Mehr Einsatz für einen konsequenten Delfinschutz
Das Jahr 2007 wurde von den Vereinten Nationen zum Jahr des Delfins ausgerufen, um auf die vielfältigen Bedrohungen der Delfine aufmerksam zu machen. Die internationale Gemeinschaft, Regierungen und die Zivilgesellschaft sind aufgefordert sich daher aktiv für den Delfinschutz einzusetzen. Delfine brauchen saubere und ruhige Ozeane, Schutzgebiete und Menschen, die dafür Sorge tragen.
Gefahren für Delfine
Als Wanderer durch unsere Ozeane und Flüsse sind sie durch die unterschiedlichsten Auswirkungen menschlichen Handelns bedroht. Vor allem der Beifang von Delfinen in Fischereinetzen lässt jährlich 300.000 Wale und Delfine qualvoll verenden. Aber auch die Meeresverschmutzung, der Klimawandel und der damit einhergehende Verlust von Lebensräumen sowie die gezielte Bejagung gefährden die globalen Delfinbestände. Andere Bedrohungen gehen unter anderem von Tätigkeiten aus, die diese Tierart verängstigen, vertreiben oder schädigen könnten, wie z. B. Lärmverschmutzung der Meere durch Schiffsverkehr, Windkraftanlagen, seismische Studien und militärische Sonarsysteme. Zudem gefährdet die weltweite Überfischung das Nahrungsangebot vieler Delfinarten.
Die immensen Verluste durch die unterschiedlichen Bedrohungen kann die Art mit ihrer niedrigen Fortpflanzungsrate nicht dauerhaft ausgleichen. Der Chinesische Flussdelfin (auch Jangtse-Delfin genannt) ist ein ausschließlich im Jangtse beheimateter Flussdelfin, der bereits als ausgestorben gilt. Auch der seltene La-Plata Küstendelfin in Südamerika ist durch Fischernetze erheblich vom Aussterben bedroht.
Information und Bildung
Wichtige Faktoren für einen konsequenten Delfinschutz sind die Aufklärung der Bevölkerung, um auf die Delfinarten und die sie bedrohende Gefährdung aufmerksam zu machen, sowie die gezielte Information der Entscheidungsträger und die Einbeziehung lokaler Gemeinschaften. Das Jahr des Delfins ist deshalb auch Bestandteil der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung". Die Aufklärungskampagne während des Jahres des Delfins und darüber hinaus ist auch ein wertvoller Beitrag zur Erreichung der europäischen Zielvorgabe zum Stopp des Verlustes der Artenvielfalt bis 2010.
Grüne Ziele während des Jahres des Delfins
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN werden das Jahr des Delfins dazu nutzen, um auf die unterschiedlichen Bedrohungen der Delfine aufmerksam zu machen. Das Ziel aller sollte es sein, die Schaffung geeigneter Meeresschutzgebiete und die Ausweitung des globalen maritimen Schutzgebietesnetzes voranzutreiben. Die Bundesregierung ist zudem im Rahmen ihrer EU-Ratspräsidentschaft aufgefordert, den Delfinschutz auf der vom 3. bis 15. Juni 2007 stattfindenden 14. Vertragsstaatenkonferenz des Washingtoner Artenschutz-Abkommens (CITES) konsequent einzufordern.
Auswirkungen von Militärsonar auf Meeresumwelt
Mit einer aktuellen Kleinen Anfrage an die Bundesregierung (Drs. Nr. 16/ 4272) wollen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN das Thema militärische Sonarsysteme und ihre Auswirkung auf die Meeresumwelt stärker in den Fokus rücken. Sonarsysteme sollten nur dann eingesetzt werden, wenn eine Schädigung der Delfinpopulationen ausgeschlossen werden kann.
Arten- und Tierschutz für in Gefangenschaft lebende Delfine und Wale verbessern
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern strengere Importrichtlinien und bessere Haltungsverhältnisse für Delfine und Wale, die in die Europäische Union und nach Deutschland für kommerzielle Zwecke importiert werden. Hintergrund ist die Tatsache, dass immer noch zu viele der unter Artenschutz gestellten Tiere aus Wildfängen illegal nach Europa eingeführt werden. Der Zustand zahlreicher Große Tümmler- und Weißwalpopulationen, insbesondere jene, die vom Lebendfang für Delfinarien betroffen sind, ist bedenklich. Ihrer Erhaltung ist gefährdet. Die Neuerrichtung von Delfinarien und die dadurch notwendige Versorgung der Anlagen mit Delfinen und Walen erhöhen den Druck auf weitere Einfuhren wild gefangener Tiere.
Auch die Transport- und Haltungsbedingungen entsprechen nicht den biologischen Bedürfnissen der Tiere. Delfine und Wale sind bei der Gefangennahme und dem Transport erheblichem Stress ausgesetzt. Auch bei der Haltung existieren zahlreiche Probleme. Die Einrichtung der Gehege und Becken ist nicht an den Bewegungs-, Ruhe-, Schutz- und Ernährungsbedürfnissen sowie an den sonstigen essenziellen Verhaltensweisen der Tiere ausgerichtet.
Dies ist aus Sicht des Arten- und Tierschutz nicht tolerierbar. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN haben deshalb die Bundesregierung gefragt (Drs. 16/1378), ob und wie sie diese unzumutbaren Bedingungen für in Gefangenschaft lebende Delfine und Wale beseitigen will. Wir fordern, dass Fragen des Tier- und Artenschutzes wirtschaftlichen Interessen nicht untergeordnet, sondern gleichrangig berücksichtig werden.

