Springe direkt zu: Contentbereich, Hauptnavigation, Suche
Sie sind hier:
Nur wer schlank ist, ist schön – diese weit verbreitete Vorstellung hat dramatische Folgen, vor allem bei jungen Frauen. Fast jedes dritte Mädchen zeigt heute Auffälligkeiten im Essverhalten. Neben genetischen, psychischen und familiären Gründen spielen hier auch die dünnen Vorbilder aus Mode und Medien eine Rolle. Nach Schätzungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind etwa 100.000 Menschen in Deutschland von Magersucht betroffen, davon 90 Prozent Frauen.
Der Frauenausschuss des Bundestages diskutierte am 13. Mai 2009 auf Initiative der Grünen mit Expertinnen und Experten über Magersucht. Es gibt viele Essstörungen, aber Magersucht ist bei weitem die gefährlichste. Bei 15 Prozent aller an Magersucht Erkrankten führt diese Krankheit zum Tod. Wer sie überlebt, hat trotzdem schlechte Heilungschancen. Jede dritte Betroffene erkrankt chronisch.
Im Dezember 2007 hatten wir den Antrag "Maßnahmen gegen die Magersucht ergreifen" in den Deutschen Bundestag eingebracht. Wir forderten darin die Bundesregierung auf, sich für eine Selbstverpflichtung der Modeunternehmen und Modelagenturen einzusetzen, keine Verträge mit untergewichtigen Models abzuschließen und eine Kampagne zu den negativen Auswirkungen des Schlankheitswahns zu starten. Im medizinischen Bereich sind Leitlinien für die Diagnose und Behandlung von Essstörungen erforderlich sowie deutlich mehr Forschung. Eine intensivere Nachbehandlung kann das Rückfallrisiko vermindern. Beratung und Prävention müssen dringend erhöht werden. Die ersten zaghaften Schritte der schwarz-roten Bundesregierung blieben unzureichend.
Übereinstimmend fordern Sachverständige neben einer verbesserten Forschung einen Ausbau der Beratungsangebote. Beratungsstellen für Essstörungen befindet sich oft im selben Gebäude wie die Suchthilfe, junge Menschen mit Magersucht nehmen daher diese Beratungsangebote häufig nicht wahr. Prof. Beate Herpertz-Dahlmann vom Universitätsklinikum Aachen empfiehlt dringend eine Trennung von Suchthilfe und Essstörungsberatung. In der Ausschussanhörung 2008 kritisierte sie, dass die bisherigen Forschungsergebnisse zur Magersucht weder national noch international ausreichend und zufrieden stellend sind. Auch für die dringend erforderliche Erforschung präventiver Maßnahmen fehlen die Mittel. Sie bat aber die Politik neben einer ausreichenden Finanzierung auch um Geduld, da Ergebnisse in diesem Bereich mehr Zeit brauchen als in der rein naturwissenschaftlichen Forschung.
Der Psychologe Ulrich Cuntz von der Medizinisch-Psychosomatischen Klinik Roseneck benennt das Streben nach Perfektion und Selbstbeherrschung als eine wesentliche Triebfeder für die Anorexia nervosa. Das Ziel ist, durch eine diätetische Disziplin, das Selbstwertgefühl zu stabilisieren oder anzuheben. Auch der Leistungsdruck in der Schule ist hierfür ein Faktor. Schulen sollten neben der Wissensvermittlung aber auch zur zwischenmenschlichen Kompetenz und dem Aufbau eines gesunden Selbstbewußtseins beitragen.