Gut eineinhalb Jahre nachdem die ersten Exzellenz-Siegel vergeben wurden, ist es Zeit für eine kritische Zwischenbilanz: Welche der Hoffnungen und Befürchtungen haben sich erfüllt, welche nicht? Inwiefern verändert die Auszeichnung von Spitzenforschung an ausgewählten Hochschulen das gesamte Hochschulsystem und die Situation der nicht ausgezeichneten Hochschulen? Welche Auswirkungen auf die Qualität von Lehre und Forschung, Gleichstellung, das Fächerspektrum und die internationale Attraktivität der deutschen Hochschulen zeichnen sich ab?
Das Zwischenfazit verbindet sich mit dem Blick nach vorn: Welche Konsequenzen ergeben sich aus den Beobachtungen für eine mögliche Fortsetzung der Exzellenzinitiative über das Jahr 2011 hinaus? Wie lassen sich Strategien für mehr Qualität in der Lehre in eine mögliche "Exzellenzinitiative 2.0" integrieren?
Diesen und weiteren Fragen sind wir im grünen Fachgespräch "Exzellenzinitiative 2.0? – Zwischenbilanz und Perspektiven für Spitzenforschung und -lehre" am 16. Juni 2008 nachgegangen.
Die große Teilnehmerzahl aus Fachwelt und Öffentlichkeit mache deutlich, dass es ein dringendes Bedürfnis gebe die Exzellenzinitiative gründlich unter die Lupe zu nehmen und ihre mögliche Weiterentwicklung nach 2011 frühzeitig zu diskutieren, so Krista Sager MdB in ihrer Begrüßung. Welche Konsequenzen hat eine stärkere Ausdifferenzierung des Wissenschaftssystems in Deutschland? Wie ist das bisherige Auswahlverfahren zu bewerten? Wie kann die Lehre gestärkt werden? Dies seien nur drei von vielen wichtigen Fragen. Um Antworten zu finden, habe die grüne Bundestagsfraktion zum Fachgespräch eingeladen, um gemeinsam Zwischenbilanz zu ziehen und einen Ausblick auf die Zukunft der Exzellenzinitiative zu wagen, so die stellvertretende Fraktionsvorsitzende.
Dr. Stefan Lange von der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer skizzierte in seinem Eingangsstatement die sich abzeichnenden Auswirkungen des Exzellenzwettbewerbs auf das deutsche Forschungs- und Wissenschaftssystems. Belastbare Forschungsergebnisse könne er nicht präsentieren, da die Anträge nicht zugänglich seien und die Laufzeit des Wettbewerbs noch zu kurz sei. Die Exzellenzinitiative habe aber zweifelsohne viel Bewegung gebracht. Effekte seien unter anderem erhöhte Aufmerksamkeit im Ausland für deutsche Universitäten und erhebliche Prestigegewinne für die "Elite-Unis". Bei den Siegern konstatierte Lange "Beflügelung", bei den Verlierern entweder eine "Jetzt erst recht!"-Haltung oder "Frustration". Als Probleme nannte er u. a. dass die Zeit fehle für die eigentlichen Kernaufgaben der Hochschulen: Forschen und Lehren, dass die Planungssicherheit fehle und Standorten mit schwachem Umfeld im Wettbewerb benachteiligt seien. "Die Exzellenzinitiative ist Teil eines globalen Transformationsprozesses der Universitäten", ordnete er den Wettbewerb in einen größeren Kontext ein. Thesenartig skizzierte Dr. Lange diese Entwicklung: Universitäten entwickelten sich schrittweise in Richtung "entscheidungsfähiger korporativer Akteure", Wettbewerb finde vor allem zwischen denen statt, die sich in einer Liga wähnten, einzelne Fachbereiche und Universitäten vernetzten sich verstärkt intern und extern, die Verwaltungs- und Servicebereiche der Hochschulen wachsen.
| Forum 1: Exzellenz in der Forschung | S. 2 |
| Forum 2: Exzellenz in der Lehre | S. 3 |
| Zusammenführung und Fazit | S. 4 |