Die Anerkennung des 2-Grad-Ziels allein reicht nicht
Immerhin die Einsicht wächst, dass am 2-Grad-Ziel kein Weg vorbeiführt. Vor allem auf dem Weg zur Klimakonferenz von Kopenhagen ist das 2-Grad-Ziel eine wichtige Weichenstellung. Aber die tatsächliche Formulierung in der Erklärung des Major Economies Forum (MEF) lässt den notwendigen Aufbruch nach wie vor vermissen. In der Abschlusserklärung heißt es lediglich "wir erkennen die wissenschaftliche Sicht an, dass die durchschnittliche globale Temperaturerhöhung 2 Grad nicht überschreiten sollte." Aber bezüglich der Reduktion von Treibhausgasen gab es von Seiten des MEF nicht viel mehr als eine vage Absichterklärung gemeinsam "ein substanzielles Reduzierungsziel bis 2050 zu identifizeren". Immerhin hat sich jetzt zumindest der G8-Gipfel dafür ausgesprochen eine 80-prozentige Reduzierung von Treibhausgasen bis 2050 als Ziel zu unterstützen, auch wenn man sich hinsichtlich des entscheidenden Bezugsjahrs (1990 oder später) noch nicht festgelegt hat.
In Heiligendamm 2007 hatte der G8-Gipfel erklärt, die "ernsthaften Erwägungen" zur Begrenzung des Klimawandels prüfen zu wollen. In Hokkaido, in Japan 2008 wollte man immerhin schon "mit allen Parteien … die Vision teilen", bis 2050 50 Prozent der Treibhausgasemissionen einzusparen. Sehr langsam, viel zu langsam, ist der Prozess der internationalen Klimapolitik. Nicht einmal mehr 6 Monate verbleiben noch bis zur Konferenz in Kopenhagen, auf der ein Kyoto –Nachfolgeabkommen für den Klimaschutz beschlossen werden soll.
Keine Zusagen für Zwischenziele bis 2020
Mit der Anerkennung des 2-Grad-Zieles akzeptieren die Staats- und Regierungschefs gerade einmal dass, was die Wissenschaft ohnehin seit Jahren fordert. Offen geblieben ist jedoch die entscheidende Frage, wie diese Begrenzung des Temperaturanstiegs erreicht werden soll und vor allem von wem zu welchen Anteilen? In diesen entscheidenden Fragen gibt es nach wie vor keinen Fortschritt. Die Industrieländer liefern keinerlei konkrete Zusagen für Zwischenziele bis 2020 und tragen nichts dazu bei, den Senkungspfad einzuschlagen, der für eine Verminderung um 80 Prozent bis 2050 notwendig ist. Das gilt auch für den ehemaligen Vorreiter und heutigen Klimaschutzbremser Deutschland.
Große Worte, viel zu wenig Taten
Kanzlerin Merkel und Umweltminister Gabriel reden die enttäuschenden Klimabeschlüsse des G8-Gipfels schön, indem sie einen Minimalkonsens als Durchbruch verkaufen. Die entscheidenden Fragen nach konkreten Zielen und Maßnahmen bis 2020 und Finanzhilfen für den Klimaschutz in den Ländern des Südens blieben offen. Die G8 haben auf dem Gipfel in L'Aquila ein Lippenbekenntnis zum 2-Grad-Ziel abgelegt, doch ihre reale Politik läuft auf 4 bis 6 Grad Erderwärmung hinaus. Europa, Japan und die USA sind weit davon entfernt, die Forderung des Weltklimarates IPCC nach einer Emissionsminderung um 25 bis 40 Prozent bis 2020 zu erfüllen. Deutschland müsste sein gegenwärtiges Klimaschutztempo verdoppeln, um die angestrebten minus 40 Prozent bis 2020 noch zu erreichen und damit seinen Beitrag zur Erreichung des 2-Grad-Ziels zu leisten. Große Worte, viel zu wenig Taten – das ist die Bilanz der Klimapolitik der Bundesregierung und leider auch des Gipfels von L'Aquila.
