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Wir werden älter:
Die Lebenserwartung der Menschen ist in allen Industriestaaten im vergangenen Jahrhundert rasant angestiegen, dank vieler Faktoren, nicht zuletzt dem medizinisch-technischen Fortschritt. Ein heute geborener Junge kann sich im Schnitt auf 76,6 Lebensjahre freuen, während es bei Mädchen schon 82,3 Lebensjahre sind und die Tendenz ist weiterhin steigend: So wird für 2050 eine Lebenserwartung von 83,5 Jahren für Männer und 88 Jahren für Frauen prognostiziert. Die Generationsschichtung wird sich innerhalb der Bevölkerung verändern: Die Gesamtzahl der Jugendlichen unter 20 Jahren wird bis 2050 um ein Drittel abnehmen und nur noch 15 Prozent statt heute 20 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, während die Anzahl der über 65jährigen von heute 19 Prozent auf über 33 Prozent ansteigen wird. Das heißt: 2050 wird jede/r dritte über 65 Jahre alt sein und nur etwa jede/r siebte unter 20 Jahre alt sein. Das durchschnittliche Alter der Bevölkerung wird dann bei 50 Jahren liegen.
Wir werden weniger:
Parallel zu dieser Entwicklung verläuft die Geburtenentwicklung in Deutschland auf einem konstant niedrigen Niveau. So liegt die zusammengefasste Geburtenziffer schon seit über 15 Jahren etwa bei 1,4 Kindern je Frau. Um den Bevölkerungsbestand zu erhalten wären 2,1 Kinder je Frau notwendig. Das heißt, dass jede Generation automatisch um ein Drittel kleiner ist, als die jeweilige Elterngeneration. Seit über 30 Jahren übertreffen in Deutschland die Sterbefälle die Geburten. Das Geburtendefizit wird inzwischen nicht mehr durch Einwanderung ausgeglichen. Die Folge: Die Bevölkerung schrumpft insgesamt. Es wird davon ausgegangen, je nach dem wie sich die Geburtenrate, die Lebenserwartung und die Einwanderung gewichtet werden, dass im Jahr 2050 nicht mehr 82 Millionen Menschen, sondern ca. 74 Millionen Menschen hier leben werden. In Ostdeutschland wird das gesamtdeutsche Phänomen der alternden Gesellschaft noch durch das Problem der Abwanderung verstärkt.
Wir werden bunter:
Deutschland ist seit über 45 Jahren ein Zuwanderungsland. Fast ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland (über 15 Millionen) hat inzwischen einen Migrationshintergrund. Zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund werden die seit 1950 nach Deutschland Eingewanderten und ihre Nachkommen gezählt. 2010 werden ca. 40% der Unter-Vierzigjährigen einen Migrationshintergrund aufweisen werden. Außerdem werden zunehmend Menschen mit Migrationshintergrund altern und ihren Lebensabend in Deutschland verbringen
Fazit: Realität anerkennen und Chancen gestalten
Da sich die Bevölkerungsentwicklung nicht schlagartig ändert, lassen sich diese Trends als sehr wahrscheinliche Zukunftsentwicklungen vorhersagen. Die Bevölkerungszahl wird zurückgehen, der Altersdurchschnitt steigen und der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund zunehmen.
Daraus ergeben sich jedoch nicht zwangsläufig negative Konsequenzen. Im Gegenteil: es kann uns freuen, dass die Menschen älter werden. Und die Bevölkerungszahl eines Landes ist heutzutage nicht die ausschlaggebende Variante für Wohlstand und Lebensqualität.
Grüne Politik setzt vor allem auf die Chance, mit dem demografischen Wandel unser Zusammenleben neu zu denken. Unser Ziel ist es, auch unter den veränderten Bedingungen eine soziale und solidarische Gesellschaft zu ermöglichen, in der alle Menschen ein selbst bestimmtes Leben führen können und in der das gesellschaftliche Klima durch ein Miteinander der Generationen geprägt ist. Die Voraussetzung ist dafür zunächst, die Realität anzuerkennen. Nur so kann Zukunft gestaltet werden. Es ist wichtig jetzt zu handeln und nicht zu warten bis die Herausforderungen immer größer werden.