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Der Klimawandel wird die ärmsten Länder der Welt am härtesten treffen, obwohl diese am Wenigsten zu dessen Entstehung beigetragen haben. Welche Unterstützung erwarten die Entwicklungsländer von den Industrieländern in Kopenhagen? Wie kann gewährleistet werden, dass die Milliarden für die Anpassung den verletzlichsten Menschen zugute kommen, die am meisten unter dem Klimawandel leiden? Wo sind die größten Hindernisse für die Anpassung?
v.r.n.l.:Bärbel Höhn, Thilo Hoppe und Atiq RamanDiese und andere Fragen diskutierten die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn MdB und der Vorsitzende des Bundestagsauschusses für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Thilo Hoppe MdB, mit renommierten Experten. Aus Bangladesch war Atiq Rahman zu Gast.
Als Direktor der Nichtregierungsorganisation Bangladesh Center for Advanced Studies begleitet er seit Jahrzehnten die internationalen Verhandlungen zu Klima-, Umwelt- und Entwicklungsthemen. Dadurch ist er zu einer der bekanntesten und anerkanntesten Stimmen der Zivilgesellschaft zu diesen Themen geworden.
Auch Vertreter der deutschen Zivilgesellschaft waren bei dem Gespräch vertreten. Thomas Hirsch,
Thomas Hirsch, Brot für die WeltKlimaexperte von Brot für die Welt, beschrieb nicht nur die konkrete Arbeit seiner Organisation in Ländern wie Bangladesch.
Er machte auch deutlich, was bei den internationalen Klimaverhandlungen in Kopenhagen notwendig ist, um die Erderwärmung auf höchstens zwei Grad zu begrenzen: eine Vision, Willen und Geld - die gemeinsame Vision, weltweit zu einem CO2-freien Wirtschaften zu kommen, der politische Wille, die notwendigen Weichen hierfür zu stellen, und das notwendige Geld, um neue CO2-freie Technologien zu entwickeln und weltweit zugänglich zu machen.
Geld wird aber auch benötigt, um diejenigen zu kompensieren, die vom Klimawandel besonders betroffen sind, diesen aber nicht mit verschuldet haben: die Entwicklungsländer. Der Klimawandel ist kein Phänomen, dessen Auswirkungen erst künftige Generationen zu spüren bekommen werden. In Bangladesch haben diese Auswirkungen schon heute einen Geschmack: Sie schmecken salzig. Bereits seit Jahren merken hier Millionen Küstenbewohner, dass der Meeresspiegel steigt und das Meer das Land auffrisst. In Bangladesch, wo mehr als 1.000 Menschen pro Quadratkilometer leben – in Deutschland sind es etwa 230 – hat der Verlust von Land verheerende Auswirkungen. Durch die immer häufiger und stärker werdenden Zyklone wird das salzige Meerwasser tiefer und tiefer ins Landesinnere gespült, versalzt dort die Böden und das Grundwasser und gefährdet somit die Ernährungsgrundlage und die Gesundheit von Millionen von Menschen. Dies sind nur einige der vielen Auswirkungen, die der Klimawandel bereits in Bangladesch hat.
Thomas Hirsch erklärte, dass die hundert Länder, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind, drei Gemeinsamkeiten haben. Sie sind arm, extremen Wetterereignissen ausgesetzt und haben geringe Kapazitäten, um auf die Klimaveränderungen zu reagieren. Der Staatshaushalt von Bangladesch z. B. ist geringer als der der Hansestadt Hamburg. In dem Land leben aber fast doppelt so viele Menschen wie in ganz Deutschland. Auch deswegen müssen die Industrieländer Bangladesch dabei unterstützen, sich an den Klimawandel anzupassen.
Mit Anpassung allein ist es aber nicht getan, denn auch sie hat ihre Grenzen, wie Atiq Rahman betonte. Diese Grenze ist zum Beispiel erreicht, wenn Inseln im Ozean versinken und für die Bewohner die einzig bleibende Option die Flucht ist. Für Atiq Rahman ist und bleibt daher die Vermeidung von Treibhausgasemissionen die beste Art der Anpassung.
Die einhellige Forderung der Veranstaltung lautete daher, dass sich die Industriestaaten dazu verpflichten müssen, ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um mindestens 40 Prozent und bis 2050 um 95 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Und diese Verpflichtungen müssen eingehalten werden! Da aber Reduktionen der Industrieländer allein nicht ausreichen, um das 2-Grad-Ziel zu erreichen, müssen Entwicklungs- und Schwellenländer dabei unterstützt werden, ihre Treibhausgasemissionen zu senken.
Bärbel Höhn wies hier auf die wichtige Rolle des Tropenwaldschutzes hin. 20 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen werden durch das Abholzen der Wälder freigesetzt. Das ist mehr als durch den weltweiten Verkehr. Es müsse für waldreiche Staaten wie Brasilien und Indonesien wirtschaftlich attraktiver sein, den Wald stehen zu lassen als ihn zu vernichten, sagte Bärbel Höhn. Auch hierfür müsse in Kopenhagen eine tragfähige Finanzierungslösung gefunden werden. Erst diese Woche hat die grüne Bundestagsfraktion ein Positionspapier beschlossen, in dem gefordert wird, dass Deutschland mindestens 20 bis 25 Prozent der Erlöse aus dem Emissionshandel für den Tropenwaldschutz zur Verfügung stellt.