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Qualität und Lehre

16. Juni 2008

Exzellenzinitiative 2.0?

Forum 2: Exzellenz in der Lehre

Das zweite Forum des Fachgesprächs moderierte Kai Gehring MdB. Er erläuterte eingangs, dass die Grünen die Bundesregierung bereits mit zwei Initiativen aufgefordert hätten, sich gemeinsam mit den Ländern für bessere Lehre einzusetzen. In ihrem zweiten Antrag habe die Bundestagsfraktion im Frühjahr 2008 eine Drei-Säulen-Strategie für mehr Qualität in der Lehre gefordert. Dazu gehörten eine bessere Grundfinanzierung der Hochschulen und eine systematische Verankerung von Personalentwicklung und Qualitätsmanagement. Um die Dritte Säule gehe es nun im Gespräch: den Wettbewerb für herausragende und innovative Lehre. Dabei ist für Kai Gehring klar: "Eine Hochschule sollte künftig nur dann als Spitzenuniversität gelten, wenn sie in Forschung und Lehre exzellent ist".

Bettina Jorzik vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft stellte das Konzept des Stifterverbands zur Förderung von Lehrqualität vor. "Mangelnde Ressourcen und fehlende Reputation für gute Lehre sind die Hauptprobleme, die wir mit unserem Konzept angehen wollen", so Jorzik. Der Stifterverbandsvorschlag sei mit den drei Säulen Nachwuchsförderung, Strukturbildung und Strategieentwicklung bewusst in Anlehnung an die existierende Exzellenzinitiative konzipiert worden, um an diese anschlussfähig zu sein. Leider hätten sich die Länder nur für die dritte Säule offen gezeigt. In diesem Rahmen solle es immerhin ab Herbst 2008 einen Wettbewerb "Exzellente Lehre" um die besten Zukunftskonzepte geben. Dafür sollten für Universitäten und Fachhochschulen getrennt insgesamt 10 Mio. Euro zur Verfügung stehen. Langfristig müsse zudem auch für Lehrprojekte Drittmittelförderung möglich sein.

Prof. Joachim Winter, Hochschullehrer an der "Spitzen-Uni" LMU München und diesjähriger Gewinner des Lehrpreises "Ars legendi" räumte ein, dass selbst solch ein renommierter Lehrpreis keine signifikante Anreizwirkung für bessere Lehre an Hochschulen entfalte. "Engagement für gute Lehre kostet Zeit, und diese Zeit fehlt dann an anderer Stelle" erklärte Prof. Winter. Daher gehörten die Anreizstrukturen modifiziert. Dem wissenschaftlichen Nachwuchs müsse signalisiert werden, dass Engagement für Lehre sich lohnt – z. B. durch die Berücksichtigung in Berufungsverfahren. Dabei sollten die Kriterien für gute Lehre vor Ort entwickelt und bei der Mittelverteilung angewandt werden.

Johannes Moes, Sprecher der DoktorandInnengruppe der GEW, betonte die fehlenden materiellen Voraussetzungen bei Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern. Früher habe es volle Stellen und längere Vertragslaufzeiten gegeben, "heute ist die halbe Stelle für drei Jahre das Maß aller Dinge". So fehle Zeit, um sich für gute Lehre zu engagieren und langfristig didaktische Erfahrungen zu sammeln. Außerdem machte er sich für hochschuldidaktische Schulungen bereits in der Doktorandenausbildung stark.

In der weiteren angeregten Diskussion wurden u.a. die Instrumente und Einflussmöglichkeiten der Politik erörtert. Schließlich bestehe hier ein prinzipieller Zielkonflikt mit dem Wert der Hochschulautonomie. Außerdem könne man eine Kultur an den Hochschulen, die primär Forschungsleistungen mit Reputationsgewinn belohne, von außen nicht direkt verändern. Aber die Politik habe es z.B. in der Hand, einen Teil der leistungsbezogenen Gehaltszulagen verbindlich an Lehrleistungen zu knüpfen. Die Kriterien dafür müssten – wie die Maßstäbe für Forschungsleistungen – in einem langfristigen Prozess zwischen den "peers" (weiter)entwickelt werden. Dazu könne ein bundesweiter Wettbewerb für herausragende Lehre einen gewichtigen Beitrag leisten.

 

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