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Auf Fraktionsrallye

Marcus sortiert Post. Im Jakob-Kaiser-Haus. Marcus Strohwald ist Auszubildender in der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag. Seine ersten Tage in der großen Politik. Gerade ist für ihn und die anderen drei neuen Azubis Fraktionsrallye. Das heißt: unterwegs in den Abteilungen, alles kennen lernen, mal hier reinschnuppern, mal dort mitarbeiten. Marcus' erster Boxenstopp für diese Woche ist die Poststelle. Viele Fächer, viele Namen, Hauspost, Briefe, Massenversand, ePost, kopieren, frankieren, versenden – ganz schön was los dort. Gerade ist ein Paket für die Finanzabteilung angekommen. Das soll er mal eben rüberbringen. Finanzabteilung? Wo war das gleich noch mal? Anderes Gebäude. Unter den Linden. Marcus startet los.

Nach zwei Wochen fühlt sich alles noch ganz schön frisch an. Flure, Menschen, Büros, Aufgaben – verwirrend. Fünf Fachabteilungen durchlaufen die Azubis während der dreijährigen Ausbildung. In jeder sind sie drei bis vier Monate im Einsatz. Zwischendurch geht es immer wieder zu Lehrgängen ins Bundesverwaltungsamt (BVA). Ausbilderin Katrin Krecklow – sie erstellt Einsatzpläne in der Fraktion, nimmt Berichte ab und hat immer ein Ohr für die Sorgen und Nöte ihrer Azubis: "Es ist toll mit diesen jungen Leuten zu arbeiten und zu sehen, wie viel Spaß sie bei der Arbeit hier haben. Und sie bringen einfach auch mal frischen Wind in die Fraktion." Ist ja auch aufregend, im Zentrum der politischen Macht unterwegs zu sein. Wo sonst sitzt man in einer Besprechung schon mal neben dem Außenminister?

Das Motiv "Arbeiten in der Politik" spielt bei der Entscheidung für diesen Ausbildungsplatz für die meisten Bewerber allerdings keine vorrangige Rolle. Die Fraktionen im Bundestag bilden gemeinsam mit dem Bundesverwaltungsamt in zwei Ausbildungsgängen aus: Fachangestellte für Bürokommunikation oder IT-Systemkaufleute. Das BVA koordiniert die Ausbildungen. Hier gehen die Bewerbungen ein und von hier werden die Azubis verteilt. Ob sie also in einer Fraktion eingesetzt werden, einem Ministerium oder einem Amt wissen die Bewerber vorher nicht. Initiativbewerbungen bei der Fraktion selbst seien eher die Ausnahme, so Krecklow.

Die grüne Bundestagsfraktion bildet seit vier Jahren aus. Die ersten beiden Azubinen, die im vergangenen Jahr erfolgreich ihre Berufsausbildung abgeschlossen haben, konnte die Fraktion sogar übernehmen. Sechs Ausbildungsplätze hat die Fraktion insgesamt, zurzeit besetzt mit zwei Frauen und vier Männern.

Marcus wollte nach dem Abitur eigentlich Biologie studieren. Dann hat er sich aber doch für eine Lehre entschieden. Erstmal das Arbeitsleben kennen zu lernen sei auch wichtig, meint er. "Und das auch noch im Bundestag – toll! Hier kriegt man endlich mal die Zusammenhänge von Politik mit." Inzwischen hat Marcus die Finanzabteilung gefunden, kann das Paket abliefern und schaut sich gleich interessiert um. Diese Abteilung wird schließlich sein nächster Boxenstopp sein.

 

in: profil: GRÜN, 02/2005

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