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Der Klimawandel bewegt die Menschen. Al Gores Intention, Amerikaner wach zu rütteln, erreicht inzwischen ein weltweites Publikum - so auch am 17. April im UCI Kino in Gera. Dorthin hatte die Bundestagsfraktion zu Film und Diskussion eingeladen und die Moderatorin Katrin Göring-Eckardt, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages begrüßte etwa 300 Gäste zu "einem Abend mit Al Gore, Jürgen Trittin und Christian Juckenack".
Ihr Wunsch, dass "keiner aus diesem Raum herausgeht, wie er hereingekommen ist" wurde schnell bestätigt - das Publikum blieb auch nach dem Film auf den Sitzen und wollte über das Gesehene diskutieren. Zu deutlich hatte der Film die Konsequenzen unserer jetzigen Lebensweise deutlich gemacht.
Christian Juckenack, Staatssekretär aus dem Thüringer Umweltministerium, der den Film zum ersten Mal gesehen hatte, zeigte sich beeindruckt von der Überzeugungskraft der im Film präsentierten Daten und Fakten. Gleichzeitig machte er deutlich, dass auch er sich bereits seit mehreren Jahren mit der Thematik befasst und Thüringen mit seinem hohen Anteil an erneuerbaren Energien bereits heute eine Vorreiterrolle einnimmt.
Auch Jürgen Trittin, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der grünen Bundestagsfraktion, war von einigen Erkenntnissen des Filmes überrascht. Bestimmte drastische Dimensionen - wie etwa das drohende Aussterben der Eisbären - hätte auch er früher nicht erwartet. Vor allem das Tempo des Klimawandels mache ihm Sorgen.
Trotz dieser Einigkeit bei der Bewertung des Filmes kamen die beiden Politiker zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen: So hatte Juckenack kürzlich gefordert, die besondere Situation der Wirtschaft in den neuen Ländern bei der Reduktion der CO2-Emmissionen zu berücksichtigen. Auch die von den Grünen geforderte Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 km/h auf Autobahnen sei nicht der richtige Weg, da der Autoverkehr nur einen geringen Anteil an den Gesamtemissionen verursache.
Dem widersprach Trittin deutlich: "Wer diesen Film gesehen habe, dem müsse eigentlich klar sein, dass es beim Klimaschutz nicht um 'entweder oder', sondern um 'ein sowohl als auch' gehe." Selbst kleinste Verursacher von CO2 müssten ihren Anteil beitragen, und besonders der Autoverkehr brauche einen Wandel: Obwohl heute viel effizientere Motoren gebaut werden, würden die Emissionen nicht geringer, denn die Autos werden immer größer und hätten mehr Leistung. Würde leichter gebaut, bräuchte man auch nicht mehr so große Motoren.
Auch das Publikum wollte sich schnell an den Diskussionen beteiligen. Viele zeigten ihre Sorge und fragten nach eigenen Handlungsmöglichkeiten. "Wann, wenn nicht jetzt, müssen wir mit dem Klimaschutz anfangen?" fragte ein Gast den Thüringer Staatssekretär. Die überwiegende Meinung an diesem Abend war, dass die Klimaproblematik eine Herausforderung von bisher ungekanntem Ausmaß ist - ein Verschieben und Relativieren der Problematik wurde hier in Gera nicht mehr akzeptiert.
Zum Ende fragte Moderatorin Göring-Eckardt, welche persönlichen Tipps das Podium dem Publikum mit auf den Weg geben könnte. Den Wunsch von Christian Juckenack, die Kernkraft zumindest als Brücke bis zum Ersatz durch alternative Energien zu nutzen, konterte Jürgen Trittin deutlich: Er würde dem Publikum nicht empfehlen, ein kleines Atomkraftwerk im Vorgarten zu betreiben. Eher sollte man bei Neuanschaffungen jeglicher Art konsequent auf Energieeffizienz achten und zu einem ökologischen Stromanbieter wechseln. Schließlich solle man bei Flügen die entstanden Emissionen mit Spenden an Atmosfair ausgleichen - für eine Urlaubsreise nach Mallorca beispielsweise wären das gerade einmal 18 Euro. "Das ist, wie ich finde, bestens angelegtes Geld in unsere Zukunft", so Trittin.