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Die Bielefelder Tour-Etappe stand unter dem Motto "Qualität in der Weiterbildung". Wie können Angebote verbessert und Qualität dauerhaft gesichert werden? Welche Rolle spielt die Beratung? Welcher Stellenwert kommt dem pädagogischen Personal zu? Britta Haßelmann, Sprecherin für Demografie und Altenpolitik, und Priska Hinz, Sprecherin für Bildungspolitik, besuchten die Agentur für Arbeit und die REGE in Bielefeld und diskutierten in einem Fachgespräch mit Akteurinnen und Akteuren aus der lokalen Weiterbildungslandschaft.
Die Vertreter der Arbeitsagentur, Thomas Richter (Leiter), Frauke Schwietert (operative Geschäftsführerin) und Frau Thiessen erläuterten zunächst die Rahmendaten der Entwicklung des Beschäftigungsmarkts im Bezirk. Hier sei neben einer insgesamt positiven Entwicklung ein Quantensprung bei den Ausbildungsplätzen zu verzeichnen. Dies dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es immer noch – insbesondere im untersten Qualifikationsniveau – Problemgruppen gebe, die mit dem bestehenden Maßnahmenbündel nicht immer umfassend erreicht würden.
Von links: Besuch der Agentur für Arbeit, Bielefeld; Gemeinnützige Personalentwicklungsgesellschaft mbH (REGE); Frau Müterthies von der IHK-Akademie in Ostwestfalen-Lippe
Die Agentur stellte außerdem die Bildungszielplanung für 2008 vor. Die Teams der Agentur machen eine eigenständige Bedarfsermittlung. Es wird auf eine modulare Form der Qualifizierung gesetzt. Die Bündelung von Modulen sei möglich. Im weiteren Verlauf des Gesprächs herrschte hinsichtlich der Qualitätssicherung der Maßnahmen Einigkeit, dass die Zertifizierung von Trägern allein nicht ausreiche. Die Agenturen gehen zusätzlich Hinweisen von Teilnehmerseite auf mangelnde Qualität nach und melden diese bei Häufungen an das regionale Einkaufszentrum.
Abschließend wurde das Projekt WeGebAU (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen) präsentiert, mit dem gering qualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weitergebildet werden, die in Unternehmen beschäftigt sind. Die Agentur Bielefeld nutzt hier gesetzliche Möglichkeiten, um präventiv das lebenslange Lernen von Beschäftigten zu unterstützen. Dies ist eine der besten Versicherungen gegen Arbeitslosigkeit.
Die REGE (Gemeinnützige Personalentwicklungsgesellschaft mbH) organisiert für die Kommune Arbeitsgelegenheiten und entwickelt Qualifizierungsprojekte, die in der Durchführung an lokale Träger vergeben werden. Sie berät zielgruppenspezifisch, zum Beispiel im Projekt "Atypico" Menschen in atypischer Beschäftigung, oder macht Hilfe des Projekt "MIGRA" Qualifizierung und Coaching von Migrantinnen und Migranten im ALGII-Bezug. Daneben bietet sie Personalvermittlung für Arbeitssuchende ohne Leistungsansprüche und eine nicht-gewerbliche Überlassung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern an.
Priska Hinz erkundigte sich bei der Geschäftsführerin der Einrichtung, Frau Stücken-Viernau, nach der Aufgabenabgrenzung der REGE von der ARGE. Diese erläuterte, dass das enggeknüpfte Trägernetzwerk, die kontinuierliche Weiterentwicklung von Beratungs- und Qualifizierungsangeboten für Problemgruppen das besondere Profil der REGE ausmachten. Der zielgruppenspezifische Ansatz zeige sich beispielsweise bei den besonderen Angeboten für Menschen mit Migrationshintergrund, die von Frau Valamehr und Herrn Sever vorgestellt wurden. "MIGRA", berate und qualifiziere stadtteil- und milieuorientiert. In der Evaluation habe sich gezeigt, dass von den 210 Teilnehmerinnen und Teilnehmern 170 in Arbeit, Maßnahmen oder Praktika seien und die Abbrecherquote zu vernachlässigen sei.
Priska Hinz und Britta Haßelmann stellten den Gästen des Round-Table-Gesprächs, die überwiegend aus dem Bereich der beruflichen Weiterbildung kamen, das grüne Weiterbildungskonzept vor. Schwerpuntk des Gespräch war die Frage nach der Qualität im Bereich Weiterbildung. Gerd Tomaschautzky vom vhs-Bildungswerk war sich sicher: "Zertifizierung bedeutet noch lange nicht Qualität". Er lobte zwar die grünen Beschlüsse – wie auch Herr Grässner von der Universität Bielefeld – als "wichtig und weiterführend", vermisste aber eine stärkere Orientierung an den Nachfragern bei der Konzeptionierung und Durchführung von Weiterbildungsangeboten.
Frau Müterthies von der IHK-Akademie in Ostwestfalen-Lippe bemängelte, dass sich kleine Träger nicht an aufwändigen Zertifizierungsverfahren beteiligen könnten. Ihrer langjährigen Erfahrung nach sei die Qualität von Weiterbildungsmaßnahmen sehr unterschiedlich. Generell könne man sagen, dass berufsbegleitende Maßnahmen marktbestimmt und damit höherem Qualitätsdruck unterworfen seien als andere. Bei schlechten Integrationsmaßnahmen gäbe es dagegen oft kaum Kritik oder Widerstände. Herr Grässner ergänzte, Beratung und Qualitätssicherung seien immer noch zu sehr vernachlässigte Bereiche. So orientiere sich die Zertifizierung von Trägern allein am geregelten Ablauf, nicht aber an der Qualität. Priska Hinz meinte, dass Zertifikate im Rahmen der Qualitätssicherung nicht ausreichend, aber notwendig seien.
Die Frage der Qualifizierung und Bezahlung der Weiterbilder stellte Klaus Siegeroth von der ARGE in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Hier wäre über einen Mindestlohn für Dozentinnen und Dozenten nachzudenken. Schließlich wurde auch noch die Frage des "Wie und Wo" der Beratung in Weiterbildungsfragen aufgegriffen. Der grüne Vorschlag, Weiterbildungsberatung bei den Verbraucherzentralen als neutralem, gut eingeführten Ort anzusiedeln, wurde als interessant bezeichnet. Man war sich allerdings einig, dass der Stellenwert, der Qualifizierung und Weiterbildung beigemessen werde, noch wichtiger sei als die Frage des Beratungsstandortes.