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Nanotechnologie

28. August 2009

Chancen und Risiken

Sichere Nanotechnologie kann Ressourcen schonen und Klimaschutz verbessern

In nanotechnologische Anwendungen werden große Hoffnung gesetzt. Einerseits können bekannte Verfahren etwa bei der Energiegewinnung oder -nutzung durch Nano-Anwendungen in ihrer Effizienz gesteigert werden. So wurde im Mai 2008 ein Forschungsergebnis aus San Diego publiziert, das eine Effizienzsteigerung bei der Energiegewinnung in Solarpanels von 31 auf 45 Prozent möglich macht. Andererseits sind jenseits dieser sogenannten end-of-pipe-Anwendungen auch ganz neuartige Dinge im Blick wie sogenannte hierarchisch strukturierte Werkstoffe. Das sind neuartige, synthetisch hergestellte Stoffe, die auf der Basis von Nano-Teilchen gewachsene Strukturen wie Perlmutt oder Spinnenfäden nachbilden.

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Linkes Bild: Priska Hinz MdB und Dr. Peter Langer. Mittleres Bild (von links oben nach rechts unten): Dr. Thomas Epprecht, Sylvia Kotting-Uhl, Annette Rausch, Dr. Rolf Hertel. Rechtes Bild: Wolf-Michael Catenhusen,  Prof. Dr. Arnim von Gleich , Sabine Riewenherm, Priska Hinz MdB.  (6 Bilder)

Alle Hoffnungen in die Anwendung der Nanotechnologie können aber nur dann erfüllt werden, wenn auch die Sicherheitsanforderungen für Mensch und Umwelt erfüllt werden. Dazu bedarf es umfassender Risikoforschung. Ebenso wurden im Mai 2009 im Fachmagazin Nature Nanotechnology Forschungsergebnisse publiziert, die die Chancen der Nanotechnologie in einem anderen Licht erscheinen lassen: Die Studie zeigt, dass bestimmte Nano-Röhrchen im tierischen Organismus die gleichen Effekte auslösen wie Asbest.

Die anwesenden Fachleute stimmten zu, dass die Zahl der verlässlichen Studien zu den gesundheitlichen und umweltgefährdenden Auswirkungen noch zu gering ist, um ungebundene Partikel auf Mensch und Umwelt "loszulassen". Wir Grüne ziehen daraus den Schluss, dass für ungebundene Partikel sofort ein Moratorium gesetzt werden muss, bis mehr Wissen existiert. Dieses Moratorium muss auch für solche Partikel gelten, die zwar nicht ungebunden sind, die aber wie etwa bei Lebensmitteln oder Kosmetika, für den Gebrauch im oder direkt am Menschen gedacht sind.

Ein von uns initiiertes Fachgespräch im Jahr 2008 hat gezeigt, dass unsere Entscheidung richtig war und ist, uns auf die gebundenen Partikeln und geschlossenen Anwendungen zu konzentrieren. Hier erscheint uns das Risiko beherrschbar, weil die Risiko-Szeniarien überschaubar und damit überprüfbar sind.

Eine öffentliche Diskussion über Nanotechnologie ist zentral

Die Akzeptanz und damit auch der Erfolg der Nanotechnologie hängen außer an der ausreichenden Erforschung der Risiken entscheidend davon ab, dass auch Informationsbedürfnisse der Gesellschaft erfüllt werden. In der Veranstaltung zeigte sich deutlich, dass Unternehmen und Politik aus der Erfahrung gelernt haben, was in der Kommunikation zu den Bereichen Kernenergie und Gentechnik falsch gelaufen ist: Wer sich einer öffentlichen Diskussion über die Risiken verweigert, gewinnt dadurch nichts.

Als grundsätzliche Schwierigkeit machten aber alle Panels deutlich, dass die Winzigkeit der Nanopartikel das Erforschen ihrer Effekte auf Mensch und Umwelt sehr schwierig macht. Schon bei der Standardisierung von Messungen bestehen heute noch Unklarheiten. Dies führt dazu, dass verschiedenen Studien zu einer Frage nicht wie erwartet zum Erkenntnisgewinn beitragen, sondern aufgrund unterschiedlicher Standards oder Bezugspunkte nur das Unwissen vertiefen. Hier ist staatliches Handeln doppelt gefordert: bei der Forschungsförderung und bei der politischen Durchsetzung von Standards in den dafür vorgesehenen internationalen Fachgremien.

Fazit

Bei der Forschungsförderung und auch bei der Regulierung ist die Standardisierung von Forschungsansätzen und –ergebnissen geboten. Bei der Regulierung wiederum ist die Kennzeichnung von Nano-Partikeln drindliche Aufgabe. Angesichts der bisherigen Verweigerungshaltung der Bundesregierung, wenn es um staatliche Regulierung geht, wird die treibende Kraft der Grünen dafür offensichtlich dringend gebraucht.

Lesen Sie auf den nächsten Seiten ein Resümee unseres Fachgesprächs zur Nanotechnologie:

Panel 1: Schlüsseltechnologie auf dem Weg ins nachhaltige Wirtschaften? Die Effizienzpotenziale der NanotechnologieS.2
Panel 2: Ist kleiner auch gefährlicher? Erforschung, Minimierung und Kommunikation der RisikenS. 3
Panel 3: Fördern und Fordern? Der politische und rechtliche Rahmen für die NanotechnologieS. 4

 

Zusätzliche Information