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Hunger | 05.12.2008

Ländliche Entwicklung fördern, Hunger beseitigen

Die Zahl der von Hunger betroffenen Menschen ist nach Angaben der Welternährungsorganisation bis Ende 2007 von 854 auf 923 Mio. geklettert und hat damit einen historischen Höchststand erreicht. Die Prognosen sind düster. Es ist so gut wie sicher, dass die Zahl der Hungernden bald die Milliardengrenze überschreiten wird. Gerade in den ländlichen Räumen sind Hunger und Armut am tiefsten verwurzelt. Unser Antrag "Die Ursachen des Hungers beseitigen, die ländliche Entwicklung fördern" fordert daher einen fundamentalen Paradigmenwechsel in der Hungerbekämpfung. Der Koalitionsantrag hingegen hält sich bedeckt und drückt sich um eine wesentliche Frage: die Verpflichtung zur Finanzierung ländlicher Entwicklung.

Wir brauchen:

Mehr Geld für ländliche Entwicklung

Deutschland hat sich international dazu verpflichtet, bis 2015 Mittel in Höhe von 0,7% des Bruttonationaleinkommens für die Entwicklungszusammenarbeit aufzubringen. Davon ist Deutschland noch weit entfernt – trotz der diesjährigen Aufstockung des Entwicklungsetats. Gemäß dem EU-Stufenplan besteht bereits jetzt eine Finanzierungslücke von 1,6 Mrd. Euro. Deutschland muss zu seinen Verpflichtungen stehen und die schrittweise Erhöhung des Entwicklungshaushalts stärker vorantreiben. Doch mehr Geld für Entwicklungszusammenarbeit allein reicht nicht aus. Die Bundesregierung sollte dem Aufruf der Hunger-Task-Force der Vereinten Nationen folgen, mindestens 10% der Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit für eine nachhaltige, ländliche Entwicklung bereitzustellen. Auch die Partnerländer müssen ermutigt werden, mindestens zehn Prozent ihrer Staatshaushalte für ländliche Entwicklung bereitzustellen.

Die Umsetzung des Rechts auf Nahrung

Strategien der ländlichen Entwicklung müssen am Menschenrecht auf Nahrung ausgerichtet werden. Kleinbäuerinnen, Kleinbauern, Frauen und Mädchen, indigene Völker und andere Bevölkerungsgruppen, die am meisten von Hunger betroffen sind, müssen im Zentrum der ländlichen Entwicklung stehen. Sie sollten darin unterstützt werden, auf angepasste, ressourcenschonende Weise Grundnahrungsmittel zur Selbstversorgung und für lokale und regionale Märkte herzustellen.

Faire Handelspolitik

Die Entwicklungsländer müssen vor allem darin unterstützt werden, ihre ländliche Entwicklung selbst voran zu bringen. Das geht aber nur, wenn diesen Ländern nicht durch unfaire Handelspolitik jede Möglichkeit der Entwicklung aus eigener Kraft geraubt wird  Ärmere Agrarländer müssen sich vor Dumpingfluten schützen können. Eine faire Handelspolitik muss die wesentlich schwächere Ausgangsposition dieser Länder berücksichtigen und sich an der Chancengleichheit orientieren. Die EU muss ihre handelsverzerrenden Agrarsubventionen beenden.

Agrarwende hin zu ressourcenschonendem Anbau

Die Förderung der ländlichen Entwicklung darf nicht bedeuten, dass lediglich die konventionelle Landwirtschaft, wie wir sie kennen, bis in den letzen Winkel der Erde vordringt. Es muss verhindert werden, dass mittels einer "zweiten Grünen Revolution" die Irrungen der ersten,- plus Gentechnik, wiederholt werden. Die bisherigen Erfahrungen mit dem Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zeigen: Ihr Anbau für den Fleischkonsum und den Rohstoffbedarf der Industrieländern treibt in Entwicklungs- und Schwellenländern die lokale kleinbäuerliche Wirtschaft in neue Abhängigkeiten und beschleunigt soziale Verwerfungen. Es ist daher Zeit für eine Agrarwende, bei der gesunde Nahrungsmittel auf zweifach nachhaltige Weise hergestellt werden. Sozial nachhaltig, unter Wahrung der Menschenrechte und ökologisch nachhaltig, unter schonendem Umgang mit Ressourcen, vielfältigen Fruchtfolgen, dem Einsatz von organischen Düngern und natürlicher Schädlingsbekämpfung.

Nur durch gemeinsame Anstrengungen von Entwicklungsländern und Industrienationen und nur durch das Zusammenspiel von Entwicklungs-, Agrar-, Handels-, Umwelt- und Finanzpolitik lässt sich der Hunger auf der Welt erfolgreich bekämpfen.

Lesen Sie unsere konkreten Forderungen an die Bundesregierung im Antrag "Die Ursachen des Hungers bekämpfen – die ländliche Entwicklung fördern".

 

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