AKW-Unfall in Slowenien
Am frühen Abend des 4. Juni 2008 wurde aus dem Atomkraftwerk im slowenischen Krsko ein Zwischenfall gemeldet. Viel ist noch nicht bekannt, und dennoch wiegeln Politik, Verwaltung und natürlich auch die Betreiber jegliche Gefährdung ab.
Fakt ist, dass radioaktiv verseuchtes Kühlwasser aus dem Primärkühlsystem des Reaktors ausgetreten ist. In den Medien wird stattdessen lediglich von "ausgetretenem Wasser" berichtet. Fachleute gehen davon aus, dass dies zu einem Druckabfall im System geführt haben muss. "Das ist die erste Stufe zur Kernschmelze", bewertet ein Greenpeace-Sprecher diesen Defekt. Zum Glück scheint das belastete Wasser nicht aus dem Sicherheitsbereich des Reaktors ausgetreten zu sein, denn bislang wurde keine erhöhte Radioaktivität in der Umwelt gemessen.
Für eine Entwarnung ist es dennoch zu früh. Denn es bleiben Fragen, die es rasch zu klären gilt. Warum hat die EU-Kommission eine Warnmeldung herausgegeben? Die Aussage von Kommissar Piebalgs, er habe damit ein "Beispiel für Transparenz" geben wollen, klingt mehr als fragwürdig. Denn eine solche Sofort-Meldung ist nur für den Fall vorgesehen, dass ein "schwerer Störfall" zu befürchten ist. Offenbar rechnete die Kommission mit einem weitaus schlimmeren Unfall. Haben wir also wieder einmal nur Glück gehabt?
Unabhängige Fachleute müssen jetzt die anstehenden Fragen beantworten und den Zwischenfall lückenlos aufklären: War der Reaktor auf dem Weg zur Kernschmelze? Welche technischen und betrieblichen Ursachen stecken hinter dem Zwischenfall?
Der Betreiber, die EU-Kommission sowie die slowenischen Behörden müssen die Öffentlichkeit rasch aufklären anstatt zu beschwichtigen. Von der Bundesregierung erwarten wir eine zügige Veröffentlichung über alle ihr bekannten Informationen zum Zwischenfall.
Der Zwischenfall vom Mittwochabend zeigt erneut, dass die Europäische Union mit ihrem atomfreundlichen Kurs auf einem höchst gefährlichen Weg ist. Sicherheit gibt es mit der Atomkraft nicht, nicht bei der Energieversorgung und erst Recht nicht für Mensch und Umwelt.
