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Bärbel Höhn berichtet aus Gorleben
Drei Tage und drei kurze Nächte in Gorleben liegen hinter mir. Um 4.00 Uhr morgens ging es in Oberhausen los um den mir zugewiesenen NRW-Bus zu erreichen. Schon im Bus war zu merken, dass sich Alt und Jung auf den Weg gemacht haben und auch viele Nichtgrüne unser Angebot genutzt hatten nach Gorleben zu kommen. Die Demo war mit 16.000 Menschen groß und kraftvoll und die Grünen haben dazu
Bärbel Höhn, hier mit Katrin Göring-Eckardt.mit ihrer Beteiligung entscheidend beigetragen. Wir haben damit unsere Kampagnenfähigkeit gut unter Beweis gestellt. Die Meisten waren gekommen, weil sie zwei Entwicklungen umgetrieben haben: Die dreisten Forderungen der CDU/FDP und der Atomkonzerne nach Laufzeitverlängerungen für alte, störanfällige Atomkraftwerke wie Krümmel und Biblis. Und die ungeklärte Endlagefrage für den gefährlichen Strahlenmüll, die durch das Desaster im absaufenden Forschungslager Asse neue Brisanz gewonnen hat.
Die Grüne Jugend errichtete mit vielen weiteren Aktivisten sofort eine große Sitzblockade direkt vor dem Zwischenlager. Das war eine wichtige Aktion, denn sonst wäre man zu diesem sensiblen Punkt nicht mehr so leicht durchgelassen worden. Aufgabe von mir als Bundestagsabgeordnete war es, bei kleinen, dezentralen Sitzblockaden anwesend zu sein und darauf zu achten, dass es von allen Seiten friedlich zuging und dass die Polizei beim Wegräumen die Rechte der Demonstranten achtete. So war ich mit zwei Landtagsabgeordneten aus Niedersachsen auf den Gleisen um dort zu vermitteln. Die Polizisten waren zu diesem Zeitpunkt zum Teil seit 15 Stunden im Einsatz und sollten bis zu Ende des Transportes bleiben. Eine solche Überforderung der jungen Mannschaften erhöht natürlich den Stressfaktor.
Das Verhältnis hat zwischen Mitgliedern der Anti-AKW-Bewegung und Grünen war bei den Aktionen in Gorleben gut. Kritische Distanz konnte ich nur bei einem einzigen Demonstranten persönlich feststellen, mit dem ich auf der Demo gesprochen hatte, und auch der zeigte sich positiver gestimmt, als er mich später bei der Sitzblockade auf den Gleisen antraf.
Auf der Pressekonferenz mit der Europagrünen Rebecca Harms und Stefan Wenzel (Fraktionsvorsitzender der Grünen im Niedersächsischen Landtag) konnte ich aus Sicht der grünen Bundestagsfraktion unsere Positionen zur Atom- und zur Energiepolitik darlegen: Festhalten am Atomausstieg, schnelle Abschaltung störanfälliger Altreaktoren, eine unvoreingenommene Suche des besten Endlagerstandorts und Energiewende hin zu Erneuerbaren Energien, Energieeinsparung und Effizienz. Das war im ganzen Prozess sehr wichtig, da es immer notwendig ist, die Protestaktionen auch inhaltlich zu begründen.
Für viele, die das erste Mal in Gorleben mitdemonstrierten war die Unterstützung der Bauern mit Hunderten on Treckern sehr beeindruckend. Sie waren es auch, die den Transport mit einer Treckerblockade und den Betonblöcken mit den angeketteten Menschen in der Endphase noch einmal stundenlang aufhalten konnten.
Der Einsatz hat sich gelohnt. Die Proteste haben eine breite Öffentlichkeit auf die Risiken der Atomkraft und die ungelöste Endlagerfrage aufmerksam gemacht. Außerdem war es für mich und ich glaube für alle Beteiligten ermutigend mitzuerleben, mit wie viel Engagement, Kreativität und Überzeugungskraft die Menschen in Gorleben für eine bessere Energiepolitik ohne Atomkraft gekämpft haben! Dieser Kampf wird weiter gehen.