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Klar ist: Um eine Digitalisierung der Kinos kommen wir nicht herum. Viel zu viel Filmmaterial ist bereits oder wird in naher Zukunft ausschließlich digital erhältlich sein. Also braucht es die digitale Abspielausrüstung und neue Projektoren in den Kinos. Die analoge Filmrolle wandert ins Museum.
Die Digitalisierung kostet die Kinos pro Leinwand zwischen 70.000 und 100.000 Euro. Das können viele Kinos nicht alleine stemmen. Daher sollen und müssen sie gefördert werden. In Bundesländern wie Bayern oder NRW gibt es bereits eine solche Förderung, viele Länder haben in den letzten Monaten nachgezogen, einige werden sich die Förderung auch zukünftig nicht im erforderlichen Umfang leisten können.
Der Beauftragte für Kultur und Medien der Bundesregierung, Bernd Neumann, hat seine lange diskutierten Kriterien zur Förderung am 10. Februar 2011 im Bundesgesetzblatt in der Filmtheaterdigitalisierungsverordnung veröffentlicht. Das war aus grüner Sicht höchste Zeit - denn die technische Umstellung ist schon längst im Gange und die Kinos brauchen unbedingt Unterstützung.
Wir freuen uns, dass die Digitalisierungsförderung nun losgehen kann. Wir freuen uns auch, dass einige unserer grünen Anregungen vonseiten des Staatsministers aufgenommen wurden, aber bei den Details haben wir noch immer kritische Fragen. Zum Beispiel was die Umsatzgrenzen für die zu fördernden Kinos angeht. Mit dem Mindestumsatz von 40.000 und dem Höchstumsatz von 260.000 Euro jährlich dürfte ein Viertel der Kriterienkinos herausfallen, darunter so wichtige Häuser wie das Abaton in Hamburg, die City-Kinos in München oder der Delphi-Filmpalast in Berlin. Das sind aber gerade Häuser, die für den deutschen und europäischen Film sehr wichtig sind. Hier muss noch nachgebessert werden.
Ein weiterer kritischer Punkt ist für uns der technische Standard, der gefördert wird. Immerhin hat Kulturstaatsminister auf unseren Druck hin davon Abstand genommen, ausschließlich den teuren Hollywood-Standard DCI zu fördern, was nun aber "Nachhaltigkeit" bei der Technik genau meint, ist immer noch nicht klar und kann weiterhin zu Lasten der Kinos ausgelegt werden, die die Förderung unbedingt benötigen: Kleine Kinos, Programmkinos und Kinos auf dem Land.
Wir meinen: es ist nicht nachhaltig, mit dieser Ungenauigkeit zu riskieren, dass die großen Hollywoodfirmen DCI-Kinos bevorzugen und andere an den Rand drängen. Wir sehen hierin die Gefahr einer Kartellbildung und einer Marktbereinigung im Sinne des kommerziellen Mainstreamkinos, der die Bundesregierung nicht wirklich entgegentritt. Technikneutralität muss grundsätzlich gewährleistet sein und nicht bloß ausnahmsweise.
Eine Frage ist auch, wie mit Finanzierungslücken umgegangen wird, die durch unterschiedliche Länderbeteiligung entstehen, wenn einzelne Länder ihre Förderung recht gut ausstatten, andere weniger zahlen oder gar nicht fördern können. Unser Ziel muss es sein, die Kinolandschaft in der Breite zu erhalten. Es braucht also auch hierfür noch eine Lösung.