Wie bekommen wir endlich "Frischluft für die Chefetagen", also mehr Vielfalt in den Top-Positionen der Wirtschaft? Mit dieser Frage luden Renate Künast und Monika Lazar anlässlich des 99. Internationalen Frauentags zum Empfang in die Bremer Landesvertretung in Berlin ein. Über 150 Frauen aus Wirtschaft, Politik, Forschung und Kultur trafen sich bei Musik und gutem Essen zum Austausch, Pläneschmieden und Netzwerken.
Die Einsicht, dass sich ohne eine Quote nichts an dem eklatant geringen Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten der Wirtschaft ändern wird, hat mittlerweile sogar die Telekom erreicht. Sie schreibt bis 2015 einen verbindlichen Frauenanteil von 30 Prozent im mittleren und oberen Management vor. Das ist gut so. Doch damit können wir uns nicht zufrieden geben, so die Fraktionschefin Renate Künast in ihrer Begrüßungsrede. Die grüne Bundestagsfraktion hat zum wiederholten Mal ihren Antrag auf die Quotierung von Aufsichtsräten mit mindestens 40 Prozent bis zum Jahr 2015 eingebracht. Höchste Zeit, gemeinsam für Quoten zu kämpfen, so Renate Künast. Denn mit dieser Regierung und einer Ministerin Schröder, die Quoten wider wissenschaftlichen Erkenntnissen und Erfahrungen im europäischen Ausland für überflüssig hält, können wir gleichstellungspolitisch nichts erwarten.
Auch der Gastredner des Empfangs, Dr. Carsten Wippermann (Sinus Sociovision) kommt in seiner Studie Frauen in Führungspositionen - Barrieren und Brücken (März 2010) zum Ergebnis, dass sich ohne klare Maßnahmen durch die Politik kaum etwas ändern kann. Massive informelle und kulturelle Bollwerke seitens der Männer würden eine mehrfach abgesicherte "gläserne Decke" bilden, die Frauen systematisch am Aufstieg hindert.
Dem konnte sich die frauenpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion Monika Lazar anschließen. Sie forderte gesetzliche Regelungen für die Privatwirtschaft und den konsequenten Einsatz für die Bekämpfung von Frauenarmut. Denn das Jahr 2010 ist das Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung.
Renate Künast versprach zum Abschluss den 100. Internationalen Frauentag im kommenden Jahr mit einem großen Fest zu begehen. Packen wir es gemeinsam an und sorgen wir dafür, dass es bis dahin neue frauenpolitische Erfolge zu feiern gibt.