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Fachgespräch | 24.04.2009

"Das Getrennte aufeinander beziehen"

Spannungsverhältnis Kirche und Staat

"Wir haben hier ein konfliktreiches Thema und ich bin sicher, dass wir anregende Diskussionen haben werden", so eröffnete Josef Winkler, kirchenpolitischer Sprecher der bündnisgrünen Bundestagsfraktion, die Veranstaltung "Spannungsverhältnis Kirche und Staat" am24. April 2009. Die etwa 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich im Goldenen Saal zusammengefunden hatten, ließen sich nach den kurzen Eingangsstatements der PodiumsteilnehmerInnen auch nicht lange bitten.

Liberaler Katholik

Der Fraktionsvorsitzende der bayrischen Bündnisgrünen im Landtag, Sepp Daxenberger, eröffnete das Podium und beschrieb den Hintergrund der Veranstaltung, indem er den bayrischen Wahlprogrammsbeschluss vor gut einem Jahr erklärte und bemerkte, dass dieser ihn viel Energie gekostet habe. Als "liberaler Katholik" sei es ihm ein Anliegen, dass das an sich recht vernünftige Verhältnis von Staat und Kirche immer wieder neu ausgelotet werde und somit zum Nutzen beider fruchtbar sein könne.

Repräsentation und Integration

Riem Spielhaus nahm in ihrem Eingangsstatement Bezug auf die Bedeutung dieses Themas für die islamische Gemeinschaft. Die Islamwissenschaftlerin stellte fest, dass es für diese Community vor allem um eine geeignete Repräsentation und Integration im Bereich des deutschen Religionsverfassungsrechtes Fachgrspräch Kirche und Staatgeht. Leider werde allzu oft vergessen, dass nicht alle Menschen mit Migrationshintergrund automatisch Muslime seien und selbst wenn sie es sind, nicht ausschließlich als solche gesehen werden wollten. Die Integrationspolitik in Deutschland solle sich nicht so einseitig auf die Islamdebatte versteifen.

"Das Getrennte sinnvoll aufeinander beziehen"

Joachim Hake bemerkte zunächst, dass er als Direktor der katholischen Akademie Berlin vor allem für Gespräche zuständig sei und er deshalb gerne an dieser spannenden Debatte teilgenommen habe. "Das vertrauensvolle aufeinander Beziehen von Religion und Politik ist problematisch geworden. Das Getrennte sollte in Zukunft vielmehr sinnvoll aufeinander bezogen werden. Religion und Ethik sollen der Freiheit und der Integration dienen." Er bemerkte, dass es in einem interreligiösen oder ökumenischen Diskurs auch darum gehe zu verstehen woran der andere leide und welche Probleme und Verluste er mit seiner Religion in Deutschland zu beklagen habe. Diese Reflektion sei eine wichtige Voraussetzung, um als eine alte Religion den Anschluss an die Moderne zu finden.

"Religion ist immer politisch"

Die Rabbinerin der Neuen Synagoge in Berlin, Gesa Ederberg, eröffnete ihren Beitrag mit der Feststellung, dass Religion in den öffentlichen Raum gehöre, denn nur da "sei sie debattierfähig".  Das Verhältnis von Staat, Gesellschaft und Religion sei immer auch ein politisches. Wenn sie als Frau eine Kippa trage sei das ein politisches Statement. Wenn diese Kippa dann noch aus wiederverwerteten Rohstoffen hergestellt sei und außerdem in der Farbe grün erstrahle könnte man dies unter Umständen auch als eine parteiliche Präferenz deuten. Womit man schon wieder bei der Politik angekommen wäre.

Josef Winkler freute sich am Ende der Veranstaltung über die rege Diskussionsbeteiligung und dankte dem Publikum und den Diskutanten im Podium für die vielen interessanten Gedanken, die diese Veranstaltung zu Tage befördert habe.

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