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| 31.10.2006

Klimawandel: Der Stern-Report

Eindringliche Warnung des ehemaligen Chefökonomen der Weltbank.

Der frühere Chef-Ökonom der Weltbank Sir Nicholas Stern hat eine deutliche und eindrucksvolle Warnung an die Staatengemeinschaft gerichtet. In einer Studie für die britische Regierung warnt er vor dramatischen Konsequenzen eines fortschreitenden Klimawandels. Die drohenden Schäden in Höhe von mehreren Billionen Euro könnten die Weltwirtschaft in die schlimmste Rezession seit den beiden Weltkriegen stürzen. Sie würden zwischen fünf und 20 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung kosten, während die Kosten einer konsequenten Klimaschutzpolitik nur etwa ein Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes betragen würden. Die Mahnung von Sir Nicholas ist eindeutig, seine Botschaft auch: Die Welt muss dringend handeln, sie hat dafür nur noch zehn bis 20 Jahre Zeit. Klimawandel ist eine große Gefahr, seine Bekämpfung hingegen auch eine enorme ökonomische Chance. Der Nutzen aktiver Klimapolitik übersteigt die Kosten des Nichtstuns um ein Vielfaches.

Die Antworten der Stern-Studie auf die gewaltige Herausforderung lauten: CO2 muss einen angemessenen Preis bekommen, durch Steuern oder Emissionshandel. Es muss umfassende Innovationen und Technologiekooperationen geben. Die Hürden für den Ausbau von Erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und Energieeinsparung müssen beseitigt werden. Und wir brauchen auch erhebliche Anstrengungen für die Anpassung an unvermeidbare Klimaänderungen, insbesondere für die Entwicklungsländer.

Es gab zwar bereits in der Vergangenheit immer wieder warnende Studien von Wirtschaftsforschern, doch der Stern-Report gibt dem Klimaproblem auch ökonomisch und finanzpolitisch ein ganz neues Gewicht. Es ist unbestreitbar: Der Klimawandel ist die größte ökologische und ökonomische Herausforderung unserer Zeit. Der Handlungsdruck ist enorm.

Für uns heißt dies: Deutschland muss international Vorreiter beim Klimaschutz bleiben und den Klimaschutz ins Zentrum seiner Politik rücken. Wir müssen unsere Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 senken, bis 2050 um 80 Prozent. Die Bundesregierung muss ihren EU- und G8-Vorsitz 2008 dafür nutzen, weit reichende Klimaschutzinitiativen zu starten. Während der deutschen EU-Präsidentschaft muss ein neues EU-Klimaschutzziel von minus 30 Prozent bis 2020 vereinbart werden. Wir brauchen auch eine ambitioniertere nationale Klimapolitik mit einem massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien – auch bei der Wärmerzeugung -, mehr Energieeffizienz und einer Ausgestaltung des Emissionshandels, der die richtigen Weichen und Ziele stellt und nicht zu einem Förderinstrument für Kohlekraftwerke verkommt, wie es die Bundesregierung bislang plant.

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