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Es mehren sich die Zeichen, dass 2012 die wirtschaftliche Krise auch Deutschland erreichen wird. Hierzu hat die Regierung Merkel erheblich beigetragen. Nachdem im vergangenen Jahr andere europäische Länder immer stärker in Probleme geraten sind, droht 2012 auch für unser Land zu einem sehr schwierigen Jahr zu werden.
Schwarz-Gelb hat die aus der globalen Finanzkrise entstandene Euro-Krise durch Zögern, Zaudern und Verschleppen immer weiter verschärft. Auch bei anderen Themen hat die Regierung versagt und damit den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zusätzlich belastet. Von der demografischen Frage bis hin zur katastrophalen Finanzausstattung der Kommunen: Schwarz-Gelb liefert keine Antworten. Verlorene Zeit, wo dringender Handlungsbedarf besteht. Wer einen Blick in die Lebensrealität der Menschen in unseren Städten und Gemeinden wirft, sieht, dass unser Gemeinwesen im wahrsten Sinne des Wortes zu zerfallen droht.
Nie konnte sich die gelb-schwarze Koalition zu mehr durchringen als zu dem, was die Umstände ihr gerade aufzwangen. Zu mutigen Schritten, die helfen könnten, die Probleme zu überwinden, waren Merkel und Co nicht willens und nicht in der Lage.
Wie die selbst ausgerufene Wunschkoalition aus Schwarz und Gelb die Eurokrise nicht in den Griff bekommt, so versagt sie auch vor anderen Herausforderungen.
2012 will die Koalition offenbar auch noch den Anschein des Regierens einstellen. Größere Initiativen, neue Projekte, echte Reformen - Fehlanzeige. Das kann sich dieses Land angesichts der großen Krisen - Euro- und Schuldenkrise, Klimakrise, Gerechtigkeitskrise - nicht leisten.
Die Alternative zur schwarz-gelben Verantwortungslosigkeit ist Grün. Bündnis 90/Die Grünen sind die gestaltende, gesellschaftsverändernde Kraft der linken Mitte. Wir stehen für soziale Gerechtigkeit und die ökologische Neuausrichtung der Wirtschaft. Wir wollen mit einer nachhaltigen Finanz- und Haushaltspolitik raus aus der Eurokrise. Wir brechen auf Richtung Zukunft durch Investitionen in Klimaschutz und Bildung. Wir sagen, Stopp dem rechten Terror. Das ist der Wegweiser Grün.
Die Landtagswahlen 2011 haben gezeigt: Grün ist so stark wie nie zuvor. Dieses Land will den Wechsel, dabei geht kein Weg an Grün vorbei. Der Anfang vom Ende der Regierung Merkel ist eingeleitet. 2012 werden wir dafür nutzen, den Wechsel im Bund vorzubereiten. Deutschland in einem solidarischen Europa zu gestalten ist unser Ziel und Anspruch!
Die Euro-Krise ist nicht überwunden. Schon zum Jahresauftakt türmen sich die schlechten Nachrichten. Über einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone wird weiter spekuliert, das spanische Haushaltsdefizit läuft aus dem Ruder, die Risikoaufschläge für Staatsanleihen aus Spanien oder Italien erreichen erneut kritische Höhen, während deutsche Staatsanleihen zu Negativzinsen weggehen - ein weiteres Alarmzeichen. Ein Staatsbankrott Ungarns mit schweren Folgen für Österreich ist nicht ausgeschlossen. Aus der Bankenkrise wurde eine Schuldenkrise und aus dieser erwächst eine neue Wirtschaftskrise. Immer mehr Länder der Euro-Zone rutschen in die Rezession ab - mit katastrophalen Folgen für Millionen Beschäftigte in ganz Europa. Das bedroht den sozialen Zusammenhalt in den einzelnen Ländern und damit in ganz Europa.
Für die stetige Verschärfung und Verlängerung der Krise trägt die schwarz-gelbe Bundesregierung maßgeblich Verantwortung. Die anhaltende Verunsicherung an den Finanzmärkten hat die Bundesregierung mit ihrem Zögern und Zaudern und ihrer destruktiven Neinsagerei befeuert statt beruhigt. Mit ihrer unausgewogenen Sparpolitik hat sie die Rezession in vielen Euro-Staaten verschlimmert. Und die Einführung der Finanztransaktionssteuer in der Euro-Zone scheitert daran, dass Merkel ihre Richtlinienkompetenz gegenüber der FDP nicht wahrnimmt.
