Fragen an Renate Künast
Redaktion: Erledigt "die Politik" das Problem Klimawandel und Energieerzeugung oder brauchen wir eine gesamtgesellschaftliche Klimakultur?
Renate Künast: Wir brauchen beides: einen klaren politischen Rahmen für mehr Klimaschutz und eine "Klimakultur". Wir Grünen sorgen uns seit langem um die natürlichen Lebensgrundlagen und um das Klima. Wir wissen, dass wir anders leben müssen, damit wir unseren Kindern erhalten, was uns erhält. Die Politik muss ein Vorbild für nachhaltigen Konsum werden. Klar ist aber auch: Ohne eine breite Bewegung von unten werden wir den Umschwung nicht schaffen. Das fängt im Kleinen an mit dem kritischen Hinterfragen von sinnlosem Konsum und Dumpingstrategien. Und geht weiter, wenn man die Macht des Einkaufskorbes nutzt. Preiswerte Energiesparlampen und regionale Biolebensmittel sind heute kein großes Ding mehr. Als Politikerin kämpfe ich dafür, dass darüber hinaus klimafreundliche Alternativen für jeden erreichbar und erschwinglich sind.
Redaktion: Was ist Ihr eigener Lieblingsökofaktor?
Renate Künast: Biolebensmittel einzukaufen, zuzubereiten und zu genießen. Das schützt das Klima, weil z.B. weniger Dünger eingesetzt wird. Ich schaue aber nicht nur, was auf dem Tisch steht, sondern auch, was im Schrank hängt. Bei Biolebensmitteln haben wir schon viel erreicht, jetzt müssen wir unser Augenmerk auch auf Ökomode legen. Und ich wünsche mir mehr Zeit für Lebensqualität, zum Beispiel Fahrrad fahren und mit den Rollerskates auf die Piste gehen.
Redaktion: Wer sind für Sie (prominente) Vorbilder für einen Lebensstil mit Ökofaktor?
Renate Künast: Meine Vorbilder sind die vielen Alltagshelden, die wissen, dass Klimaschutz im Kleinen entsteht. Ich finde es gut, wenn die Leute selbständig denken, auf verlockende Kurztrips mit dem Flugzeug verzichten und sich ernsthaft um einen anderen Lebensstil bemühen. Ich möchte auch eine Lanze brechen für Utopisten, die strategisch konsumieren und zeigen, dass "öko" mit Genuss und Lebensfreude verbunden ist.
Redaktion: Wie kann der Staat seine ökologische Vorbildfunktion erfüllen?
Renate Künast: Ich möchte, dass Bund, Länder und Kommunen ihre ungeheure Nachfragemacht nutzen. Jedes Jahr bestellen sie Produkte und Dienstleistungen im Wert von rund 300 Milliarden Euro. Das ist eine großartige Möglichkeit, klimafreundliche Produkte voranzubringen. Beim Kauf von Dienstwagen oder beim Bauen müssen zum Beispiel ökologische Kriterien berücksichtigt werden. Und die öffentlichen Gebäude müssen zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien versorgt werden. Wir Grüne haben beispielsweise dafür gesorgt, dass der Deutsche Bundestag nur noch Ökostrom bezieht.

