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Das Jahr 2009 war ein weiteres verlorenes Jahr für viele Jugendliche. Die Bundesbildungsministerin hat keinen der notwendigen Reformschritte unternommen: Das Ausbildungssystem muss strukturell reformiert, die Beteiligung der Unternehmen gesteigert und die Motivation der Jugendlich durch die Anerkennung einzelner Lernschritte gestärkt werden. Statt endlich zu handeln, hat die Ministerin allein auf die demografische Entwicklung gesetzt, den wirkungslosen Pakt für Ausbildung verlängert und stellt nun einen Berufsbildungsbericht vor, der die Zukunft himmelblau malt. Die wirklichen Probleme geht sie nicht an.
2009 gab es mehr unbesetzte Ausbildungsplätze als unversorgte Bewerberinnen und Bewerber. Dahinter steht: Als unversorgt gilt weiterhin nur, wer im Herbst 2009 den Vermittlungswunsch bei der Bundesagentur aufrechterhielt. Die Vielen aber, die frustiert die Suche aufgegeben haben, tauchen in der Statistik gar nicht mehr auf.
2010 werden weniger Ausbildungsplätze angeboten werden als im Vorjahr. Absehbar ist: Die Prognosen schwanken stark zwischen minus 3,5 und minus 5 Prozent. Trotzdem geht Ministerin Schavan in ihrer Stellungnahme davon aus, dass im kommenden Jahr sogar einige der Altbewerberinnen und Altbewerber versorgt werden können.
Zu viele Unternehmen beteiligen sich weiterhin zu wenig an der betrieblichen Ausbildung. Absehbar ist: Sie ziehen noch immer nicht die notwendigen Konsequenzen aus dem schon absehbaren Fachkräftemangel, sondern verschließen die Augen.
Das Kompetenzgefälle zwischen den Jugendlichen, die ins duale System wollen, wird immer größer. Die notwendigen Schritte bleiben Theorie: Bisher ist weder die Einstiegsphase so ausdifferenziert, dass sowohl die Leistungsschwächeren als auch die Leistungsstärkeren ohne Umwege gleich einen Einsteig finden. Noch immer landen die einen im unübersichtlichen und oft wirkungslosen Übergangssystem, während für die anderen der Übergang an die Hochschulen noch immer nicht einlandend und motivierend geregelt ist.
Bildungsministerin Schavan präsentiert anlässlich des Berufsbildungsberichts 2010 wieder einmal eine neue Idee: Sogenannte Bildungslotsen sollen an die Hauptschulen gehen und 60.000 Schülerinnen und Schüler zum Schulabschluss und zum Einstieg in die Lehre verhelfen. Es reicht aber bei weitem nicht aus, nur Einzelfallhelfer in die Schulen zu schicken. Die Rahmenbedingungen an allen Schulen müssen dringend verbessert werden. Außerdem müssen die Schulen komplementäre Maßnahmen zur Berufsorientierung für die Schülerinnen und Schüler leisten. Doch dies kann die Bundesbildungsministerin aufgrund der verfassungsrechtlichen Lage nicht finanzieren. Also braucht sie für ihr Schmalspurprogramm den Umweg über die Bundesagentur. Das ist absurd! Gebundene Ganztagsschulen bieten sowohl Zeit für individuelle Betreuung und sozialpädagogische Unterstützung wie auch für Raum für Kontakte
Frau Schavan hat in letzter Zeit immer wieder öffentlich Kritik am Kooperationsverbot geäußert. Es reicht aber nicht, dass diese Einsicht mittlerweile wenigstens bei der Ministerin angekommen ist. Offensichtlich liegt noch ein weiter Weg vor ihr. Die Koalitionsfraktionen haben eine Woche vor der Veröffentlichung des Berufsbildungsberichts einen Antrag zur "Qualitätsoffensive in der Berufsbildung" vorgelegt, in dem sie die "Wahrung der jeweiligen staatlichen Zuständigkeit" wollen. Es scheint, dass die MinisterpräsidentInnen mehr Einfluss auf die Bundestagsfraktionen von Union und FDP haben als die fachlich zuständige Bundesministerin. Sollte die Ministerin aufgrund des großen Handlungsdrucks einen Vorschlag zur Abschaffung des Kooperationsverbotes vorlegen, werden wir Grüne sie dabei unterstützen!
Statt dem Wirrwarr an Übergangsmaßnahmen brauchen wir ein flächendeckendes Angebot von Produktionsschulen und eine grundlegende, strukturelle Reform des Ausbildungssystems, wie wir Grüne sie mit unserem vorgelegt haben. Die Neustrukturierung des Ausbildungssystems muss auf drei Säulen beruhen: Modularisierung der Berufsausbildung, Ausbau von Überbetrieblichen Berufsbildungsstätten und Anrechnung jedes einzelnen Bildungsschritts.