Europa steht rund zwei Jahre nach Zuspitzung der Krise um keinen Deut besser da. Weder sind die Krisenlasten gerecht verteilt - Vermögensabgabe, Finanztransaktionssteuer, wirksame internationale Steuerpolitik - noch gibt es einen schlüssigen Plan, um aus dem Karussell schlechter Nachrichten herauszukommen. Das liegt größtenteils daran, dass die Bundesregierung ihre falsche Ursachen-Diagnose wie eine Monstranz vor sich her trägt: Außer im Fall Griechenlands sind eben nicht unsolide Staatshaushalte allein für die derzeitige Lage verantwortlich. Es sind ebenso schlechte Regeln an den Finanzmärkten. Es ist die Verstaatlichung privater Bankschulden und es sind wirtschaftliche Ungleichgewichte, die die Krise ausgelöst haben. Merkel ist mit ihrer Politik der kleinen Schritte und der dumpfen Sparapelle längst ins Stolpern geraten.
Für uns Grüne ist klar: Der Weg aus der Krise führt über mehr Europa, nicht weniger. Europa braucht jetzt den Mut, sich zu einer Wirtschafts- und Solidarunion weiterzuentwickeln, Mut zu mehr sozialem Europa und für mehr Macht und Demokratie für die europäischen Institutionen. Deshalb fordern wir Grüne einen europäischen Konvent zu diesen Themen. Dies wirft auch der demokratischen Verfasstheit Deutschlands neue Fragen auf. Die bisherigen Schwächen der europäischen Integration müssen mit Beteiligung von SozialpartnerInnen und Zivilgesellschaft angegangen werden, nicht im Hinterzimmer. Das ist kein einfacher Weg und erst recht kein Weg, der an den europäischen Bürgerinnen und Bürgern vorbeigehen kann - aber nur auf diesem Weg wird Europa gestärkt aus der Krise herauskommen.
Dieser Weg kann jedoch nur beschritten werden, wenn eine weitere Verschärfung der Krise bis hin zum Bruch der Euro-Zone abgewendet wird. Dazu muss die Bundesregierung endlich ihr verbohrtes Krisenmanagement aufgeben. Die Existenz des Euros und das Ansehen Deutschlands sind bedroht, wenn die Regierung weiterhin alle Instrumente kategorisch ablehnt, die die Verunsicherung an den Finanzmärkten beenden könnten. Um das Vertrauen der Finanzmärkte in die Staatsanleihen der Euro-Staaten wieder herzustellen, liegen zahlreiche diskussionswürdige Vorschläge auf dem Tisch: der Schuldentilgungsfonds des Sachverständigenrates, die Ideen zu Euro-Bonds der EU-Kommission oder die Banklizenz für den EFSF oder ESM. Wir fordern die Bundesregierung auf, endlich ihre ideologische Ablehnung all dieser Instrumente aufzugeben.
Noch wichtiger ist es aber, die eindimensionale Sparpolitik, die die Bundesregierung der Euro-Zone aufzwängt, zu beenden. Um die Krise zu überwinden, braucht es mehr Solidität und mehr Solidarität, Sparen und Investieren. Notwendig ist jetzt ein Europäisches Aufbauprogramm mit dem klaren Vorrang von Investitionen in die Realwirtschaft. Soziale und ökologische Transformation in Europa müssen mit dem Aufbau neuer Wertschöpfungsketten in den Leitmärkten der Zukunft einher gehen. Wir brauchen eine europäische Initiative zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, ganz besonders der der jungen Generation.
