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50 Prozent des in Supermärkten gekauften Hühnchenfleisches aus industrieller Massenproduktion ist mit Antbiotika-resistenten Keimen belastet. Das hat eine aktuelle, vom BUND beauftragte Untersuchung ergeben. Eine Studie aus NRW kommt zu dem Ergebnis: In 83 Prozent der Mastdurchgänge bei Hühnchen wurden antimikrobielle Substanzen eingesetzt. Insgesamt wurden 96,4 Prozent der Tiere mit Antibiotika behandelt. Eine nähere Betrachtung der Ergebnisse legt nahe, dass die Medikamente verbotener Maßen auch präventiv und wachstumsfördernd verwendet werden. Das Land Niedersachsen kommt in einer eignen Erhebung zum Antibiotkia-Einsatz in der Tierhaltung zu vergleichbaren Ergebnissen.
Diese Zahlen machen deutlich: Das System Massentierhaltung ist am Ende. Neben den schädlichen Auswirkungen auf Umwelt und Klima und dem erheblichen Tierleid, das es hervorruft, wird es zunehmend auch zu einer gesundheitlichen Gefährdung für den Menschen. Mediziner und Mikrobiologen warnen bereits vor dem Rückfall in ein prä-antibiotisches Zeitalter. Die Hauptgründe für die zunehmenden Resitenzbildungen und die steigende Unwirksamkeit der Antibiotika sehen sie in der inflationären Verschreibepraxis in der Humanmedizin und der massiven Antibiotikavergabe in der intensiven Nutztierhaltung.
Im Kampf gegen den Missbrauch von Antibiotika in der Tierhaltung plant Bundesministerin Ilse Aigner jedoch nur kosmetische Änderungen. Ein konsequentes Vorgehen scheut sie, weil ihr klar ist: Die industrielle Fleischproduktion funktioniert ohne Antibiotika nicht.
Zwar hat sie eine Änderung des Arzneimittel-Gesetzes vorgelegt, mit dem die Dokumentationspflichten bei der Antibiotika-Vergabe etwas verbessert werden sollen. Wirklich zielführende Ansätze fehlen aber. Weder wird die direkte Meldung von Antibiotika-Verschreibungen durch die Tierärzte in eine für alle Kontrollbehörden zugängliche Datenbank vorgeschrieben, noch soll genauer definiert werden, ab wann überhaupt eine Bestandsbehandlung anstelle einer Einzeltierbehandlung erfolgen darf. An die Tatsache, dass Tierärzte Mengenrabatte auf Antibiotika erhalten und somit ein Anreiz zu hohen Verschreibungen gesetzt wird, traut sich die Ministerin nicht ran.
Auch beim Thema Qualzuchten liefert Aigner nicht das, was sie verspricht. Zwar will sie den Qualzuchtparagrafen im Tierschutzgesetz überarbeiten. Juristen sind aber überzeugt, dass die von ihr vorgelegte Formulierung die Rechtsprechung zum Verbot von Qualzuchten keinesfalls erleichtern wird. Es wird also weiterhin die Regel bleiben, dass z.B. die Puten-Rassen BIG6 und BIG7 so auf Fleischzuwachs gezüchtet werden, dass die Tiere ab der 12. Woche nicht mehr aufstehen können, weil ihre Gelenke durch das hohe Gewicht deformiert sind. Es verwundert nicht, dass diese Tiere ohne Antibiotika das Schlachtalter überhaupt nicht erreichen.
Wir Grünen fordern ein umfassendes Maßnahmenpaket, um den Missbrauch von Antibiotika wirksam einzudämmen. Nur so lassen sich weiteres Tierleid und die Entstehung von Antibiotika-Resistenzen wirksam vermeiden.