Gender Mainstreaming als Planungsinstrument im öffentlichen Raum
Im Jahr 1988 entwarfen grüne Frauen ein verkehrspolitisches Konzept von Frauen für Frauen. Sie warnten davor, dass der Autoverkehr und der Autozwang die Frauen diskriminiert und die Umwelt zerstört. Wo stehen wir heute?
Verkehrswende weiter entfernt denn je
Gerade der Zugang zur "Mobilität" symbolisiert wie kaum ein anderes gesellschaftliches Verhalten die unterschiedlichen Lebensentwürfe. Bestehende Unterschiede zwischen Alt und Jung, Arm und Reich, Stark und Schwach, Klein und Groß, Mann und Frau werden hier am deutlichsten und entscheiden über die Teilhabe am öffentlichen Leben. Gender Mainstreaming kann hier mehr Zugangsgerechtigkeit bewirken, indem Strukturen optimaler an den verschiedenen Bedürfnissen ausgerichtet und somit ein effizienterer Einsatz der Mittel erreicht wird. Es ist ein grünes Ziel, diesen Ansatz stärker in der Stadt- und Verkehrsplanung zu berücksichtigen.
Auch heute werden die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten noch durch die von Männern dominierte planerische Ausgestaltung der Wohnstätten, der Wohnumgebungen und des Verkehrs verstärkt. Verkehrsplaner lieben Autos! Immer noch sind es vor allem die Frauen, Mädchen und alten Menschen in unserer Gesellschaft, die die Konsequenzen der autofokussierten Stadtplanung tragen müssen.
So hat sich zum Beispiel mit der steigenden Motorisierung für viele Menschen das Einkaufsverhalten geändert. Statt auf dem Heimweg notwendige Güter des täglichen Bedarfs zu erstehen, wird heute ein bis zweimal pro Woche ein Großeinkauf mit dem Auto getätigt und die Entfernung zum nächsten Geschäft spielt eine untergeordnete Rolle.
Unsere heutigen Siedlungsstrukturen erfordern vor allem in ländlichen Regionen ein Auto, um überhaupt den Alltag in erträglichen Zeithorizonten zu bewältigen. Viele dieser Fahrten könnten wir mit dem Rad, zu Fuß oder auch mit dem ÖPNV erledigen. Aber das Radwegenetz ist lückenhaft und den Menschen oft zu unsicher, viele Kreuzungen gefährlich. Auch der ÖPNV ist unzureichend, kompliziert und wenig komfortabel gestaltet.
Wir werden die Zukunft neu denken müssen
Das Wohnen und die Mobilität der Zukunft werden weitgehend ohne fossile Energien auskommen müssen. Dieser Veränderungsprozess wird alle Teile unserer Bevölkerung betreffen und kann nur erfolgreich gelingen wenn Alle beteiligt werden. Gender Mainstreaming in der Stadt- und Verkehrsplanung ist dafür eine sinnvolle und notwendige Strategie.
