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Zum Jahrestag des 9. November erklären Renate Künast und Jürgen Trittin, Fraktionsvorsitzende:
Der 9. November ist für uns ein Jahrestag der Freude, aber ebenso der mahnenden Trauer. 1938 haben wir Deutschen mitgemacht und zugesehen, als die Nationalsozialisten gegen jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger erbarmungslosen Terror verübten und Synagogen, Geschäfte und Wohnungen von Juden zerstörten. Die Novemberpogrome mündeten in der totalen Entrechtung der Juden und im europäischen Holocaust.
Aber der 9. November des Jahres 1989, der Tag an dem Berliner Mauer fiel, ist für uns ein besonderes historisches Glück. Die Bürgerrechtler und die immer größer werdende Oppositionsbewegung in der gesamten DDR haben den entscheidenden Beitrag zur friedlichen Revolution und zum Untergang der DDR-Diktatur geleistet. Ihnen bleibt das Verdienst, Menschenrechte, freie Wahlen und eine demokratische Verfassung erkämpft zu haben.
Der 9. November ist deshalb für uns ein Tag der doppelten Erinnerung: Menschenwürde, Demokratie und Bürgerrechte müssen immer wieder gesichert, erstritten und aktiv gelebt werden. Nur so bleiben wir vor neuen Staatsverbrechen und unüberwindbaren Grenzen in unserer Gesellschaft bewahrt.