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Sylvia Kotting-Uhl MdB fragte nach dem richtigen Maß zwischen Risiko und Chance. "Wie viel Risiko braucht, wie viel verträgt eine Gesellschaft?" Im Gegensatz zum Prinzip "no data, no market", das durch REACH in der Chemikalienpolitik herrsche, finde bei Nano-Produkten oft eine Markteinführung statt, bevor ausreichendes Wissen vorliege. Dies und die entsprechende Haltung der Bundesregierung sei falsch. Für offene Anwendungen und ungebundene Partikel wollen Bündnis 90/Die Grünen ein Moratorium. Bei der Untersuchung der anderen Kategorien "gebundene/ geschlossene" gehe es um mehr Forschung, was bei Herstellung, Gebrauch und Entsorgung tatsächlich geschieht.
Dr. Rolf Hertel, Toxikologe vom Bundesinistitut für Risikobewertung, befasst sich schon seit langem mit der Nanotechnologie. Die Einladung zum Fachgespräch brachte ihn dazu, sich intensiv zu fragen, was über die Risiken von in eine Matrix gebundenen Partikeln für Mensch und Umwelt bekannt ist. Forschung dazu finde nur nachrangig statt, weil die Freisetzung ja nur nicht-beabsichtigt stattfindet, etwa bei Alterung oder Zerstörung der Matrix. Nach einer Einführung in die Grundsätze und Grenzen der Risikobewertung, wie sie sein Institut täglich vornimmt, kam Rolf Hertel für die Nanotechnologie zum Ergebnis, was für alle Forschung theoretisch gilt, in einem ganz neuen Feld aber de facto eine größere Unsicherheit bedeutet: dass jedes Forschungsergebnis nur vorläufig ist. Es ist "ein Abbild des "Stands der Forschung", ein objektiv "wahres" Ergebnis ist nicht gegeben".
Auch Dr. Thomas Epprecht von der Schweizerischen Rückversicherungs-Gesellschaft trug zur Frage vor, wie Risiken angesichts unvollständiger Informationen bewertet und wie mit ihnen umgegangen werden sollte. Dabei machte er deutlich, dass ein Versicherungsunternehmen im Gegensatz zur Politik in der Gesellschaft keine regulatorische, prinzipiell schützende Funktion hat. Im Gegenteil: "Die Verfügbarkeit von Versicherung macht das Leben unsicherer", weil sie Individuen oder Firmen Tätigkeiten ermöglicht, die sie im Schadensfall ruinieren könnten. Denn erst die Tatsache, dass es zum Beispiel eine Fahrzeugführerhaftpflicht gebe, erlaube es uns allen, die unvorhersehbaren, aber möglichen Schadensfolgen einer Autofahrt finanziell zu tragen. Dasselbe gelte für jede andere Haftpflichtversicherung, also auch für die Produkthaftpflichtversicherung für Nanoprodukte. Eine Voraussetzung der Versicherbarkeit sei immer der gesellschaftliche Konsens darüber, dass das Leben mit dem Risiko Vorteile bringe und die möglichen, nicht vermeidbaren negativen Folgen finanziell ersetzbar seien. Nach Thomas Epprechts Auffassung, ist Regulierung dann gut, wenn sie beim Umgang mit gefährlichen Materialien die Risiken der Exposition, v.a. über längeren Zeitraum, gering zu halten vermag und im speziellen Fall die bestehenden Zulassungskriterien und Vorschriften neuen Kenntnissen über Nanopartikel anpasst.