Der Klimawandel erfordert ein drastisches Umsteuern in vielen Bereichen - auch in der Wirtschaft. Finanzmärkte besitzen die Möglichkeit, diesen Umbruch mit zu gestalten. Ihre Hebelwirkung ist dabei von entscheidender Bedeutung. Die Finanzmärkte sind aufgefordert, diese Hebelwirkung zu nutzen und eine zentrale Rolle beim Klimaschutz einzunehmen.
Wie das funtionieren kann? Wir sprachen mit Fachleuten über die Chancen und Risiken des Klimawandels für die Finanzmärkte im allgemeinen, aber auch konkret für den Finanzplatz Deutschland. Wie ist dabei der Handlungsbedarf der Politik zu definieren?
Transparenz und politische Rahmenbedingungen
Im ersten Panel des Fachgesprächs wurde von allen Rednern der Wunsch nach größerer Transparenz, Klarheit über langfristige politische Rahmenbedingungen im Klimaschutz sowie Vergleichbarkeit der Klima- und Umweltaspekte bei Unternehmen geäußert. Das sei notwendig, damit die Finanzakteure, vor allem die Unternehmen und InvestorInnen die Kosten des Klimawandels und die Maßnahmen der Unternehmen selbst antizipieren können. Unterschiedlich bewerteten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen, wie sehr der Staat regulierend eingreifen soll. Stark kritisierten sie die fehlende Corporate Governance der deutschen Unternehmen und die fehlende Kommunikationskultur hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsstrategie. Unterschiedlicher Meinung herrschte darüber, ob die Diskussion über einheitliche Standards bei der Definition von Nachhaltigkeit nur formell oder schon inhaltlich geführt werden soll.
Als ein großes Manko für den deutschen Finanzstandort wurde das Fehlen großer institutioneller Investoren (Pensionskassen, -fonds) gesehen, die in anderen Ländern eine oft führende Rolle bei der Investition ihrer Vermögen in nachhaltige Anlagen einnehmen. Auch die zurückhaltende Rolle der großen deutschen Finanzmarktakteure, sich in internationalen Nachhaltigkeitsgremien zu beteiligen, wurde bemängelt.
Emissionshandel ist umweltpolitisches Instrument der Zukunft
Alle AkteurInnen sehen für den Emissionshandel beste Chancen, wenn die politischen Rahmensetzungen eindeutig und langfristig eine Preissetzung und damit Kalkulation für den Unternehmenssektor für Emissionen erlauben. Kontrovers diskutierten die Fachleute die Frage, ob der Finanzstandort Deutschlands nicht den Trend Emissionshandel verschlafen habe. Hier hätten große Marktchancen liegen können. Gerade auch durch den Ruf der Deutschen als Klimaschützer und Umweltvorreiter sowie als starkem europäischem Finanzplatz wäre Deutschland eigentlich als wichtigster Handelsstandort prädestiniert gewesen.
Über die Berücksichtigung von Umweltrisiken und der Ausrichtung der Geschäftspolitik von Banken und Investoren sprachen Ralf Frank (Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management), Klaus Milke (Germanwatch), Dr. Karl Ludwig Brockmann (KfW) und Robert Haßler (oekom research). Gerhard Schick moderierte die Diskussion mit rund 70 Vertretern und Vertreterinnen der Banken- und Versicherungsbranche, FachjournalistInnen sowie Klima- und VerbraucherschützerInnen. Anschließend diskutierte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn mit Dr. Jürgen Landgrebe vom Umweltbundesamt, Christian Röhl vom ZertifikateJournal und Maik Neubauer von der European Energy Exchange über den Emissionshandel aus der Perspektive des Finanzplatzes Deutschland.
