Springe direkt zu: Contentbereich, Hauptnavigation, Suche
Sie sind hier:
Die Intensivierung der Landwirtschaft äußert sich in vielfältigen nachteiligen Umweltwirkungen: Homogenisierung der Landschaft, Vergrößerung der einzelnen Ackerflächen und der damit verbundene Wegfall von Feldrainen und Gebüschen oder der zunehmende Gebrauch von Mineraldüngern und Pestiziden.
Eine Folge ist der dramatische Rückgang der an die Landwirtschaft angepassten Flora und Fauna. Heute steht zum Beispiel jedes zweite Ackerwildkraut auf der Roten Liste. Aber auch Feldvögel wie das Rebhuhn sind stark gefährdet.
In einer europaweiten Studie unter Beteiligung der agrarökologischen Abteilung der Universität Göttingen wurde nun nachgewiesen, dass der Hauptgrund für den Rückgang der Artenvielfalt der Einsatz von Fungiziden und Insektiziden ist. Während auf einem ökologisch bewirtschafteten Feld rund 1.000 Arten vorkommen, sind es auf einem mit Pestiziden behandelten Feld nur noch halb so viele. Aber auch die natürlichen Funktionen von Agrarökosystemen werden durch den Einsatz von Pestiziden nachhaltig gestört. So wurde in der Studie belegt, dass durch den Einsatz von Pestiziden der Bestand von Blattläusen deutlich zunahm – ihre natürlichen Feinde wie Schlupfwespen oder Spinnen waren getötet worden.
Die Studienergebnisse veranlassen die Forscher zu dem Appell, dass die Artenvielfalt nur dann erhalten werden kann, wenn der Einsatz von Pestiziden weitestgehend minimiert wird. Dass dies möglich ist, bescheinigt eine aktuelle Studie des französischen Agrarforschungsinstituts INRA. Nach deren Untersuchungen könnte heute schon auf 30 Prozent der Spritzmittel verzichtet werden, ohne die Versorgungssituation oder die Einkommen der Landwirtschaft zu gefährden. Eine weitergehende Reduzierung hält die INRA ebenfalls für machbar, wenn die Forschung zu alternativen Pflanzenschutzmechanismen deutlich ausgebaut würde.
Bündnis 90/Die Grünen fordern von der Bundesregierung, ein nationales Pestizidreduktionsprogramm aufzulegen, das konkrete, quantitative Minderungsziele vorsieht. Die Erforschung, Entwicklung und Anwendung alternativer Pflanzenschutzmaßnahmen muss gefördert und vorangetrieben werden.
Die Landwirtschaft muss ihren Beitrag leisten zu Klimaschutz und Artenerhalt. Darauf muss die europäische Agrarpolitik ausgerichtet werden. Agrarzahlungen müssen den nachhaltig wirtschaftenden Betrieben die von ihnen erbrachten gesellschaftlichen Leistungen vergüten und nicht länger die Intensivierung einer auf Kostenführerschaft orientierten Agrarproduktion vorantreiben.
Im Internationalen Jahr der Biodiversität 2010 ist es eine traurige Bilanz, dass weder die Weltgemeinschaft noch die Europäische Union noch die Bundesrepublik Deutschland das Ziel, bis 2010 den Verlust an biologischer Vielfalt zu stoppen, auch nur annähernd erreichen. Nur das konsequente Einbinden des Artenschutzes in alle Politikbereiche kann zu einer Trendwende führen.