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Konferenz | 07.07.2008

Wald ist grün

Seite 1

Waldpolitik in Zeiten des Klimawandels

 

Der Waldbau muss in Zeiten des Klimawandels für Vielfalt sorgen. Denn eine große Vielfalt an Baumarten kann den klimawandelbedingten Ausfall einzelner Baumarten am ehesten bzw. schnellsten ausgleichen. Darin waren sich die ExpertInnen beim Kongress "Wald ist grün - Waldpolitik in Zeiten des Klimawandels", den die bündnisgrüne Bundestagsfraktion am 5. Juli in Berlin veranstaltet hatte, einig.

Überhaupt nicht einig waren sich die Fachleute und TeilnehmerInnen des Kongresses hingegen bei der Frage, ob diese Vielfalt nur einheimische oder auch ausländische Baumarten umfassen darf. Die Befürworter der Ansiedlung ausländischer Baumarten verwiesen darauf, dass ein Großteil der einheimischen Baumarten mit dem Klima der Zukunft möglicherweise nicht klar kommen würde, während bestimmte ausländische Baumarten voraussichtlich besser gedeihen und höhere Holzerträge bringen würden. Dies sei sowohl zur "Rettung der Bewaldung" als auch zur Erzielung möglichst hoher Holzerträge notwendig. Die Gegner verwiesen darauf, dass ausländische Baumarten überhaupt nicht eingenischt sind und kaum von anderen Arten (Insekten, Pilze) besiedelt sind. Gerade dies mache sie ungeeignet, für eine möglichst hohe biologische Vielfalt im Wald zu sorgen, und besonders anfällig für widrige Klima- und biologische Bedingungen.

Einige Forstwissenschaftler räumten gründlich mit der Vorstellung auf, man könne prognostizieren, wie sich der Wald und einzelne Baumarten in Zeiten des Klimawandels entwickeln würden. Schließlich könne man nicht wissen, welche Schadorganismen sich mit dem Klimawandel ausbreiten und welche für einzelne Baumarten wichtigen Arten (insbesondere Insekten- und Pilzarten) unter dem Klimawandel in welchem Maße leiden würden. Hinzu kommt, dass sich nicht nur Jahresmittelwerte einzelner Klimafaktoren, sondern auch die Veränderung ihres jahreszeitlichen Verlaufes auf die Vitalität einzelner Baumarten auswirken.

Naturschützer sprachen sich vehement dafür aus, 5 bis 10% der einheimischen Wälder aus der Nutzung zu nehmen, um die gesamte biologische Vielfalt an Arten und Biotoptypen schützen bzw. wiederherstellen zu können. Dies liege nicht nur im Interesse des Naturschutzes. Vielmehr brauche auch der Forstwirt und Waldbesitzer hinreichend große Naturwaldreservate, um beobachten zu können, wie sich ein natürlicher Wald entwickelt. Dies kann derzeit niemand wirklich sagen, da es Wälder mit einer rein natürlichen Entwicklung kaum gebe. Gerade in Zeiten des Klimawandels sei es jedoch wichtig, diese Erkenntnisse für die Wirtschaftswälder nutzen zu können. Die Gegner dieses Nutzungsverzichtes verwiesen darauf, dass man die Holzmengen aus den Naturwaldreservaten in Zukunft brauchen werde, wenn man das Klima schützen wolle. Außerdem könne man sich die Waldflächenstilllegung weder betriebs- noch volkswirtschaftlich leisten. Viele Arbeitsplätze hingen von der Holznutzung ab.

Erwartet kontrovers wurde die Frage diskutiert, ob man die Grundsätze der guten fachlichen Praxis im Waldbau in Zeiten des Klimawandels gesetzlich festlegen sollte oder nicht. Die Waldbesitzer gehen davon aus, dass die Vielfalt der waldbaulichen Entscheidungen der Waldbesitzer für die erforderliche Vielfalt an Wäldern sorgt und sich einmal festgelegte gesetzliche Vorgaben gerade in Zeiten des Klimawandels als viel zu statisch erweisen werden. Die BefürworterInnen gesetzlicher Vorgaben bezweifeln demgegenüber, dass es diese Vielfalt der Entscheidungen in Zeiten steigender Holznachfrage und Holzpreise tatsächlich geben wird. Vielmehr sei zu befürchten, dass sich die große Mehrheit der Waldbesitzer zu einer Übernutzung ihrer Wälder hinreißen lasse. Außerdem sei es insbesondere im Privatwald nach wie vor verbreitet, auf Monokulturen standortfremder Baumarten anstelle von Mischwäldern standortheimischer Baumarten zu setzen. Aus diesem Grund müsse man den naturnahen Waldbau gesetzlich erzwingen.

Diese Kontroversen zeigen, dass die Debatte, wie der Waldbau auf den Klimawandel reagieren muss, alles andere als abgeschlossen ist. Sie wird für die nächsten Jahre bis Jahrzehnte noch viel Stoff liefern.

Lesen sie auf den folgenden Seiten die Kongressthesen der ReferentInnen:

Dr. Wilhelm Knabe

S. 2

Prof. Michael Succow

S. 3

Prof. Erwin Hussendörfer, FSC

S. 4

Gregor Beyer, NABU

S. 5

Dr. Rudolf Luers, GDHolz

S. 6

Corinna Hölzel, Greenpeace

S. 7

Georg Schirmbeck, DFWR

S. 8

 

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