Grüne Agenda für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt
Das Selbstverständnis des Artenschutzes hat sich seit der UN-Konvention zur biologischen Vielfalt (CBD) aus dem Jahr 1992 enorm erweitert und geht darüber hinaus, einzelne Arten zu schützen. Ziel ist es heute, die Artenvielfalt als Ganzes zu erhalten und damit auch den Lebensraum und die Umwelt der Arten zu schützen.
Seit jeher sind Naturschutz und Erhalt der biologischen Vielfalt für uns Grüne Kernthemen unserer politischen Tagesordnung und gesellschaftlichen Engagements. Dies betrifft nicht nur den Schutz der natürlichen Ressourcen, sondern insbesondere auch deren nachhaltige Nutzung. Bündnis 90/Die Grünen setzten sich mit ihrer Politik dafür ein, Biodiversitätspolitik auf regionaler, nationaler und globaler Ebene als Querschnittsaufgabe in alle Politikbereiche zu integrieren und konsequent umzusetzen. Das bedeutet, Natur- und Artenschutz nicht nur in die Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft zu integrieren, sondern Fragen der biologischen Vielfalt auch in der Verkehrs-, Klimaschutz- und Energiepolitik besser zu berücksichtigen. Aber auch die Armutsbekämpfung, Wirtschafts-, Handels- und Finanzpolitik müssen sich dem Erhalt der biologischen Vielfalt verpflichten. Für die Bundesrepublik Deutschland muss während und auch noch nach der CBD-Präsidentschaft der Erhalt und die nachhaltige sowie gerechte Nutzung der biologischen Vielfalt höchste Priorität haben.
Daraus leiten sich klare bündnisgrüne Forderungen ab: Der ökologische Landbau und die gentechnikfreie Landwirtschaft müssen gesichert, der Natur- und Artenschutz durch ein verbessertes Monitoring, ein globales Schutzgebietsnetz und gesicherte Finanzierungsinstrumente gestärkt werden. Klimaschutz gelingt nicht ohne einen verbesserten Urwaldschutz und eine verbindliche Nachhaltigkeits-Zertifizierung der Bioenergien. In der Entwicklungszusammenarbeit und Armutsbekämpfung müssen Biodiversitätsschutz und ein gerechter Vorteilsausgleich mitgedacht werden.
Bündnis 90/Die Grünen machen sich dafür stark, dass Deutschland beim Schutz und der nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt europaweit und global eine Vorbildfunktion übernimmt. So müssen auch für die Bundesrepublik Deutschland während und nach der CBD-Präsidentschaft der Erhalt und die nachhaltige sowie gerechte Nutzung der biologischen Vielfalt höchste Priorität haben. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und die Bundesregierung reden zwar viel über den internationalen Biodiversitätsschutz, national gefährden sie allerdings durch ihre Politik heimische Arten. Ein Beispiel ist die nationale Strategie der Bundesregierung zur biologischen Vielfalt: Endlich vorgelegt, verzichtet sie auf konkrete Zeit- und Managementpläne und damit letztlich auf ihre Umsetzung. In Ihrer Agrar-, Gentechnik-, Bau- und Verkehrspolitik verstößt die Bundesregierung zudem täglich gegen ihre eigene Biodiversitätsstrategie.
Die biologische Vielfalt ist für das Leben auf unserer Erde unentbehrlich. Sie sorgt für sauberes Trinkwasser, Luft zum Atmen, Nahrung, liefert wichtige Rohstoffe und ist Vorbild für technische Innovationen. Sie sichert unsere Lebensqualität und unsere Gesundheit. Aber wir entwalden unsere Landschaft, überfischen die Meere, industrialisieren die Landwirtschaf, (über)nutzen naturbelassene Flächen und gefährden die Entwicklung der ärmeren Länder durch ungerechten Handel. Der so verursachte dramatische Verlust an biologischer Vielfalt und die davon ausgehende Gefahr für die Natur und uns Menschen werden noch immer unterschätzt.
Die Biologische Vielfalt ist ein wichtiger "Klimaschützer": Lebensräume wie Wälder, Sümpfe und Korallenriffe binden enorme Mengen an CO2 und regulieren auf natürliche Weise unser Klima. Die Zerstörung von Urwäldern hingegen trägt mit bis zu 25 Prozent zu der weltweiten Klimaerwärmung bei. Der drastische Klimawandel ist aber auch verantwortlich für das Aussterben vieler Pflanzen- und Tierarten: Wenn der Klimawandel im bisherigen Tempo anhält, werden Schätzungen zufolge bis zu 30% aller weltweiten Arten bis zur Mitte unseres Jahrhunderts ausgestorben sein. Der Erhalt unserer Natur ist ein wichtiger Teil der internationalen Klimaschutzanstrengungen.
Wir brauchen eine nachhaltige Politik und eine Alltagskultur, die Schutz und nachhaltige Nutzung unserer natürlichen Lebensgrundlagen sowie Gesundheit, Wohlbefinden und Klimaschutz vereint.
Biodiversitätsschutz in grün
Bündnis 90/Die Grünen stehen für eine nachhaltige Politik und für eine Alltagskultur, die Schutz und Genuss unserer natürlichen Lebensgrundlagen sowie Gesundheit, Wohlbefinden und Klimaschutz vereint:
- Bioenergien: nur mit verbindlicher Nachhaltigkeits-Zertifizierung,
- Keine Gentechnik auf unseren Äckern,
- Ökolandbau: 10% der Fläche,
- Natura 2000: zügige Umsetzung des europäischen Schutzgebietsnetzes,
- Flächenverbrauch stoppen: bis 2020 von 100 auf 30 Hektar pro Tag,
- Tropenwaldschutz: Importverbot für alle Holzprodukte aus illegalen Abholzungen,
- Klimaschutz: nicht ohne Biodiversitätsschutz.