Viele Menschen blicken mit Verunsicherung und Sorge auf das begonnene Jahr. Von der Bundesregierung sind dazu bloß warme Worte und Schönrednerei zu hören. Damit erweist sie sich als völlig blind, was die sozialen Realitäten im Land angeht. Die Erholung am Arbeitsmarkt hat zwei Seiten: Zwar hat sie vielen Menschen überhaupt wieder Zugang zu Arbeit eröffnet, aber sie geht einher mit immer mehr unsicheren Beschäftigungsverhältnissen und immer mehr Jobs, von deren Lohn niemand leben kann. Die Bundesregierung reagiert darauf mit Schulterzucken. Die Lasten der Finanz- und Euro-Krise müssen unter dieser Bundesregierung vor allem die sozial Schwachen, die auf Leistungen aus dem Bundeshaushalt angewiesen sind, tragen. Im Gegenzug verfolgt die Regierung noch immer ihre absurden Steuersenkungspläne, die vor allem den BesserverdienerInnen im Land zu Gute kommen.
Wir Grüne kämpfen für neue Jobs. Deutschland droht in diesem Jahr eine deutliche Abkühlung der wirtschaftlichen Dynamik, vielleicht sogar ein Einbruch. Auch deshalb müssen wir die Potentiale für neue Jobs nutzen. Durch eine Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien können Hunderttausende neue, zukunftsfähige Jobs entstehen, ebenso durch eine Beschleunigung der energetischen Gebäudesanierung. Doch in beiden Bereichen bremst die Regierung.
Große Jobpotentiale liegen zudem in den Bereichen Gesundheit, Betreuung und Pflege. Aber auch hier tut die Regierung nichts. Die nötigen Weichenstellungen bei der Pflege werden in einer Arbeitsgruppe verschlafen, zusätzliche Mittel für die Kinderbetreuung lieber mit der absurden Herdprämie verpulvert. Wir wollen durch Investitionen in Klimaschutz, Bildung und die sozialen Dienste neue Jobs schaffen. Mit unserem Haushaltsentwurf haben wir gezeigt, wie sich das finanzieren lässt, wenn man die Prioritäten richtig setzt.
Nötig ist aber auch ein Aufbruch für mehr soziale Gerechtigkeit. 2012 müssen die ArbeitnehmerInnen mit deutlichen Lohnerhöhungen endlich wieder stärker am wirtschaftlichen Wachstum beteiligt werden. Das ist gerecht, stärkt die Binnenwirtschaft und wirkt dem drohenden Abschwung entgegen. Die Politik muss dies durch einen allgemeinen Mindestlohn und durch soziale Leitplanken bei der Leiharbeit und befristeten Beschäftigungsverhältnissen flankieren. Zudem müssen die Kosten der Finanz- und Eurokrise gerecht finanziert werden. Sie dürfen nicht allein als Sparzwänge auf die sozial Schwachen abgewälzt werden.
Die brutalen Morde der rechtsterroristischen "Zwickauer Zelle" waren ein Anschlag auf unsere offene Gesellschaft. Es ist beschämend, dass der Staat trotz all seiner Verfassungsschutzbehörden und des Einsatzes unzähliger V-Leute die Menschen nicht vor dem rechtsextremen Terror geschützt hat. Wir sind den Opfern, ihren Angehörigen, aber auch uns selbst eine schonungslose Aufklärung der Anschläge und des Versagens staatlicher Stellen bei ihrer Verhinderung schuldig. Nur so kann das Vertrauen in die staatlichen Institutionen zurückgewonnen werden, das durch die teils unfassbaren Pannen, verloren gegangen ist.
Dazu reicht die von Bundesinnenminister Friedrich vorgeschlagene Bund-Länder-Expertengruppe nicht aus. Wir Grüne werden deshalb im Bundestag die Einsetzung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses beantragen. Den Entwurf dafür haben wir den anderen Bundestagsfraktionen bereits zugeleitet. Ein Untersuchungsausschuss ist das beste Instrument zur Aufklärung der vielen Fehler bei der konkreten Ermittlungsarbeit wie auch bei der Ausrichtung, der Arbeitsweise und bei den Strukturen der Behörden in Bund und Ländern. Nur ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss kann die dringend notwenigen Schlussfolgerungen für eine kritische Kontrolle vornehmen. Anders als Friedrichs Expertengruppe tagt ein Untersuchungsausschuss öffentlich, und nur er kann Zeugen zum Erscheinen, zur Aussage und zur Wahrheit verpflichten sowie von Jedermann die Herausgabe beweisrelevanter Gegenstände und Unterlagen verlangen.
