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Trotz Atomstreit und der Debatte um die Suche nach dem einen Standort für die Lagerung des deutschen Atommülls besteht bereits seit 40 Jahren ein solches Endlager: das so genannte Forschungsendlager Asse 2 in Niedersachsen unweit von Braunschweig.
Die Zustände in der Asse 2 sind alarmierend. Obwohl als reines Forschungsendlager konzipiert, wird in dem ehemaligen Bergwerk seit 1965 leicht- und mittelradioaktiver Atommüll gelagert. Bis zum Ende der Einlagerung 1978 ist die Zahl der Atommüllfässer auf 125.787 angewachsen, davon wurden die meisten abgekippt und mit Salzgranulaten bedeckt, so dass die Beobachtung möglicher Veränderungen an Fässern und ihren Inhalten kaum mehr durchführbar ist.
Heute, knapp 30 Jahre nach Ende der Einlagerung, kann von sicherer Lagerung nicht mehr gesprochen werden. Seit 20 Jahren sickert salzhaltiges Wasser in das Endlager ein, dessen Herkunft und exakter Verbleib bislang nicht geklärt werden konnte. Die eindringende Salzlösung wird die eingelagerten Fässer angreifen und sehr wahrscheinlich Radionuklide herauslösen. Da die Asse von verschiedenen Grundwasser leitenden Gesteinsformationen umgeben ist, kann der Kontakt der Salzlösung zum Grundwasser nicht ausgeschlossen werden. D.H., dass auf diesem Weg Radioaktivität ins Grundwasser gelangen kann.
Das zuständige Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (GSF) plant durch die Einbringung gesättigter wässriger Magnesiumchloridlösung diese Gefährdung zu stoppen. Die Lauge soll die Standfestigkeit des Grubengebäudes stabilisieren. Danach soll das Forschungsendlager umgehend geschlossen werden. Der Zustand der Müllfässer soll weiterhin nicht überwacht werden.
Der Antrag zur Schließung konnte vom zuständigen Landesamt aufgrund unvollständiger Sicherheitsnachweise nicht genehmigt werden, u.a. ist der Nachweis über die Wirksamkeit des Verfüllens mit Magnesiumlösung nicht erbracht. Im Gegenteil: NaturwissenschaftlerInnen, wie der Chemiker Professor Bertram warnen vor verheerenden Folgen, wenn die metallenen Giftfässer dauerhaft einer wässrigen Lösung ausgeliefert wären. Es kann neben der Vergiftung des Grundwassers auch zur Entwicklung von brennbaren, explosiven und toxischen Gasgemischen bis hin zu radioaktiven Emissionen kommen.
Diese Gefahrenlage am Standort Asse 2 ist weder jetzt noch in 100 oder 10.000 Jahren hinnehmbar. Deshalb lautete unsere Forderung, die Atommüllfässer zu bergen und an einem sicheren Standort zu verwahren.
Der Betriebsablauf des Endlagers fand bisher unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, da die Lagerstätte unter dem Bergrecht genehmigt worden war. Im Bergrecht, das aus der Zeit der Nazi-Diktatur stammt, ist noch keine Öffentlichkeitsbeteiligung vorgesehen. Erst eine tatkräftige Bürgerinitiative konnte erreichen, dass sich die Betreibergesellschaft GSF in Informationsgesprächen den Fragen der Betroffenen stellt – mit allen Unverbindlichkeiten, die durch die fehlende rechtliche Verpflichtung möglich sind.
Wir fordern die Überführung des Endlagers Asse 2 in das Atomrecht und die damit verbundene Durchführung eines transparenten Verfahrens zur sicheren Verwahrung des Atommülls – selbstverständlich unter Beteiligung der Öffentlichkeit. Die Übertragung dieser Endlagerung in Atomrecht hätte darüber hinaus auch zur Folge, dass die Kosten für Rückholung und sichere Endlagerung von den Verursachern getragen werden müssten.