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13. Juli 2006

Arbeitsmarkt – Teilhabe statt Ausgrenzung

In Deutschland treten die Menschen häufig recht spät in den Arbeitsmarkt ein und scheiden früh wieder aus. Angesichts der Folgen des demografischen Wandels für die sozialen Sicherungssysteme und die Versorgung mit Fachkräften ist dies ein unhaltbarer Zustand. Das Renteneintrittsalter hat sich durch verfehlte Anreizsysteme stetig nach vorn verlagert. Derzeit liegt es bei 61,6 Jahren und ist damit weit von der gültigen Altersgrenze 65 entfernt. Die bisher üblichen Frühverrentungsstrategien und die im letzten Jahr von der großen Koalition beschlossene Verlängerung der 58er- Regelung sind Ursachen für die geringe Erwerbsquote Älterer. Darüber hinaus müssen öffentliche Arbeitgeber und Unternehmen ihre Altersdiskriminierung in der Personalpolitik korrigieren. Durch innovative Mediennutzung kann beispielsweise mangelnde Mobilität von Älteren und Menschen mit Behinderungen ausgeglichen werden. Eine konsequente Förderung der Medienkompetenz ist eine Möglichkeit, die berufliche Integrationsfähigkeit dieser Gruppe zu erhalten und zu steigern. Wir brauchen neue Wege in der beruflichen Weiterbildung und im lebenslangen Lernen. Was früher Frühverrentung war, muss heute ein beruflicher Neuanfang mit 55 werden.

Flexible Arbeitszeitgestaltung: Mehr Teilhabe für Jung und Alt

Erwerbstätigkeit ist nach wie vor überaus wichtig für die Möglichkeiten individueller Selbstverwirklichung und für soziale Integration. Sie ist ebenso der Grundpfeiler unserer sozialen Sicherungssysteme. Die Ausbildungssituation ist katastrophal: Viele junge Menschen haben kaum Chancen auf einen Ausbildungsplatz, andere hangeln sich von Praktikum zu Praktikum. Vor dem Hintergrund des demografischen Wanadels ist es nicht hinnehmbar, für junge Menschen den Einstieg durch unsichere Arbeitsverhältnisse zu erschweren und gleichzeitig älteren Menschen nicht mehr die Gelegenheit zu geben, ihre Erfahrungen und Kenntnisse einzubringen.

Während die einen von Arbeitslosigkeit betroffen sind, wünschen sich andererseits viele Erwerbtsätige Auszeiten für Familien oder andere Betätigungen. Wir brauchen deshalb eine neue Arbeitszeitpolitik, hier sind innovative Modelle mit Arbeitszeitkonten, Familien- und Lebensphasen-Teilzeit oder andere Instrumente flexibler Arbeitszeitgestaltung gefragt. Da die klassische "Normalarbeitsbiografie" immer seltener wird, müssen Institutionen und die sozialen Sicherungssysteme flexibler auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer reagieren.

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