Zum Girls' Day lud die grüne Bundestagsfraktion zum sechsten Mal Schülerinnen aus Berlin und Brandenburg ein, Politik und politiknahe Berufe näher kennenzulernen. Zehn weibliche Abgeordnete, darunter Fraktionsvorsitzende Renate Künast, die stellvertretenden Fraktionsvorsitzende Krista Sager, die wirtschaftspolitische Sprecherin Kerstin Andreae, die frauenpolitische Sprecherin Irmingard Schewe-Gerigk, die innenpolitische Sprecherin Silke Stokar und Monika Lazar, Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus stellten ihren persönlichen Weg in die Politik und ihre derzeitigen Arbeitsschwerpunkte dar. Im Gespräch schilderten die Schülerinnen ihre ganz unterschiedlichen Ausbildungswünsche: von Polizei über den diplomatischen Dienst bis zur Tänzerin reichte das Spektrum. Mit einem Rundgang durch den Reichstag sowie einem Kuppelbesuch wurde der Arbeitsplatz Bundestag erforscht.
Die Politik ist einer der wenigen Bereiche, in denen Deutschland in Sachen Gleichstellung vergleichsweise gut dasteht. Dazu hat ganz wesentlich die Quote der Grünen beigetragen. Der Frauenanteil liegt derzeit im Deutschen Bundestag bei 33 Prozent - ein auch europaweit guter Schnitt. Politik ist spannend und sie ist der richtige Ort für Frauen. Dafür warben die weiblichen Abgeordneten der Grünen bei den jungen Frauen am Girls´ Day.
Nur 10 von 346
Immer noch wählen junge Frauen ihre Ausbildung aus einem sehr schmalen Spektrum traditioneller "Frauenberufe". Mehr als die Hälfte der Mädchen haben 2006 ihre Ausbildung in lediglich zehn der insgesamt 346 in Deutschland anerkannten Ausbildungsberufe begonnen. Unter den zehn beliebtesten Ausbildungsberufen findet sich keiner aus dem naturwissenschaftlich-technischen Bereich.
Damit schöpfen die jungen Frauen weder ihre Berufsmöglichkeiten noch ihre Potenziale aus. Dabei verfügen sie im Schnitt über bessere Noten und Schulabschlüsse. Und gleichzeitig fehlt den Betrieben gerade in den technischen und techniknahen Bereichen der qualifizierte Nachwuchs.
Die "typischen Frauenberufe" bedeuten auch heute noch schlechtere Entlohnung und geringere Aufstiegschancen. Karriere zu machen ist für Frauen erheblich schwerer als für Männer. Dementsprechend ist die Zahl von Frauen in Führungspositionen weiterhin skandalös gering, in Betrieben mit 50 bis 250 Beschäftigten ist die Leitungsebene zu 13 Prozent von Frauen besetzt, bei Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten sind es nur noch vier Prozent. In den Vorständen der DAX-30-Unternehmen sitzen ausschließlich Männer. Hier sind klare gesetzliche Regelungen erforderlich.
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| Die grünen Abgeordneten hatten ihren Spaß am Mädchen-Zukunftstag. v.l.n.r.: K. Sager, B. Hasselmann, C. Behm, A. Lührmann, S. Stokar | |
Lohngerechtigkeit
Das Thema Lohngerechtigkeit interessierte die Schülerinnen sehr, mit welchen Argumenten denn die Arbeitgeber die niedrigeren Löhne für Frauen rechtfertigen würden, wurde nachgehakt. Über Freiwilligendienste und Praktikumsmöglichkeiten wurde informiert, in einigen Abgeordnetenbüros wie bei Anna Lührmann und Cornelia Behm wird auch ausgebildet. Renate Künast erläuterte, warum eine Kocherziehung in Kindergärten und Schulen ihren Platz haben sollte, die Wissensvermittlung zu Ernährung und Lebensmitteln ein Teil des Bildungsauftrags sein müsste.
Am Ende des Tages blieb als Fazit: Politik ist ganz schön spannend und wir hätten gerne ein bisschen mehr Zeit für alles gehabt.
