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Strahlenschutz | 21.08.2008

Schutz vor atomarer und natürlicher Strahlung

Bei der Vorstellung des Jahresberichts des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) ist deutlich geworden, wie wichtig der Schutz der Bevölkerung vor atomarer und natürlicher Strahlung ist. Der Präsident des BfS, Wolfram König, berichtet von Forschungsergebnissen, wonach jedes Jahr etwa 3.000 Menschen an Hautkrebs sterben, der durch erhöhte UV-Strahlung ausgelöst wird – in der Regel durch zu langes Sonnen im Freien oder im Solarium. Vor allem in jungen Jahren ist die Haut gegenüber UV-Strahlung hochempfindlich. Die Folgen übermäßiger Bestrahlung treten meist erst viele Jahre später auf, für viele ist es dann zu spät.

Soliariumverbot für Kinder und Jugendlich richtig

Das Solariumverbot für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist der richtige Schritt zur Risikovorsorge. Die bisherigen Aufklärungskampagnen und das freiwillige Zertifizierungsverfahren für Sonnenstudios haben nicht zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der UV-Bestrahlung geführt. Seit 2003 haben sich weniger als zwei Prozent der Sonnenstudios zertifizieren lassen. Nach Angaben der Strahlenschutzkommission 2007 erkranken ca. 140.000 Menschen pro Jahr an Hautkrebs, dies sind doppelt so viele wie noch vor 10 Jahren.

Strahlung von Handys begrenzen

Grundsätzlich unterstützen wir auch den Vorschlag, den Schutz vor nicht ionisierender Strahlung, z.B. von Handys, im Umweltgesetzbuch gesetzlich festzuschreiben. Doch bleibt der Ansatz leider halbherzig. Die bisherigen Regelungen (26. BIMSchV) bleiben hinter den Empfehlungen des EU-Ministerrates zur Begrenzung der Exposition der Bevölkerung gegenüber elektromagnetischen Feldern zurück, da nicht der gesamte Frequenzbereich von 0 Herz bis 300 Gigahertz geregelt wurde. Ob jedoch ohne eine Verringerung der Grenzwerte - auch wenn nun der gesamte Bereich erfasst wird - tatsächlich der Vorsorgeaspekt ausreichend Berücksichtigung findet, bleibt äußerst zweifelhaft.

Wirksamer Schutz vor Radon fehlt

Unbefriedigend bleibt das Fehlen gesetzlicher Regelungen zum Schutz vor natürlichen Strahlenquellen, allem voran vor dem Edelgas Radon. Statt eines Radonschutzgesetzes, welches auch Mietern in belasteten Wohnhäusern zu einem entsprechenden Schutz vor erhöhten Radonkonzentrationen verhelfen könnte, wird weiterhin auf fruchtlose Appelle zum Einbau entsprechender Schutzvorrichtungen gesetzt. Vor dem Hintergrund, dass bauliche Maßnahmen zum Schutz vor der Ausbreitung von Radon bei Neubauten nach Angaben des BfS nur 2000 bis 3000 Euro kosten, ist diese Haltung der Bundesregierung unverständlich. Aus unserer Sicht ist es jedem Hauseigentümer zuzumuten, in die Abdichtung der Kellergeschosse zu investieren, wenn damit nachweislich das Risiko für die Bewohnerschaft minimiert wird, an Lungenkrebs zu erkranken.

Union blockiert Atom-Endlagersuche

Beim Umgang mit den Lasten aus der Atomwirtschaft lässt die Bundesregierung dagegen die dringend nötigen Taten leider vermissen. Obwohl der strahlende Müllberg rasant anwächst, weil der atomare Abfall aus Deutschland nicht mehr ins Ausland exportiert werden darf, fordern Teile der Union die Verlängerung der AKW-Laufzeiten. Würden die Vorschläge eines Wirtschaftsministers Glos Realität, hätte das die Verdoppelung des Atommülls zur Folge. Gnadenlos propagiert der CSU-Minister die Atomenergie. Gleichzeitig weigert er sich aber, einen potenziellen Standort in Bayern zu nennen, damit ein ergebnisoffener Vergleich mit weiteren Orten in Deutschland geführt werden kann.

Mit Unterstützung des BfS hat Gabriel kürzlich einen Vorschlag über Sicherheitskriterien für den Standortvergleich vorgelegt. Nach seinen Worten könnte das Auswahlverfahren zeitnah beginnen. Kanzlerin Merkel schweigt zu den Streitigkeiten innerhalb ihres Kabinetts, wird aber ebenfalls nicht müde, von einer längeren Nutzung der Altmeiler zu schwärmen. Wir sagen klar und deutlich: Diese Politik von Minister Glos und Kanzlerin Merkel ist verantwortungslos, weil sie sich nicht an der größtmöglichen Sicherheit für die Bevölkerung, sondern einzig an der Steigerung von Milliardengewinne für die Energiekonzerne orientiert. Die Mär von einer Stromlücke, die durch die gesetzlich festgelegten Abschaltungen von Unsicherheitskraftwerke eintreten soll, ist hinlänglich widerlegt.

Helmholtz-Gesellschaft muss Fakten für Asse II auf den Tisch legen

Das so genannte Forschungsendlager Asse II bei Wolfenbüttel zeigt drastisch das ganze Desaster. In dem absaufenden Bergwerk sollte einst die Tauglichkeit der Einlagerung von Atommüll in Salzformationen nachgewiesen werden. Laugenzuflüsse dringen jedoch seit mindestens zwanzig Jahren in das Bergwerk ein, haben den Berg destabilisiert und atomare Strahlung freigesetzt. Zahlreiche Messergebnisse zeigen, dass die Laugenzuflüsse zum Teil weit über den zulässigen Grenzwerten hinaus atomar belastet sind. Die Folgen, wenn sich diese Laugen mit dem Grundwasser verbinden, sind nicht absehbar. Es droht die Kontamination von Trinkwasser in weiten Teilen Norddeutschlands.

Unweit von Asse II liegt das Endlager Schacht Konrad für die Einlagerung von schwach- und mittelaktiven Abfällen. Anders als der Asse-Betreiber Helmholtz-Zentrum München informierte das BfS als Betreiber von Schacht Konrad von Anfang an die Bevölkerung über den Standort, das strahlende Inventar und die rechtlichen Bedingungen. Die Helmholtz-Gesellschaft muss sich an diesem Beispiel orientieren und endlich alle Fakten auf den Tisch legen, denn die betroffene Bevölkerung hat einen Anspruch auf die Offenlegung der Gefahrenlage.

Kontrollen für strahlende Importe einführen

Wie auch die Ausgabe des ARD-Magazins Plusminus vom 19. August 2008 berichtet, besteht eine ernst zu nehmende Gefahrensituation durch illegale Importe von strahlenden Stoffen und Materialien. Unser Nachbarn machen es vor: Die Technik ist verfügbar, alle Importe auf atomare Strahlung zu untersuchen. Mittels entsprechender Messtechnik können selbst Großcontainer abgetastet werden. Sobald ein erhöhter Strahlungswert auftritt, wird die gesamte Ladung eines Lastwagens oder eines Schiffes genaustens untersucht, bis die Strahlenquelle gefunden ist. Über diesen Weg wurden bereits verstrahlte Handtaschen oder Armbanduhren aus dem Verkehr gezogen. Die Bundesregierung muss sich an diesen bewährten und erfolgreichen Methoden orientieren und endlich die flächendeckende und lückenlose Überprüfung aller Importe veranlassen. Die Strahlenexperten des BfS können dabei wichtige Hilfestellung leisten.

 

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