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Weiterbildungstour

4. Juli 2008

Weiter bilden - weiter kommen!

 

Weiterbildung - der Schlüssel gegen drohenden Fachkräftemangel

6. Etappe der grünen Weiterbildungstour: Dresden

Der Osten der Republik kann in vielen Bereichen als ein Modellfall für die zu erwartenden Entwicklungen im ganzen Lande begriffen werden. Das gilt auch für die Folgen des demografischen Wandels. Insbesondere ländlich geprägten Regionen laufen die gut ausgebildeten Fachkräfte weg. Für die sächsische Etappe der Grünen Weiterbildungstour war es daher aufschlussreich zu erfahren, wie Unternehmen mit den schwierigen Rahmenbedingungen umgehen. Wie gelingt es ihnen, den benötigten Nachwuchs zu bekommen und die befürchtete Abwärtsspirale von Abwanderung und Niedergang der wirtschaftlichen Entwicklung aufzuhalten?

Druckerei Vetters – wie hält das Personal mit der Technik mit?

Erste Station der Tour, an der neben Priska Hinz, bildungspolitische Sprecherin, und Peter Hettlich, Sprecher der Arbeitsgruppe Ost der Grünen Bundestagsfraktion, auch der parlamentarische Berater für Bildung der sächsischen Grünen Landtagsfraktion Andreas Warschau teilnahm, war die Druckerei Vetters in Radeburg.

Als Leiter eines mittelständischen Familienunternehmens fühlt sich Geschäftsführer Jürgen Vetters der Region tief verbunden. Nach sechs Erweiterungen stößt das Unternehmen zwar an räumliche Grenzen, aber an eine Verlagerung kommt für Vetters nicht in Betracht. Seit September 2006 läuft im Unternehmen eine neue 16-Seiten-Offset-Druckmaschine, auch in der Druckvorstufe trifft man modernste Technik an. Bei Einführung der neuen Technik wurde der Belegschaft ein hohes Maß an Flexibilität abverlangt. Ohne ständige Weiterbildung wäre die Umstellung nicht geglückt. Auch die Azubis hatten zu kämpfen: "Bei einer Maschine, die sieben Tage in der Woche im Vierschichtbetrieb läuft, sind manche Vorstellungen vom regelmäßigen sonnabendlichen Disco-Besuch natürlich nicht zu halten", so der Geschäftsführer.

Der Betrieb beschäftigt derzeit 20 Lehrlinge, das sind etwa 20 Prozent der Gesamtbelegschaft. Das Problem für die Druckerei: "Uns werden die Lehrlinge nach Abschluss der Ausbildung weggekauft, weil wir keine Chance haben, die Gehälter zu zahlen, die im Westen üblich sind", sagt Vetters. "Das größte Problem ist jedoch die zweite Führungsebene. Hier brauche ich erfahrene Leute, die ich hier in der Gegend gar nicht habe. Und selbst wenn ich gigantische Löhne zahle, kommt vielleicht der Mann, aber die Frau bleibt weg. Denn die Lebensumstände sind nicht dafür geeignet, dass Familien hier bleiben: lange Schulwege, kaum öffentlicher Nahverkehr, wenig Freizeitangebote." Dennoch: Die Beschäftigten durch eine gute Ausbildung zu halten, begreift Geschäftsführer Vetters als eine seiner Hauptaufgaben. Daher unterstützt er seine Beschäftigten auch durch gezielte Aufstiegsfortbildungen zu Meistern oder Fachwirten. Und mittlerweile gibt es in der Region einen Verbund von Betrieben, die auch für Familienangehörige Stellen suchen.

Fahrzeugelektrik Pirna

Die Fahrzeugelektrik Pirna GmbH (FEP) beschäftigt derzeit etwa 270 Mitarbeiter, davon sind 34 Auszubildende. Von den 57 Millionen Euro Umsatz gehen etwa 34 Millionen in den Export: Es gibt faktisch kaum ein Fahrzeug auf der Welt, das nicht mit Teilen aus Pirna fährt. Bereits früh erkannte das Unternehmen den drohenden Fachkräftemangel und investierte in den eigenen Nachwuchs. Zu kämpfen hat das Unternehmen mit einer schwierigen Bewerberlage: "Von 150 Bewerbungen können wir 30 gleich wieder zurückschicken, weil sie die Anforderungen nicht erfüllen", schildert Ausbildungsleiter Daniel Rabe. Er plädiert für eine frühzeitige Berufsorientierung an den Schulen.

Neben der mit zwei "Ausbildungs-Oskars" ausgezeichneten vorbildlichen Erstausbildung hat die FEP auch verschiedene Formen der betrieblichen Weiterbildung im Programm. Es werden unter anderem auch Mitarbeiter anderer Unternehmen geschult und Lehrkräften allgemeinbildender Schulen wird ein Lehrerpraktikum angeboten. Bemerkenswert war das so genannte ELBE-Projekt, bei dem Langzeitarbeitslose aus dem Landkreis Sächsische Schweiz in verschiedenen Unternehmen der Region qualifiziert wurden. Die FEP hat über dieses Projekt drei von anfänglich vier Bewerbern in eine ungeförderte Dauerbeschäftigung übernommen. Leider wurde ELBE von der Bundesagentur für Arbeit dann nicht weiter unterstützt.

Ausbildungsleiter Daniel Rabe sieht im politischen Raum noch Handlungsbedarf bei der Schaffung rechtssicherer Rahmen für Weiterbildungsvereinbarungen mit den Arbeitnehmern. In Pirna ist aber auch die Erkenntnis angekommen, dass der Betrieb selbst viel für unterschiedliche Weiterbildungsmöglichkeiten tun muss. "Wir wollen Fachkräfte gewinnen, aber bei einem abnehmenden Fachkräftemarkt ist das schwierig. Wenn das Unternehmen keine Möglichkeiten der Weiterentwicklung für die Mitarbeiter bietet, gehen sie irgendwann weg", fasst Herr Rabe zusammen. Der Ausbildungsleiter wünscht sich vor allem, dass die Netzwerke zwischen den Unternehmen besser unterstützt werden. "Die Probleme, die wir haben, kann ein Unternehmen allein gar nicht lösen." Beim ELBE-Projekt hat z.B. ein Bildungsträger die Betreuung der schwierigen Klientel übernommen, etwas, das ein Unternehmen gar nicht leisten kann.

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