen Frau, die, falls sie Kinder hat, noch auf zu wenig Unterstützung bauen kann. Umgekehrt erfahren Väter noch zu wenig Akzeptanz und Unterstützung, besonders in der Arbeitswelt, wenn sie sich stärker als bislang üblich für Familie und Erziehung einsetzen wollen. Das soll nicht so bleiben.

Neue Lebenskonzepte – neue Familienbilder

Hier ist ein Paradigmenwechsel gefragt, hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit und einen pluralistischeren Familienbild. Die Lebenswirklichkeit von Familien hat sich verändert. Gelebt werden heute verschiedenste Familienformen. Jedes fünfte Kind in Westdeutschland wird nicht ehelich geboren; in Ostdeutschland bereits jedes Zweite. Die Lebenskonzepte von Eltern haben sich verändert. So streben beispielsweise gerade mal 15 Prozent der jungen Frauen eine Lebensform an, in der sie allein für Haushalt und Kinder da sind.

Wir stellen das

Wohl von Kindern in den Mittelpunkt - ganz gleich wo Kinder leben. Wir wollen, dass in allen Politikbereichen geschaut wird, ob Kinder optimale Entwicklungschancen bekommen. Darauf haben sie ein Recht. Nur mit einem Dreiklang aus dem Ausbau familienfreundlicher Betreuungsinfrastruktur, finanziellen Transfers und einer modernen Zeitpolitik kann nachhaltige Familienpolitik umgesetzt werden.

Maßnahmen nachhaltiger Familienpolitik

Im internationalen Vergleich steht Deutschland in der Finanzförderung für Familien überdurchschnittlich gut da. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf scheitert zumeist an den mangelnden Kinderbetreuungsangeboten, vor allem für die unter dreijährigen Kinder. Und in kaum einem Land bestimmt die Herkunft so sehr über die Bildung und Chancengerechtigkeit von Kindern.

Für eine familienfreundlichere Infrastruktur haben wir mit der grünen Kinderbetreuungskarte einen Vorschlag entwickelt, der einen Rechtsanspruch für Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr an ein ausgewogenes Finanzierungsmodell koppelt. Das Ehegattensplitting begünstigt vor allem besser verdienende Alleinverdienerehen bzw. Ehen, in denen beide Partner arbeiten, aber sehr unterschiedlich verdienen. Hier schlagen wir für die Zukunft eine Individualbesteuerung mit übertragbarem Höchstbetrag vor. Die so freiwerdenden rund 2,2 Milliarden € Bundesmittel wollen wir zur FInanzierung der Kinderbetreuungskarte und damit der direkten Förderung von Kinderbetreuung zur Verfügung stellen.

Moderne Zeitpolitik heißt für uns vor allem, Angebote zu schaffen, die helfen die sogenannte "

Rush-Our des Lebens" zu entzerren: Damit ist die besonders intensive Lebenszeit zwischen 25 und 35 Jahren gemeint, in der neben Ausbildung, Studium, Familiengründung auch der Einstieg in die berufliche Karriere fällt. Helfen können hier eine  flexible Arbeitszeitpolitik, Arbeitszeitkonten, Weiterbildung, Berufsrückkehrprogramme und Computerarbeitsplätze zu Hause.

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