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Erste Tendenzen, wie sich in Zukunft Wachstums- und Stagnationsräume verteilen werden, zeichnen sich bereits heute ab - gerade im Osten Deutschlands, wo einige Städte durch Abwanderung bereits mehr als ein Drittel ihrer Einwohnerinnen und Einwohner verloren haben.
Auch wenn Vorausberechnungen mit Vorsicht zu genießen sind, ist eines sicher: Alle Städte werden altern und viele werden schrumpfen. So gilt es zunächst, einen Paradigmenwechsel vorzunehmen: Weg von dem Leitbild des Wachstums von mehr Einwohnerinnen und Einwohnern, größerer Infrastruktur und größerem Flächenverbrauch, hin zu einem neuen qualitativen Ansatz: Die demografische Entwicklung und damit auch Schrumpfung und Alterung annehmen und positiv gestalten.
Dazu gehört erst einmal Ehrlichkeit. Denn was zunächst paradox klingt: Schrumpfen wird auch Geld kosten. Die Grundinvestitionen in die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern wie Wasser und Energie und in die Entsorgungsinfrastruktur wurden für den heutigen Bedarf getätigt. Bei weniger Einwohnerinnen und Einwohnern bleiben diese Fixkosten der Systeme bestehen, werden aber auf weniger Personen verteilt. Außerdem werden weitere Kosten für Umbau und Anpassungsmaßnahmen anfallen. Hier brauchen die betroffenen Kommunen auch künftig die Unterstützung von Bund und Land, beispielsweise durch Programme wie Stadtumbau-Ost, Soziale Stadt und andere. Es gilt, die Kommunen als Akteure zu stärken.
Aber nicht nur in dieser Hinsicht wird es zu Veränderungen kommen. Schrumpfende Einwohnerzahlen haben auch für die regionale Informationsversorgung Konsequenzen. Es gehört zu den Herausforderungen dieses Prozesses, dennoch vielfältige, qualitativ hochwertige Informationsmöglichkeiten auch in solchen Kommunen zu erhalten.
Wichtig ist es es, bereits frühzeitig einem sich abzeichnenden ruinösen Konkurrenzkampf zwischen Kommunen um Bevölkerung und Infrastruktur entgegen zu wirkenn. Dabei können neue netzwerkartige Kooperationsstrukturen (Regional Governance) helfen, Infrastruktur und Institutionen neu zu sortieren und geschickt auch über die Region zu verteilen. Dazu gehört auch, über das bestehende System des kommunalen Finanzausgleichs zu diskutieren. Wichtig dabei ist, die Bürgerinnen und Bürger selbst sowie zivilgesellschaftliche Akteure mit ins Boot zu holen und bei Planungen mit zu beteiligen. Nur so kann die Akzeptanz für Veränderungen entstehen und auch die Vorteile einer Schrumpfung den Bürgerinnen und Bürger transparent werden.
In vielen Kommunen hat das Umdenken bereits begonnen. Ein Beispiele sind die Innenstädte, die durch modernes Quartiersmanagement und die Förderung gemeinschaftlichen Wohnens und Lebens für alle Generationen attraktiver werden können.
Besondere Chancen ergeben sich für Städte, die sich geschickt auf neue Lebensformen einstellen und zielgruppenspezifische Angebote bereitstellen. Zwei Gruppen, die infolge des demografischen Wandels besonders wachsen werden sind Singles zwischen 25 und 35 Jahren und die Generation 50+. Beiden Gruppen ist Teilhabe und soziale Integration - gerade auch außerhalb familiärer Strukturen - wichtig. Weiche Standortfaktoren, wie Kultur- und Sportangebote, Einkaufsmöglichkeiten, Bürgerparks, attraktive zentrale Wohnanlagen und Dienstleistungsangebote werden ausschlaggebend für den Wegzug bzw. Zuzug dieser Bevölkerungsgruppen sein.
Einige Städte haben bereits ältere Menschen als Zielgruppe für sich in ihrem Stadtmarketing entdeckt und gewinnen durch kultur- und altersspezifische Angebote diese Altersgruppe für sich. Beispiele sind Weimar oder die Stadt Görlitz, die an ihren Ruf als "Pensionopolis" von vor 100 Jahren anknüpft. Andere arbeiten an einem Profil als kinder- und familienfreundliche Stadt. Moderne Stadtpolitik hat viele Alternativen, um mit urbanen Lebens- und Erlebenswelten, Bürgerinnen und Bürger mit ganz unterschiedlichen Lebensformen für sich zu gewinnen.
Eine Vision für Stadtentwicklung könnte außerdem ein neues ökologisches Paradigma für Innenstädte sein. Es würde helfen, Energiekosten zu sparen, den Zersiedelungsprozess zu stoppen und die neu entstandenen Freiflächen mit Parks und Gärten zu gestalten und dabei ein positives Lebensgefühl zu entfachen.
Politik vor Ort hat auch die Aufgabe eine nachhaltige Stadtentwicklungspolitik mit der Sozialpolitik zu verknüpfen. Denn in "unbeliebten Stadtteilen" bleiben vor allem sozial Schwache, alte Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund zurück. Arm und reich und mobil und immobil streben räumlich gesehen auseinander.
Insgesamt zeigt sich: Demografie muss in allen Bereichen einer Stadt mitgedacht, eine Gesamtstrategie entwickelt und bisherige Dezernatskategorien und -strukturen aufgebrochen werden. Ein guter Weg kann beispielsweise die Einrichtung von Demografiebeauftragten und Demografiebüros sein, die die Wichtigkeit des Themas und seine aktive Gestaltung unterstreichen sowie den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürger fördern können.