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Gentech-Anbau

24. Februar 2011

Mehr Schein als Sein

Alle Jahre wieder verkündet die internationale Biotechnologie-Organisation ISAAA – gesponsert unter anderem von Monsanto und Bayer CropScience – dass der weltweite Anbau von Gentech-Pflanzen stark steigt. Ein genauer Blick auf die von ISAAA vorgelegten Anbauzahlen für 2010 zeigt: Der angeblich so massiv gestiegene weltweite Gentech-Anbau auf 148 Millionen Hektar ist ein Scheinriese.

Fakt ist: Gentech-Pflanzen wachsen – selbst wenn man den ISAAA-Zahlen glaubt - nur auf rund drei Prozent der weltweiten Anbauflächen (die auf rund 4.803 Millionen Hektar geschätzt wird). Das heißt: Rund 97 Prozent weltweit sind gentechnikfrei. Und fast 80 Prozent dieser Gentech-Anbauflächen liegen schon seit Jahren in nur drei Ländern: USA (rund 67 Millionen Hektar), Brasilien (rund 25 Millionen Hektar), Argentinien (rund 23 Millionen Hektar).

In der EU sinkt der (schon immer sehr geringe) Gentech-Anbau seit Jahren. Laut einem aktuellen Bericht der Umweltorganisation Friends of the Earth wurden 2010 nur in 8 von 27 EU-Ländern Gentech-Pflanzen auf einer Fläche von rund 82.000 ha angebaut (vor allem in Spanien). Ingesamt hat diese Fläche einen Anteil von nur rund 0,06 Prozent an der gesamten landwirtschaftlichen Anbaufläche der EU.

Gentech-Pflanzen für die Welternährung - Fehlanzeige

Um dem Vorwurf zu begegnen, Gentech-Pflanzen seien nur für Industrieländer, beteuert die ISAAA regelmäßig, dass immer mehr Kleinbauern in Entwicklungsländern die Agro-Gentechnik nutzen würden. Zunächst einmal ist die von der ISAAA für 2010 genannte Zahl von weltweit rund 14,4 Millionen Gentech anbauenden Landwirten in Relation zu über 500 Millionen Landwirten doch recht mager. Und natürlich nutzen relativ gesehen mehr Landwirte in Entwicklungsländern Gentech-Pflanzen – denn in kleinbäuerlichen Strukturen der Entwicklungsländer sind immer mehr Landwirte beteiligt als in US-Monokulturen, wo eine einzige Fläche nur von einem Landwirte bearbeitet wird. Es zählt also nicht der Kopf, sondern die Fläche.

Auch die Schönfärberei der ISAAA, wonach der Gentech-Anbau in Ländern wie Argentinien oder Brasilien (die ISAAA zu den Entwicklungsländern zählt) der Rettung der Welternährung und des Energiebedarfs diene, ist Humbug. Fast alle weltweit angebauten Gentech-Pflanzen werden als Futtermittel in die Industrienationen exportiert, der Rest ist Gentech-Baumwolle für die Textilindustrie.

Teuer, unerwünscht und gefährlich für gentechnikfreie Produktion

Der Durchmarsch der Agro-Gentechnik wurde schon vor über zwanzig Jahren angedroht. Mit von der Agro-Gentechnik-Industrie regelmäßig lancierten Meldungen, wonach schon überall Gentech-Pflanzen wachsen und in unseren Lebensmitteln zu finden sind, soll der Öffentlichkeit suggeriert werden: Widerstand ist zwecklos.

Fakt ist: Nicht der Anbau von Gentech-Pflanzen und der Markt für Gentech-Produkte sind gewachsen, sondern der Widerstand dagegen - und die Probleme und Kosten durch Verunreinigungen, die den Landwirten und Lebensmittelproduzenten entstehen, die bewusst auf Gentech-Pflanzen in Lebens- und Futtermitteln verzichten wollen. Laut einer 2009 publizierten Studie des Bundes für Ökologische Landwirtschaft (BÖLW) kosten die Systeme zum Erhalt der gentechnikfreien Lebensmittelproduktion in der EU und Japan jährlich 100 Millionen US-Dollar, wobei diese Zahl noch nicht die wirtschaftlichen Aufwendungen der jeweiligen regionalen Erzeuger und Händler beinhaltet.

Umso wichtiger ist es, dass die Bundesregierung endlich akzeptiert, dass die Mehrheit der Verbraucher keine Gentech-Pflanzen auf dem Acker will, weder hier noch in anderen Ländern. Die Bundesregierung muss die Landwirte und Lebensmittelproduzenten unterstützen, die bewusst auf den Einsatz von Gentech-Futtermitteln verzichten wollen. Doch während sich Bundesagrarministerin Aigner in Bayern gentechnikkritisch gibt, sorgt sie auf EU-Ebene für den Durchmarsch der Agro-Gentechnik in Deutschland. So hat sie die Anbauzulassung für die Gentech-Kartoffel Amflora als innovative Fortschritt begrüßt - der sich jedoch zum Glück bisher als Ladenhüter erweist und  in diesem Jahr nur auf der verschwindend geringen Fläche von 2 ha in Deutschland angebaut werden soll.

Auch der drohenden Verlängerung der EU-Anbauzulassung für den MON810-Mais blickt Aigner untätig entgegen. Sobald diese auf EU-Ebene erteilt wird, wäre das nationale Anbauverbot für MON810 in Deutschland automatisch aufgehoben und der umstrittene Mais könnte schon 2012 wieder in Deutschland angebaut werden.

 

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