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CO2-Grenzwerte für Autos | 10.06.2008

Artenschutz für Spritschlucker

Vor dem Weltverkehrsforum in Leipzig erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel Ende Mai vor 50 Verkehrsministern, es sei nicht hinnehmbar, dass die Autoindustrie von ihrer Selbstverpflichtung zur Senkung der CO2-Emissionen abgerückt ist. Keine zwei Wochen später setzt die selbsternannte Klimakanzlerin durch, dass die deutsche Autoindustrie für ihre Untätigkeit belohnt wird, indem die Einführung des CO2-Grenzwerts von 120 Gramm pro Kilometer mit Rücksicht auf die Spritschlucker von Audi, BMW, Daimler und Volkswagen de facto erst 2015 eingeführt wird. Angela Merkel hat sich damit zur Schutzpatronin der deutschen Automobilindustrie gemacht.

Merkel betreibt Industrielobbyismus

Die stufenweise Einführung der Grenzwerte (phase-in) bis 2015, die Absenkung der Strafzahlungen bei Nichteinhaltung, die Anrechnung von CO2 für "Ökoinnovationen", die nicht von den Autoherstellern kommen, und ein fast schon lächerlich zu nennender Grenzwert"korridor" von 95-110 Gramm für das Jahr 2020 - alles das trägt die Handschrift der Automobilindustrie, die der Kanzlerin für Ihren Industrielobbyismus denn auch höflich applaudiert.

Stiefkind Verkehr

In den automobilpolitischen Chaoswochen um die immer wieder verschobene Reform der Kfz-Steuer, um Forderungen aus den eigenen Reihen nach einer vollständigen Wiedereinführung der Entfernungspauschale zeigt die Kanzlerin mit ihrem Eintreten für große Spritschlucker von deutschen Herstellern einmal mehr, dass sie die Umsetzung der eigenen Klimaschutzziele im Verkehr nicht schert. Eine Senkung der verkehrsbedingten CO2-Emissionen um 33 Millionen Tonnen, die es das Klimaschutzpaket der Bundesregierung vorsieht, ist mit dieser Politik jedenfalls nicht zu erreichen. Der Verkehr bleibt das Stiefkind der Klimaschutzpolitik, wie auch die mangelnden Reduktionsanstrengungen bei den anderen Verkehrsträgern zeigen.

Für den Automobilbereich liegt der Schlüssel für verbrauchsärmere Fahrzeuge in ambitionierten CO2-Grenzwerten. Technisch ist heute schon viel mehr möglich, als die Autoindustrie anbietet, wie wir in unserem Green Car Concept anlässlich der IAA 2007 aufgezeigt haben. Besondere Chancen sehen wir in der Entwicklung von mit Ökostrom betriebenen Elektroautos. Dazu haben wir Ende April eine große Konferenz "Fahren die Autos der Zukunft elektrisch?" veranstaltet.

 

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