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Klimawandel

9. August 2010

Mittendrin im Klimawandel

Klimaverhandlungen treten weiter auf der Stelle

Parallel zu den Verhandlungen in Bonn erreichen uns Meldungen über neue Hitzerekorde in Europa und anderswo. Bei Moskau brennen aufgrund der anhaltenden Dürre die Wälder und Torfböden und Pakistan erlebt furchtbare Überschwemmungen mit Tausenden von Toten. Zypern meldete unlängst einen Hitzerekord von 46 Grad Celsius. In West- und Mitteleuropa sorgen immer häufiger Starkregen für lokale und regionale Hochwässer. Januar, April und Mai des Jahres 2010 waren global die wärmsten jeweiligen Monate seit Beginn der Messungen. Das Jahr 2010 wird vermutlich insgesamt das heißeste Jahr werden, das jemals gemessen wurde. Ist das immernoch nicht Mahnung genug? Wenn wir die Erwärmung der Erde nur auf höchstens 2 Grad Celsius begrenzen wollen, dann muss die Trendwende bei den globalen Emissionen innerhalb der nächsten zehn Jahre geschafft werden.

Ist der Himmel nach 2012 wieder völlig offen für Treibhausgasemissionen?

Mit der Konferenz in Bonn ist eine weitere Runde der internationalen Klimaverhandlungen zu Ende gegangen, ohne dass eine Nachfolgeregelung für das Ende 2012 auslaufenden Kyoto-Protokoll in Sicht ist. Das Fatale an der Situation: Wenn es nicht gelingt eine Anschlussregelung für die Zeit nach 2012 zu finden, ist der Himmel dann wieder "völlig offen" für die Emissionen von Treibhausgasen.

Nach 2012 existiert bislang keine völkerrechtlich verbindliche Beschränkung für Treibhausgasemissionen mehr. Die Zukunft des Weltklimas hinge dann allein von den bislang völlig unzureichenden Selbstverpflichtungen einzelner Staaten ab und natürlich davon, ob selbst diese überhaupt eingehalten würden. Nach derzeitigen Berechnungen würde das Klima selbst bei Einhaltung aller derzeit vorliegenden Minderungsabsichten vermutlich auf eine Erwärmung von 4 Grad hinauslaufen - eine Katastrophe für die Lebensbedingungen in weiten Teilen der Erde.

Kurzfristig zumindest das bislang Erreichte sichern

Zu festgefahren scheinen derzeit die Verhandlungen, zu gegensätzlich die Positionen, als dass sich kurzfristig ein Durchbruch für ein internationales Abkommen abzeichnet. Auch sind neue Impulse für Verhandlungsprozess nicht zu erkennen. Im Gegenteil, erst kürzlich hat uns die Nachricht erreicht, dass ein wirksames Klimaschutzgesetz in den USA endgültig gescheitert ist. Jetzt muss es gelingen zumindest das bislang Erreichte zu sichern. Das bedeutet:

Kyoto-Protokoll fortschreiben

  • Bis zum Abschluss eines neuen internationalen Klimaabkommens müssen zumindest die Verpflichtungen des Kyoto-Protokolls zunächst verlängert werden. Der Himmel darf nicht wieder völlig "offen" für Treibhausgase werden. Damit es auch nach 2012 eine globale Begrenzung für die Emissionen von Treibhausgasen gibt, müssen die Reduktionspflichten des Kyoto-Protokolls zumindest für eine Übergangszeit weiter gelten.

in Cancun wenigstens Teilvereinbarungen beschließen

  • Jetzt müssen die kommenden Gespräche vor der großen Konferenz in Cancun in Mexiko intensiv dazu genutzt werden, um dort wenigstens Teilvereinbarungen zu beschließen. Einige Teilbereiche, wie z.B. die CDM Reform, der Tropenwaldschutz oder die Architektur der internationalen Klimaschutzfinanzierung sind schon relativ weit verhandelt. Mit einer großen Kaftanstrengung könnten zumindest in Teilen Vereinbarungen erzielt werden, die dann die Basis für ein späteres Abkommen bilden können. Hat man erst mal etwas beschlossen, lässt sich darauf aufbauen.

Die aktuellen Extremwetterereignisse mahnen uns zum handeln. Die Zeit rinnt sprichwörtlich wie Sand durch die Finger.

Zusätzliche Information