Nach der Katastrophe
Das Desaster der Deepwater Horizon hat die größte Ölpest der Geschichte verursacht. Vermutlich sind in drei Monaten etwa 780 Millionen Liter Rohöl ausgelaufen - und damit deutlich mehr als beim bisherigen "Rekordhalter" Ixtoc. Hier waren 1979 525 Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko geflossen.
Die Aufarbeitung wird Jahre dauern: Es geht längst nicht nur um die Beseitigung der sichtbaren Schäden und die Entschädigung von Fischern. Rückblickend müssen vor allem folgende Fragen geklärt werden: Warum wird eine riskante Technologie eingesetzt, ohne dass zuvor Maßnahmen und Techniken zur Beherrschung und Eindämmung von Störfällen oder Unfällen entwickelt wurden? Warum gibt es keine funktionierenden Notfall- und Katastrophenpläne?
Die Aufarbeitung muss auch den massiven Einsatz von Chemikalien untersuchen – und ob deren Einsatz vor allem betrieben wurde, um die Katastrophe unsichtbar zu machen. Eine Webcam im Internet wurde erst frei geschaltet, nachdem die Kritik an der Informationspolitik durch BP immer lauter wurde. Nur nach und nach wurde das Ausmaß der riesigen Öllachen unterhalb der Wasseroberfläche bekannt.
Damit das Öl nicht auf der Meeresoberfläche treibt und dort durch den Wind getrieben in die besonders empfindlichen küstennahen Ökosysteme gelangt, wurde mit einer giftigen Chemikalie das Absinken gefördert. Das wahre Ausmaß der Verschmutzung blieb deswegen lange unsichtbar - die genauen Umweltauswirkungen der eingesetzten Chemikalie sind jedoch weiterhin unbekannt.
Alle Versäumnisse müssen unverzüglich aufgearbeitet werden. Es ist unabdingbar, massiv in die Sicherheit und in Sicherheitsforschung zu investieren. Wer in Deutschland mit der hohen Qualität seiner Kraftstoffe wirbt, darf sich bei der Sicherheit keine Nachlässigkeit leisten. Die notwendigen Vorkehrungen müssen modernsten Standards genügen, sie müssen zu jeder Zeit einsatzbereit sein und es muss ein störungsfreier Betrieb gewährleistet sein.
Hat BP nicht verstanden?
BP übte öffentlich immer wieder den Kniefall, entschuldigte sich und gab einen Entschädigungsfonds über zwanzig Milliarden Dollar frei. Gleichzeitig macht man sich auf den Weg, um im Mittelmeer vor der libyschen Küste in 1750 Meter unter dem Meeresspiegel zu bohren, also noch 250 Meter tiefer als beim Katastrophenloch im Golf! Hat der Konzern nicht verstanden?
Wie ist dieses Verhalten mit den Eingeständnissen in Verbindung zu bringen? Vor dem amerikanischen Kongress musste der Konzernchef massive Sicherheitsmängel eingestehen und verwies gleichzeitig immer wieder auf die laufenden Untersuchungen. Einerseits sind keine Auskünfte möglich – gleichzeitig vertraut man den technischen Anlagen, um noch tiefer zu bohren. Es bleibt unverständlich, wie das zusammenpasst und inzwischen organisiert sich Protest im Netz, an dem man sich beteiligen kann.
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