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Internationaler Frauentag | 05.03.2009

Frauen sind mehr wert

"In bedeutsamen Lebensbereichen hat sich die Situation von Frauen [in Deutschland] verschlechtert. Deutliche Mängel gibt es bei der Antidiskriminierungspolitik. Trotz aller positiven Maßnahmen kämpfen Frauen auf dem Arbeitsmarkt mit erheblichen Benachteiligungen". Das ist das Fazit des sechsten UN-Berichts zur Beseitigung der Diskriminierung von Frauen (CEDAW) für Deutschland. Im Bericht finden sich 25 Beanstandungen, die meisten zur Situation von Frauen auf dem Arbeitsmarkt, zur Lohndiskriminierung, zur Unterrepräsentanz in Führungspositionen. Dagegen betont Frau von der Leyen, der CEDAW-Ausschuss habe sich mit den Fortschritten der deutschen Gleichstellungspolitik zufrieden gezeigt. Verzerrte Wahrnehmung oder Etikettenschwindel?

Gleicher Lohn

EU-Arbeitskommissar Vladimir Spidla wiederholt es derzeit im Wochenrhythmus: In der EU hat Deutschland mit 23 Prozent fast das höchste Lohngefälle zwischen Frauen und Männern. Auf einer von den Grünen initiierten Anhörung im Frauenausschuss im Januar 2009 legten die ExpertInnen verschiedene Vorschläge vor, dieser skandalösen Diskriminierung zu begegnen. Weitgehende Einigkeit bestand darüber, dass es ohne gesetzliche Regelungen nicht gehen wird.

Auswirkungen der Krise

Vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Finanzkrise stellt sich auch die Frage nach dem Stellenwert von Gleichstellungspolitik. Ist das nur ein Thema für wirtschaftlich gute Zeiten? Nein, denn gerade in der Krise ergibt sich die Möglichkeit, überkommene Strukturen und Rollen zu verändern und zu überwinden. Wir wissen noch nicht genau, wie sich die Krise auf Frauen auswirken wird. Klar ist aber jetzt schon, vom zweiten Konjunkturpaket werden Frauen kaum profitieren. Das Geld geht in Beton und Automobile – beides Branchen, in denen Frauen kaum vertreten sind.

Reservate des Patriarchats

Die Führungspositionen der deutschen Wirtschaft sind fest in Männerhand. In den Vorständen der 30 DAX-Unternehmen findet sich tatsächlich nur eine Frau. Den Unternehmen geht mit dieser Männerwirtschaft viel kreatives Potenzial verloren. Diese "Reservate des Patriarchats" sind nicht zukunftsfähig. Aber gerade Kreativität wird in der jetzigen Wirtschaftskrise gebraucht. Unternehmensberatungen wie McKinsey und Catalyst legen Jahr für Jahr Studien vor, nach denen gemischte Führungsteams deutlich bessere Unternehmensergebnisse bringen. Ursache dieser Krise ist ja nicht nur ein Versagen des Marktes, sondern auch ein Versagen der Manager. Wenn wir diese Krise als Chance begreifen wollen, müssen wir Strukturen verändern, nicht nur in den Banken und der Automobilindustrie, sondern gerade auch in den Aufsichtsräten. Wir brauchen ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft, konkrete Maßnahmen gegen die Lohnungleichheit, Mindestlöhne, die Quote für Aufsichtsräte.

Vier verlorene Jahre

Alle frauenpolitischen Debatten in dieser Wahlperiode des Bundestages gingen auf Anträge der Opposition zurück. Die große Koalition hat kein einziges frauenpolitisches Gesetz auf den Weg gebracht. Das sind vier verlorene Jahre für die Frauenpolitik. Es ist an der Zeit, dass dieser Stillstand, diese Blockade überwunden wird. Wir brauchen einen neuen Gesellschaftsvertrag auch zwischen den Geschlechtern. Wir brauchen eine Politik, die Frauen ernst nimmt. Wir brauchen wieder eine Frauen- und Gleichstellungspolitik!

 

Begrüßung: Renate Künast
Renate Künast begrüßt die Teilnehmerinnen des vierten Frauenempfangs der grünen Bundestagsfraktion.
Irmingard Schewe-Gerigk
Irmingard Schewe-Gerigk: "Vier Jahre große Koalition sind vier verlorene Jahre für die Frauenpolitik!"
Teilnehmerinnen
Für die Teilnehmerinnen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft und Medien gab es auf dem Empfang viel Gelegenheit zum engagierten Diskutieren und Vernetzen.
Renate Künast im Gespräch
Renate Künast im Gespräch mit Anke Domscheit (links, Microsoft Deutschland).
Musikerinnen
Das Duo Monika Schönfelder (Flöte und Saxophon) und Bettina Erchinger (Klavier).
Katrin Göring-Eckardt und Kerstin Müller
Von links: Katrin Göring-Eckardt, Sylvia Kotting-Uhl und Kerstin Müller.
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Irmingard Schewe-Gerigk und Britta Haßelmann (3. von links) mit Gästen.

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