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HIV/Aids | 01.12.2007

Weltaidstag 2007: Gemeinsam gegen Aids

National: Bei der Aidsprävention nicht nachlassen

In den letzten Jahren sind die neu diagnostizierten HIV-Infektionen in Deutschland deutlich gestiegen. Diese gestiegenen Zahlen sind etwa zur Hälfte auf einen tatsächlichen Anstieg von HIV-Infektionen zurückzuführen. Gleichzeitig ist ein sinkendes Problembewusstsein in der Bevölkerung zu verzeichnen. HIV/Aids wird nicht mehr als tödliche Bedrohung, sondern fälschlicherweise als behandelbare Krankheit angesehen. Aids ist nicht heilbar und auch mit Medikamenten nur schwer erträglich. Die Behandlung ist mit massiven Nebenwirkungen verbunden. Erschreckend ist, dass bei etwa einem Drittel der neu HIV-positiv getesteten Personen das Immunsystem bereits so stark angegriffen ist, dass bei der Hälfte von ihnen die HIV-Diagnose mit der Aidserkrankung zusammenfällt. Im Vergleich zu einer frühen Diagnose einer HIV-Infektion steigt damit sowohl das Risiko der Ansteckung anderer als auch die Gefahr einer schnellen Erkrankung und des Todes an Aids.

Diese Entwicklungen zeigen, dass verstärkte Anstrengungen in der Aidsprävention, aber auch für eine möglichst frühzeitige Diagnostik der HIV-Infektion notwendig sind. Die Präventionsträger stehen in der Verantwortung, das Zusammenspiel von bundesweiten Kampagnen und zielgruppenspezifischen Angeboten weiter oder - wo notwendig - neu zu entwickeln. Prävention muss stärker Unterschiede innerhalb von Risikogruppen (wie z.B. Schwule, Bisexuelle oder Migrantinnen) sowie das sich veränderte Risikoverhalten berücksichtigen. Dabei ist es notwendig, ohne Tabus auch bei nicht allgemein üblichen Sexualpraktiken aufzuklären. Zentraler Ansatzpunkt jeder zielgruppenspezifischen Präventionsüberlegung sollte die Frage sein, warum safer sex auch von denen, die gut informiert sind, nicht praktiziert wird.

Wir erwarten, dass die für März 2008 angekündigten innovativen, zielgruppengerechten, attraktiven und wirksam kommunizierten Präventionsbotschaften der Deutschen AIDS-Hilfe diesem Anspruch gerecht werden.

Ansteckungen lassen sich jedoch nicht hundertprozentig vermeiden, deshalb dürfen HIV-Infizierte nicht im Stich gelassen werden. So muss z.B. bei der Sozialhilfe und dem ALG II der Mehrbedarf von Menschen mit HIV und Aids berücksichtigt werden. Diese und weitere bisher nicht erfüllte Forderungen finden sich in unserem Antrag "Gemeinsam gegen Aids - Wir übernehmen Verantwortung. Für uns selbst und andere", den die Koalition im März 2007 abgelehnt hat.

Verantwortung tragen viele:

  • Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Aidshilfen und Präventionsfachfrauen und -männer bei der Weiter- oder Neuentwicklung von Präventionskonzepten.
  • Die PolitikerInnen aller Ebenen, damit Finanzmittel für die Aidsprävention, die dafür notwendigen Infrastruktur und eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung stehen.
  • Die Einzelnen - es ist sowohl ihre Gesundheit und ihr Leben, als auch die Gesundheit und das Leben des/der Anderen, mit denen sie "spielen" oder die sie schützen. Jede und Jeder kann aktiv werden, sich z.B. bei der Aidshilfe persönlich oder finanziell engagieren. Als Wirt oder Saunabetreiber kostenlos Kondome zur Verfügung stellen. Als Arzt oder Ärztin eine erhöhte Aufmerksamkeit bei Erkrankungen, die mit HIV assoziiert sind, zu zeigen sowie diesen PatientInnen einen HIV-Test zu empfehlen.

International: Kein Grund zum Aufatmen

Erstmalig haben die Weltgesundheitsorganisation und UNAIDS in ihrem Statusbericht zu HIV/Aids die Zahl der weltweit mit HIV/Aids Infizierten deutlich nach unten korrigiert. Während man 2006 davon ausging, dass 39,5 Millionen Menschen weltweit mit dem Virus leben, liegen die Schätzungen für 2007 bei 33,2 Millionen. Dies ermutigt, ist jedoch kein Grund zur Entwarnung.

Die geringere Zahl von Infizierten erklärt sich hauptsächlich durch eine auffällige Verbesserung der statistischen Datenlage. So liegen z.B. für Indien aufgrund einer nationalen Bevölkerungsumfrage erstmalig präzisere Schätzungen zur HIV-Prävalenz vor. Derart verbesserte Datenlagen, wie es sie nun auch in anderen Ländern zunehmend gibt, sind ein wichtiger Schritt nach vorne: Sie erlauben es, in den Antworten und Lösungsansätzen zur HIV/Aids-Epidemie besser auf die Zielgruppen einzugehen.

Weltweite Trends – einige positive Anzeichen

Der neue Statusbericht zeigt, dass Prävention Wirkung zeigt. Gute, neutral geleistete Aufklärungsarbeit trägt Früchte. In einigen der am stärksten betroffenen Länder Afrikas, wie Kenia, Botswana oder Malawi, lässt sich endlich eine Veränderung der Verhaltensmuster beim Sexualverhalten erkennen.

Die neuen Zahlen zeigen auch, dass sich global die Zahl der Todesfälle durch HIV verringert hat. Es wird mehr Geld investiert, was insgesamt zu einem besseren Zugang zu lebensverlängernder Aids-Behandlung geführt hat.

Es besteht weiterhin Handlungsbedarf

Dennoch bleibt Afrika südlich der Sahara die Subregion, die am dramatischsten unter HIV/Aids zu leiden hat: Mehr als zwei Drittel aller HIV-positiven Menschen leben dort und mehr als drei Viertel aller Aids-Todesfälle entfallen auf Subsahara-Afrika.

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