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Die Katastrophe von Fukushima zeigt eines in aller Deutlichkeit: Kein Atomkraftwerke ist weltweit vor einer Kernschmelze gefeit, auch in Deutschland nicht. Die Kernschmelze ist kein erdbebentypisches Risiko, sie kann immer auftreten, wenn der Strom ausfällt und Notstromaggregate versagen. Fukushima lehrt uns: Das Risiko einer Kernschmelze darf nicht länger ignoriert werden. Hier hilft keine Nachrüstung. Hier hilft nur, dieses Risiko so schnell wie möglich durch Stilllegung zu mindern.
Inzwischen wurde der Unfall von Fukushima von der japanischen Atomaufsichtsbehörde (Nisa) auf die gleiche Stufe heraufgestuft wie der Atomunfall von Tschernobyl von 1986; dem bisher schwersten und einzigen mit dieser höchsten Einstufung. Dem Unfall von Japan wird damit nun auch die höchste von sieben Stufen auf der Internationalen Bewertungsskala (International Nuclear Event Scale / INES) zugewiesen und gilt nunmehr als „katastrophaler Unfall". Die INES Bewertungsskala (0 bis 7) wurde in den neunziger Jahren von der Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) für die Bewertung von Störfällen in Atomanlagen eingeführt und bewertet die Schwere von Störfellen in Atomkraftwerken und sonstigen kerntechnischen Anlagen.



Mahnwache vor dem Kanzleramt für die Menschen in Japan und für den Atomausstieg. Berlin, 14. März 2011 (9 Bilder)
Die bisherige Informationspolitik der japanischen Regierung zum Reaktorunglück von Fukushima ist verheerend. Meldungen zur aktuellen Entwicklung vor Ort kamen wenn überhaupt nur sehr zögerlich und spärlich. Insbesondere Messwerte zum Ausmaß der Verstrahlung in der Region und über die Strahlenbelastung vor Ort wurden nur vereinzelt publik und waren z.T. auch noch widersprüchlich. Auch wurden immer wieder Zahlen genannt, die anschließend wieder nach oben oder unten korrigiert werden mussten. Auch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) hat wenig zur Aufklärung und Information beigetragen, im Gegenteil immer wieder wurden die Ereignisse von Fukushima durch die IAEO heruntergespielt und verharmlost.
Noch am Abend des 11. März beginnt zunächst in einem Umkreis von drei Kilometern die Evakuierung der Bevölkerung. Innerhalb weniger Stunden wird diese erst auf fünf, dann auf zehn Kilometer und später auf 20 Kilometer ausgeweitet. Diese Evakuierungszone ist von vielen Fachleuten von vornherein als viel zu gering eingestuft worden. Die Umweltorganisation Greenpeace hatte eine Ausweitung der Zone auf 40 Kilometer um den havarierten Reaktor gefordert, um die Bevölkerung wirksam vor Strahlung zu schützen. Die USA und Australien empfahlen ihren Bürgern sogar sich mindestens 80 Kilometer vom havarierten Reaktor fernzuhalten. Erst viel zu spät und zu zögerlich wird die Evakuierungszone derzeit auf weitere Orte mit hoher Strahlung ausgeweitet.
Aus Protest gegen eine von der Regierung vorgenommene Erhöhung der zulässigen Strahlungsgrenzwerte für Kindergärten und Schulen auf 3,8 Mikrosievert pro Stunde (entsprechend bis zu 20 Millisievert pro Jahr), war Professor Toshiso Kosako als wissenschaftlicher Berater der japanischen Regierung unter Tränen im April zurückgetreten. Der Professor der University of Tokyo war erst im März zum Berater der Regierung ernannt worden. Seinen Rücktritt begründete Professor Toshiso Kosako damit, dass sich die Regierung nicht an geltende Gesetze halte und das die Regierung nicht wirklich nach einer Lösung der Atomkrise suche. Das Vorgehen der japanischen Regierung bezeichnete er als Versuch mit Provisorien über die Zeit zu retten. Die von der Regierung vorgenommene Erhöhung der Grenzwerte für Kindergärten und Schulen bezeichnete er als unangemessen. 20 Millisievert pro Jahr ist höchst zulässige Belastung eines AKW-Arbeiters.
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