Der Begriff "Biodiversität" wurde erst Mitte der 1980er Jahre eingeführt und besonders durch den amerikanischen Evolutionsbiologen E. O. Wilson geprägt. Er fasste die zwei englischen Begriffe "biological" und "diversity" zu dem Wort "biodiversity" zusammen.
Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff Biodiversität "Vielfalt des Lebens". Die Biodiversität - oder Biologische Vielfalt - beschreibt die Vielfalt des Lebens als Netzwerk in all seinen Zusammenhängen. Netzwerk darum, weil es keine Art gibt, die auf sich allein gestellt existieren kann, sie ist immer abhängig von anderen Arten, sei es zur Fortpflanzung, als Nahrung oder auch als "Wirt" oder als Lebensraum.
Biologische Vielfalt umfasst die folgenden drei Ebenen:
1. Artenvielfalt
Die Artenvielfalt benennt die Fülle an Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen, wie Pilze und Bakterien, die weltweit existieren. Bisher wurden auf der Erde rund 1,7 Mio. unterschiedliche Arten beschrieben und jährlich werden 12.000 bis 13.000 neue Arten entdeckt. Das bedeutet, dass die wirkliche Artenzahl auf unserem Planeten noch lange nicht feststeht. Wissenschaftler diskutieren Schätzungen für Gesamtzahl der weltweit verbreiteten Arten zwischen 5 und 100 Millionen. Speziell bei der Zahl der noch unentdeckten Insektenarten in den tropischen Regenwäldern gehen die Schätzungen weit auseinander.
2. Genetische Vielfalt innerhalb der verschiedenen Arten
Jedes Lebewesen unterscheidet sich durch noch so kleine Merkmale von anderen seiner Art. Die Ausprägung dieser Merkmale wird von den Genen bestimmt. Alle Organismen besitzen eine Vielzahl an Genen. Im menschlichen Erbgut sind ca. 27.000 Gene, jedoch liegt der Mensch mit dieser Anzahl eher im Durchschnittsbereich, einige Blütenpflanzen besitzen bis zu 400.000 Gene. Die Vielfalt an Obst- und Gemüsesorten oder die Tatsache, dass kein Mensch gleich aussieht, liegt in der Kombination vieler kleiner genetischer Unterschiede begründet. Sie sind somit verantwortlich für die Unterschiede der Eigenschaften von Lebewesen. Eine hohe genetische Vielfalt ist die Basis der Evolution und damit die Grundlage für die Entstehung und Anpassungsfähigkeit der Arten.
3. Ökosystemvielfalt
Der Begriff Ökosystem beschreibt den Zusammenhang von Tier- und Pflanzenlebensgemeinschaften und dem Lebensraum, in dem diese Gemeinschaft lebt. Einzelne Ökosysteme sind allerdings nicht immer leicht voneinander zu trennen, da sie oft ineinander übergehen.
Für das gesamte Netzwerk des Lebens ist es gefährlich, wenn einzelne Ökosysteme gestört werden. Die Vielfältigkeit der Ökosysteme bietet einzelnen Arten Rückzugsmöglichkeiten. Beispielsweise wandern einzelne Arten in ein anderes Gebiet aus, sobald in ihrem ursprünglichen die Nahrung knapp wird. In dem neuen Gebiet passen sich die Arten den neuen Gegebenheiten an und werden Bestandteil dieses Ökosystems. So können unter Umständen neue Arten entstehen. Die Vielfalt der Ökosysteme bietet somit nicht nur Rückzugsmöglichkeiten, sondern stellt auch den Raum zur Artenbildung. Weiterhin beeinflussen Ökosysteme auch die unbelebte Natur. Das Klima, das in den verschiedenen Regionen der Erde herrscht, wird zu einem großen Teil durch die jeweiligen Ökosysteme reguliert. So werden zum Beispiel Temperatur, Feuchtigkeit, Sauerstoffgehalt und Kohlendioxidgehalt der Luft durch die Wälder und Meere der Erde stark beeinflusst. Der Erhalt der Vielfältigkeit der Ökosysteme muss somit ein primäres Ziel für den Menschen sein.