Aufklärung alleine reicht jedoch nicht. Die gesamte Gesellschaft ist gefordert, neue Anstrengung zur Bekämpfung des Rechtsextremismus und anderer Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu unternehmen. Jede Bagatellisierung des Rechtsextremismus in Deutschland und seiner Gefahren muss beendet werden. Mit einer Demokratieoffensive und Prävention auf allen Ebenen müssen wir dem rechtsextremen Gedankengut, das bis in die Mitte der Gesellschaft verankert ist, entschieden entgegentreten. Die zivilgesellschaftlichen Initiativen, die sich für unsere offene Gesellschaft und gegen Rechtsextremismus einsetzen, verdienen unseren Respekt und eine stärkere, stabile Förderung. Zivilgesellschaftliches Engagement und Zivilcourage dürfen nicht länger von Bundesministerin Schröder in den Verdacht der Verfassungsfeindlichkeit gestellt werden. Die Extremismusklausel ist ein Generalverdacht gegen all diese Initiativen und muss endlich zurückgenommen werden.
Es ist unerträglich, dass sich rechtes Gedankengut hinter dem Parteienprivileg versteckt und die NPD mit öffentlichen Mitteln finanziert wird. Deshalb und wegen der zunehmenden Gewaltbereitschaft, den Verbindungen zur rechten Terrorszene und des offenen, unverhohlen hetzerischen Auftretens der NPD setzen wir uns dafür ein, dass ein Verbotsverfahren eingeleitet wird, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind.
Wir fordern die Bundesregierung auf zu prüfen, ob sich aus den Ermittlungsergebnissen Konsequenzen für ein NPD-Verbot ergeben. Die Exekutive soll Beweise für ein Verfahren sammeln, Verfahrenshindernisse beseitigen und die Aussicht eines solchen Verfahrens prüfen. Die Anforderungen des Bundesverfassungsgerichtes und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte an ein Verbotsverfahren sind sehr hoch. Für ein solches Verfahren muss auch vorher geklärt sein, dass es nicht schon an formalen Hürden scheitern kann. Die Vorschläge der CSU, der NPD die staatliche Parteienfinanzierung zu entziehen, müssen wir aus rechtsstaatlichen Gründen ablehnen.
Wir Grüne wollen diesem Land einen sozialen und ökologischen Kurs geben. Und wir wollen eine politische Kultur, in der die Bürgerinnen und Bürger gehört und beteiligt werden.
2012 werden wir zum Vorbereitungsjahr auf den Regierungswechsel machen. Wir werden die kommenden Monate dafür nutzen, diese zentralen Projekte einer grünen Regierungsbeteiligung zu konkretisieren. Zu vielen dieser Projekte haben wir bereits konkrete Konzepte und Gesetzesentwürfe vorgelegt, in den nächsten Monaten werden wir nachlegen. Angesichts der knappen Kassen heißt Regierungsvorbereitung für uns, Schwerpunkte mit politischem Gestaltungsanspruch zu setzen und die Klientelbedienung der Regierung Merkel zu beenden.
Dem schwarz-gelben Irrweg werden wir klare grüne Prioritäten für 2013 entgegen stellen. Entlang folgender Schwerpunkte werden wir dazu im nächsten Jahr unsere Konzepte weiterentwickeln und unser Profil schärfen:
Unser Land braucht eine Regierung, die die großen Herausforderungen und die Probleme der Menschen mit visionärer Tatkraft und Werten angeht.
2009 ist die Union in den Wahlkampf gezogen, ohne irgendeine Vorstellung davon zu haben, was sie in der Regierung erreichen will. Die FDP hatte eine Vorstellung, nur hatte diese mit den ökonomischen und gesellschaftlichen Realitäten nichts zu tun. Herausgekommen ist eine Regierung zu Gunsten der jeweiligen Klientele, statt einer Politik des Gemeinwohls. Schwarz-Gelb hat sich als Regierung ohne Kraft und Wertegerüst entpuppt.
Nach dem schwarz-gelben Chaos wollen die Menschen eine Regierung, die einen klaren Wegweiser hat und die mit seriösen und durchdachten Konzepten die Probleme und die Herausforderungen angeht. Dieser Verantwortung stellen wir uns: 2012 werden wir den grünen Gestaltungsanspruch mit konkreten Konzepten und Projekten untermauern, 2013 die Regierung ablösen.