Bessere machen die Hochschulen attraktiv
2008 kamen 385.500 StudienanfängerInnen an die deutschen Hochschulen - ein Rekord. Aber zu Jubel und Schulterklopfen besteht kein Anlass. Hochschulforscher betonen, die Zahl der Studienanfänger würde selbst steigen, wenn die Studierneigung gleich bliebe. Interessant wird es, wenn man genau hinschaut: Im Vergleich zu 2003 haben in diesem Jahr 20 Prozent mehr Schulabgänger eine Hochschulzugangsberechtigung erreicht. Die Zahl der Erstsemester ist aber nur um 2,1 Prozent gestiegen. Das bedeutet: Ohne Zugangshürden zum Campus wie den flächendeckenden Numerus clausus, unsoziale Studiengebühren und das Zulassungswirrwarr gäbe es vermutlich viel mehr Studienanfänger.
Den Hochschulpakt I weiterentwickeln
Rund 700.000 Studierende mehr müssten wegen geburtenstarken Jahrgängen und, weil mehr junge Leute Abitur machen als früher, in den nächsten Jahren an die Hochschulen strömen. Damit die Prognose Wirklichkeit wird, müssen Bund und Länder die Weichen richtig stellen. In einem Antrag schlagen wir vor, den Hochschulpakt I weiterzuentwickeln. Der Hochschulpakt II soll das leisten, woran sein Vorgänger zu scheitern droht: Der verlässliche und bedarfsgerechte Aufbau qualitativ hochwertiger Studienplätze. Diese zentrale hochschulpolitische Aufgabe muss zur absoluten Priorität im Hochschulpakt II werden. Nur so wird er zu einem Pakt für die Studierenden.
- Kernbestandteil des Pakts für die Studierenden muss ein Hochschulpakt-Fonds werden. Bund und Länder zahlen dort jeweils die Hälfte des gesamten Finanzierungsbedarfs ein. Aus dem Fonds kann dann jedes Bundesland für die neu geschaffenen Plätze entsprechend Mittel abrufen.
- Die Länderbeiträge sollen sich daran bemessen, wie stark ein Land sich bisher an der Ausbildung von Akademikern beteiligt hat. Es kann nicht sein, dass diejenigen Länder nachträglich belohnt werden, die sich in der Vergangenheit bei der Ausbildung zurückgehalten haben.
- Auch wollen wir den Erhalt der Studienplätze in Ländern mit überproportionaler Ausbildungsleistung sicherstellen. Dazu sollte mittelfristig ein möglichst hoher Anteil der Grundfinanzierung der Hochschulen nach dem Prinzip "Geld folgt Studierenden" bestritten werden.
- Wir verlangen Masse und Klasse für die Hochschulen. Der neue Hochschulpakt muss deshalb deutlich mehr ausfinanzierte Studienplätze sowie bessere Studien- und Lehrbedingungen garantieren.
- Die bisher von Bund und Ländern angesetzten Kosten von 5.500 Euro pro zusätzlichem Studienanfänger und Jahr liegen deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von etwa 10.600 Euro. Für den Hochschulpakt II muss ein realitätsgerechter Kostenansatz gewählt werden. Nur mit einer entsprechenden Summe pro Studienanfänger können unterschiedlich kostenintensive Fächergruppen und auch die betreuungsintensiveren Bachelor- und Master-Studiengänge berücksichtigt werden.
Sogenannte Bildungsferne für ein Studium gewinnen
Wir brauchen dringend eine soziale Öffnung unserer Hochschulen. Kinder aus einkommensschwachen Familien sind zu Exoten auf dem Campus geworden. Denn gerade sie werden durch Studiengebühren oder Verschuldungsrisiken durch Studienkredite oder das BAföG am stärksten von einem Studium abgeschreckt. Da helfen auch keine fernen Aussichten auf einen guten Job. Die Angst vor der Schuldenfalle lässt sich - anders als Union und FDP glauben machen wollen - nicht so einfach beiseite wischen. Die 18.000 Studienberechtigten, die 2006 wegen der Studiengebühren von einem Studium absehen wollten, sind 18.000 verstellte Wege und vergebene Chancen zu viel.
Auch die Steigerung der Studierendenzahl in den MINT-Fächern, also Mathematik, Ingenieur- Naturwissenschaften und Technik wird nur gelingen, wenn die Plätze gut ausgestattet werden und wenn insgesamt ein höherer Anteil jedes Altersjahrgangs studiert. Es reicht nicht aus, nur unter den bisher schon Studierwilligen mehr für diese Fächer zu werben. Man muss gerade auch junge Menschen, die sich bislang nicht für ein Studium entscheiden, für ein Studium und diese Fächer gewinnen. Nur ein ausfinanzierter Hochschulpakt bietet die Chance, ein Studium auch erfolgreich und in überschaubarer Zeit abzuschließen. Diese Aussicht wird viele Studierfähige, die bisher skeptisch sind, davon überzeugen, dass sich das Studium auch lohnt.
