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Tagungsbericht

31. März 2009

Leben am Lebensende

Was (bis) zuletzt wichtig ist.

Etwa 150 TeilnehmerInnen, Fachleute aus Selbsthilfe, Praxis und Wissenschaft und grüne FachpolitikerInnen diskutierten am 27. und 28. März in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin über Möglichkeiten, Mängel und Handlungsbedarfe bei der Versorgung sterbender Menschen.

Gute Rahmenbedingungen für ein gutes Leben bis zuletzt

Renate Künast, Fraktionsvorsitzende, stellte zu Beginn ihrer Eröffnungsrede fest, wie ungewöhnlich es sei, dass sich im politischen Raum der großen Frage von Sterben und Tod angenommen werde. Die Fraktion hatte sich vorgenommen, nicht nur über rechtliche Regelungen zu debattieren, wie es im Parlament gerade hinsichtlich der Patientenverfügung geschieht. Mit der Tagung wurde umfassender in den Blick genommen, unter welchem Bedingungen und Umständen Leben bis zuletzt gutes Leben sein kann. Die meisten Menschen wünschen sich  ohne große Schmerzen gut versorgt im Kreise ihrer Liebsten in der gewohnten Umgebung ihren Weg zu Ende gehen. Davon sind wir in Deutschland weit entfernt. Um dies jedoch immer mehr Sterbenden zu ermöglichen, bedürfe es der Veränderung in drei Bereichen, so Künast. Pflege zu Hause muss organisierbar und leistbar sein. Pflegende Angehörige brauchen Beratung, Unterstützung und eine Struktur, die es ihnen überhaupt ermöglicht, sich die Pflege zuzutrauen. "Warum reden wir eigentlich nur über Elterngeld am Anfang des Lebens und nicht auch über Lohnersatzleistungen an seinem Ende?", unterstrich Renate Künast die grüne Forderung nach einer Pflegezeit mit Lohnersatzleistung. Wo Pflege in der vertrauten Umgebung nicht in Frage kommt, müsse ambulante palliative Versorgung und Betreuung im Hospiz möglich sein. Bisher stehen Betten auf Palliativstationen und in Hospizen nur für jeden Fünften zur Verfügung. Nicht zuletzt müsse sich jeder darauf verlassen könne, auch im Heim auf hohem medizinischem und pflegerischem Niveau betreut zu werden. Das mache unumgänglich, mehr Personal einzustellen, das gut ausgebildet ist und wirklich Zeit hat den Menschen beizustehen.

Tagung, Berlin, 23.03.2009Tagung, Berlin, 23.03.2009Tagung, Berlin, 23.03.2009

150 Menschen diskutierten am 27. und 28. März 2009 in der Heinrich-Böll-Stiftuung über das Thema "Leben am lebensende".  (9 Bilder)

Für eine neue Kultur des Sterbens

Katrin Göring-Eckardt, Vizepräsidentin im Deutschen Bundestag, knüpfte an und betonte, dass es vor allem um eine neue Kultur des Sterbens, um einen neuen Umgang mit dem Lebensende in unserer Gesellschaft gehen müsse. Das falle jeder und jedem von uns schwer, denn der Tod sei eine Zumutung, verursache Leid und Schmerz. Darüber redet man nicht gern, schon gar nicht in den besten Jahren. Doch ohne dieses Nachdenken und Reden über das, was am Ende sein soll, werde sich an den Umständen des Sterbens nicht viel ändern können. "Vielleicht wäre Vater oder Oma ja dankbar dafür, wenn man einmal fragt, was sie sich am Ende wünschen - bevor es dann zu spät ist und der Schmerz groß", überlegte Katrin Göring-Eckardt.

Von Sprachlosigkeit und dem Gefühl, verpasst zu haben, was so wichtig gewesen wäre, erzählt der Film "Kirschblüten – Hanami", der im Anschluss gezeigt wurde. Dem Film von Doris Dörrie, die leider kurzfristig ihre Teilnahme absagen musste, gelingt der Balanceakt zwischen Betroffenheit und Traurigkeit sowie Trost und Leichtigkeit, mit der er am Ende entlässt. Darin liegt wohl sein Erfolg, und das machte ihn auch zum gelungen Einstieg in die Tagung.

Lesen Sie auf den folgenden Seiten:

Zusammenfassung des zweiten Veranstaltungstages und FazitS. 2
Forum I: Was ist "gute" Pflege und Begleitung Sterbender?S. 3
Forum II: Welche Hilfen und welche Entlastung brauchen Angehörige und nahe FreundInnen sterbender Menschen?S. 4
Forum III: Was bedeutet Selbstbestimmung und Autonomie am Lebensende?S. 5
Forum IV: Selbstbestimmung und Wirtschaftlichkeit: Ein ethisches Dilemma?S. 6

 

Zusätzliche Information