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Qualität und Lehre

16. Juni 2008

Exzellenzinitiative 2.0?

Forum 1: Exzellenz in der Forschung

Im ersten Forum, moderiert von Priska Hinz MdB, diskutierten ExpertInnen und Publikum erste Auswirkungen der bislang auf Spitzenforschung beschränkten Exzellenzinitiative.

Dr. Martin Nagelschmidt, Wissenschaftlicher Geschäftsführer der Berlin Graduate School of Social Sciences (BGSS) an der Humboldt-Universität Berlin, bewertete die Exzellenzinitiative weitgehend positiv: "Wir konnten die Exzellenzinitiative strategisch nutzen, um unsere Hochschullehrerschaft zu mobilisieren." Die BGSS, seit 2007 durch die Exzellenzinitiative gefördert, kooperiere stark mit außeruniversitären Einrichtungen und werde im Ausland verstärkt wahrgenommen, so Nagelschmidt. Als problematisch bezeichnete er die Kurzfristigkeit, mit der der Wettbewerb aufgesetzt wurde und die mangelnde Prozessbegleitung. "Strategiefähig zu werden, dauert länger als 5 Jahre", skizzierte Nagelschmidt die Herausforderung für die nächste Zeit.

Dr. Karin Zimmermann vom Hochschuldidaktischen Zentrum der Universität Dortmund, erläuterte insbesondere die Auswirkungen der Exzellenzinitiative unter Gleichstellungsgesichtspunkten. Auf der einen Seite gingen von dem Exzellenzwettbewerb positive Impulse aus: Gleichstellungskonzepte seien ein wichtiges Kriterium des Wettbewerbs gewesen, durch die internationalen GutachterInnen würde stärker auf dieses Thema fokussiert. Auf der anderen Seite seien die genannten Instrumente häufig recht unkonkret und frauenstarke Fächer unter den Gewinnerprojekten unterrepräsentiert. Frau Dr. Zimmermann forderte daher, in Zukunft die Gleichstellungsfragen systematisch mit den neuen Managementstrukturen zu verknüpfen.

Dr. Marius Busemeyer vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung begrüßte die nicht zuletzt durch die Exzellenzinitiative angestoßene Ausdifferenzierung des deutschen Wissenschaftssystems. Er wertete diese nicht als Gefahr, sondern vielmehr als Chance für mehr Chancengleichheit in Deutschland. Eine stärkere Ausdifferenzierung des öffentlichen Hochschulsystems könne bisherige Selektionsmechanismen wie Habitus und Geldbeutel der Eltern, die häufig an der zunehmenden Zahl an privaten Universitäten eine Rolle spielten, zurückdrängen. Zugang zu Spitzenpositionen in der Gesellschaft sei dann stärker an die Bildungsleistung gekoppelt. Wenn ein fairer Zugang zu Bildungs- und Aufstiegschancen für alle im frühkindlichen und schulischen Bildungsbereich gegeben sei, könne also eine Ausdifferenzierung des Hochschulsystems zu mehr Gerechtigkeit führen, so Busemeyer.

In der anschließenden lebhaften Diskussion mit zahlreichen Beiträgen aus dem Publikum wurde unter anderem die Belastung durch häufige Evaluationen beklagt, eine längere Förderdauer gefordert und die dritte Förderlinie "Zukunftskonzepte" kritisiert: Warum, so ein Teilnehmer, bekomme eine ganze Universität das Exzellenzsiegel, obwohl sie nur in Teilbereichen exzellent sei? Einigkeit herrschte in der Einschätzung, dass im post-doc-Bereich dringender Handlungsbedarf besteht, um den Nachwuchswissenschaftlern und gerade auch den Nachwuchswissenschaftlerinnen eine verlässlichere Perspektive bieten zu können.

 

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