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Energieversorgung | 08.07.2008

Die Stromlücken-Lüge

Stromkonzerne und interessierte politische Kreise wollen uns weismachen, die Lichter gingen aus, wenn wir nicht massenhaft neue Kohlekraftwerke bauen würden und alle AKWs länger am Netz lassen. Aber: Lügen haben kurze Beine - das gilt auch für die Stromlücken-Lüge. Denn in Wahrheit hat Deutschland jede Menge Energie. Die Jahre 2006 und 2007 brachen sämtliche Rekorde beim Stromexport. Und das, obwohl im Sommer 2007 gleich sieben Atomkraftwerke parallel wegen Störfällen und technischer Mängel still gelegt werden mussten und die Jahresmenge an Atomstrom unerwartet um 20% zurückging.

Die beträchtlichen Schwankungen bei der Atomstromerzeugung werden durch erneuerbare Energien heute bereits mehr als aufgefangen. In den letzten Jahren gingen allein Windenergieanlagen mit einer Leistung von 22.000 MW ans Netz. Weitere 200 Mrd. Euro wird die Erneuerbaren-Branche bis 2020 in den Kraftwerksneubau investieren. Bis dahin werden auch nach Willen der Bundesregierung 30%, nach Aussagen der Branche mindestens 35% des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen. Mit dem Ausbau von Biomassekraftwerken, Windparks auf dem offenen Meer sowie Fortschritten bei der Netzintegration wird immer mehr dieser grünen Energie jederzeit zur Verfügung stehen.

Zweites Standbein der künftigen Stromversorgung ist die Kraft-Wärme-Kopplung, die gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt und deshalb besonders umweltverträglich ist. Unabhängige Studien schätzen, dass über die Hälfte des Strombedarfs in Deutschland allein aus solchen Anlagen abgedeckt werden könnte. Heute sind es gerade einmal 11%, bis 2020 sollen es mindestens 25% sein, möglich sind nach Expertenmeinung über 50%.

Und schließlich wird im Jahr 2020 noch Strom aus heute bereits bestehenden Anlagen kommen. 45 bis 50 Jahre bleiben Kraftwerke nun mal am Netz. Damit stehen 2020 nach Berechnungen des Umweltbundesamtes bzw. des Öko-Instituts noch  bis zu 60.000 MW des heutigen Kraftwerksparks für die Stromversorgung bereit. Weitere 10.000 MW würden über neue Gas-Kraftwerke beigesteuert.

Grüne Konzepte für sichere Energieversorgung

<inline_link LinkAufObjektID="195695" LinkObjektTypID="8"/>Wir Grüne haben in unserem Konzept Energie 2.0 aufgezeigt, dass nicht Kohle- und Atomkraft künftig für eine sichere Stromversorgung sorgen, sondern nur die drei "großen E":  Effizienz, Einsparung und erneuerbare Energien. Mit einer Klimaschutzstrategie ohne Wenn und Aber ist Atomkraft ebenso verzichtbar wie der Neubau von Kohlekraftwerken. Mit den grünen Maßnahmen könnte der Stromverbrauch in Deutschland bis 2020 um 16% gesenkt werden. Der Strombedarf würde dann aus 40% erneuerbaren Energien, 30% hocheffizient erzeugten KWK-Strom und nur noch 30% konventionelle Kraftwerken gedeckt werden. Damit würden die Klimaschutzziele erreicht und zugleich Versorgungssicherheit, wirtschaftliches Wachstum und neue Arbeitsplätze geschaffen.

Doch das passt den Stromkonzernen nicht, denn ein Großteil der Kraftwerke würden sich ihrer Kontrolle entziehen. In einem dezentralen Kraftwerkspark mit einem hohen Anteil an Wind-, Solar- und Biomasse sowie KWK-Strom werden E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall ihre Vormachtstellung verlieren. Und genau das soll die Stromlücken-Lüge verhindern. Sie ist nicht mehr als der Rammbock, mit denen die Konzerne ihre Großkraftwerke durchsetzen und so weiterhin exorbitante Profite auf Kosten der Verbraucher und ihre Vormacht im Energiemarkt für die nächsten Jahrezehnte sichern wollen.

Neue Kohlekraftwerke schaden dem Klima

Im Kampf um die Macht missbrauchen die Konzerne sogar den Klimaschutz, um neue Kohlekraftwerke durchzudrücken. Effiziente Neuanlagen – so tönen sie - würden alte Dreckschleudern ersetzten und so dem Klima nutzen. Doch erstens erhöhen Neukraftwerke die Effizienz nur um wenige Prozent, und zweitens bleiben sie den Beweis schuldig, dass Altanlagen abgeschaltet werden. Bislang laufen selbst die ältesten Kraftwerke munter weiter und blasen zusätzlich zu den neueren Schadstoffe in die Atmosphäre.

Richtig ist, dass mit neuen Kohlekraftwerken die Klimaschutzziele nicht zu erreichen sind und zudem die Chance verspielt wird, nach 2020 die Klimagasfracht entscheidend zu senken. Denn einmal gebaut, bleiben die neuen Kohlekraftwerke mindestens 50 Jahre am Netz und stoßen riesige Mengen Kohlendioxid aus. Deshalb ist es aus Klimaschutzgründen besser, Altanlagen am Netz zu lassen und entsprechend dem Fortschritt beim Ausbau von KWK und erneuerbaren Energien so schnell wie möglich auslaufen zu lassen.

 

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