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Welthandel | 14.09.2007

Migration als Gewinn für beiden Seiten

Bericht der Welthandels- und Entwicklungskonferenz über die am wenigsten entwickeltsten Länder

Alljährlich erscheint der Bericht der UNCTAD zu Problemen, die die am wenigsten entwickelten Länder (LDCs) betreffen – im Fokus stehen 2007 insbesondere die Felder Wissen und Technologie. Ein wichtiger Bestandteil dieses Themas ist die Frage, wie Entwicklungsländer mit vorhandenem Potenzial umgehen und dieses nutzen. Aber auch welche Auswirkungen die "Abwanderung des Wissens" in Folge von Migration auf Entwicklungsländer hat. Der Bericht versteht sich als Beitrag, den bereits eingetretenen Fortschritt zu unterstützen und gibt hierfür auch konkrete Handlungsempfehlungen.

Grundlegend ist das Problem, dass diese Länder über einen sehr begrenzten Fundus an ausgebildetem Personal verfügen. Zum einen ist die Versorgung an Grund- und Sekundarbildung sehr mangelhaft und zum anderen leiden diese Länder dann in besonderem Maße an dem Wegfall der qualifizierten Fachkräfte. Erschreckend auch die Tatsache, dass im Vergleich mit anderen Entwicklungsländern die Rate der abwandernden Hochqualifizierten unverhältnismäßig hoch ist  (21% zu 8% - Zahlen aus dem Jahr 2000). Gleichzeitig ist das Bedürfnis an Fachkräften mit Hochschulausbildung in den OECD-Ländern angestiegen.

Drei Gründe sind hervorzuheben: Zunächst lässt der demografische Gesellschaftsaufbau auf eine Überalterung schließen, was ein erhöhtes Bedürfnis an Pflegepersonal bedeutet. Des Weiteren hat der enorme Fortschritt im Bereich der Informationstechnologien den Mangel an Fachkräften offenbart, was durch die Migration von qualifizierten Fachkräften behoben werden soll. Eine Vielzahl von OECD-Ländern, insbesondere die USA, die EU und ihre Mitgliedstaaten, Kanada und Australien haben den Fachkräftemangel in ihren Ländern erkannt und reagieren mit einer einwanderungsfreundlicheren Politik. Man geht davon aus, das etwa 30–50% der in den Entwicklungsländern (inkl. LDC-Länder) ausgebildeten Fachkräfte in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik in Industrieländern leben. Dies hat einen nachteiligen Einfluss auf die Fähigkeiten im Heimatland, auf aufnahmefähige Kapazitäten und die Möglichkeiten technologisch aufzuholen.

Schließlich gibt es einen Engpass im Bereich der 'einfachen' Ausbildungsberufe wie z.B.  Krankenpflegekräfte, ElektrikerInnen, InstallateurInnen – eine Lücke, die häufig durch MigrantInnen gefüllt wird, denn EinwandererInnen haben weniger ein Problem damit eine Tätigkeit im Blaumann zu erledigen, gleichwohl sie oft über eine gute Ausbildung verfügen. Die Einwanderung bzw. Auswanderung von qualifizierten Kräften nennt man '`brain-gain' respektive 'brain-drain'.

Natürlich ergeben sich nicht nur für die Industrieländer positive Effekte, auch die Entwicklungsländer können indirekt von der Abwanderung profitieren. Nicht zu unterschätzen sind die Überweisungen, durch welche die verbliebenen Familienmitglieder, aber auch das Ursprungsland im Gesamten in hohem Maße unterstützt werden. Auf diese Weise kann die Emigration dieser Menschen enorme Auswirkungen auf die Verbliebenen in der Herkunftsgesellschaft haben. Wobei die positiven Auswirkungen des Austauschs erst ab einem bestimmten Entwicklungsniveau erkennbar sind.

Der Bericht will die derzeitige Situation nicht als unabänderliche Sackgasse darstellen, sondern Empfehlungen geben, welche die Situation sowohl für die LDC-Länder verbessern würden als auch die OECD-Staaten in die Verantwortung nehmen. Eine Zusammenarbeit zwischen Sende- und Empfängerland ist unerlässlich und muss auf internationalem Niveau stattfinden. Die Zielländer müssen mehr auf eine temporäre als eine dauerhafte Emigration bedacht sein. Wichtig ist es auch, die LDC-Länder bei der Einrichtung von Programmen, welche versuchen einheimische Fachkräfte durch bessere Konditionen im Land halten, zu unterstützen. Auch Programme, welche Fachkräften die Rückkehr in ihre Heimat erleichtern sowie ihre Fähigkeit als Wissensvermittler unterstützen, sind gefragt. Im Gesundheitssektor gilt: Angesichts des akuten Mangels an Gesundheitspersonal in Afrika sollten Industrieländer entweder offensive Abwerbung stoppen oder zumindest die Entwicklungsländer entsprechend dafür entschädigen.

Letztlich sollte eine Anwerbung von Fachkräften aus Bereichen, die in den betroffenen Ländern unterbesetzt sind, unterlassen werden. Von einer dauerhaften Rückkehr von ausgebildeten Fachkräften profitiert das Heimatland in hohem Maße. Dennoch muss auch die kurzfristige Rückkehr möglich sein, so können beispielsweise LehrerInnen, ÄrztInnen und IngenieurInnen auch in einem kurzen Zeitraum bereits ihre Expertise einbringen. Eine weitere Überlegung betrifft die Einrichtung von Datenbanken, welche dann genutzt werden sollen, um den Kontakt zum Heimatland halten und verbessern zu können.

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