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20 Jahre

18. März 2010

Die friedliche Revolution

Bündnisgrüne erinnern an Wegmarken des Jahres 1989/90.

Volkskammerwahl 18.3.1990 - Erinnerungen von Monika Lazar

Der 18.3.1990 war ein wunderschöner Frühlingstag. Doch nicht deshalb blieb er mir bis heute unvergesslich, sondern weil ich damals meine erste demokratische Wahl erlebte und mitgestaltete.


5.4.1990: Erste Sitzung der frei gewählten Volkskammer (bundestag.de)

In meiner Heimatstadt Markkleeberg (bei Leipzig) leistete ich als Vorsitzende des Wahlvorstands einen Beitrag dazu, dass alles gut funktionierte. Ich war erst 23 Jahre alt und damit die Jüngste in unserem 13-köpfigen Wahlvorstand. Dieser setzte sich aus Engagierten der Parteien, neuen Organisationen und Kirchen bunt zusammen.

Man muss sich vorstellen: Dies war unsere erste echte Wahl, die den Namen wirklich verdiente. Nach Jahren eingeschränkter Meinungsfreiheit in der DDR ein sehr freudiges Ereignis! Die Stimmung im Wahllokal war gut, die Menschen strömten nur so herein. In unserem Wahllokal hatten wir eine Wahlbeteiligung von 90,2 Prozent. Vor diesem Hintergrund macht mich die heute derart gesunkene Wahlbeteiligung besonders betroffen. Als Bundestagsabgeordnete werbe ich auch deshalb immer wieder intensiv bei den Menschen für die Mitgestaltung unserer Demokratie.

Es gab während der Wahl noch die Möglichkeit der "Fliegenden Wahlurne". Für alle, die dies nicht kennen: Ältere und kranke WählerInnen konnten sich vorab anmelden und am Wahltag fuhren je zwei Wahlvorständler zu ihnen in den eigenen Wahlbezirk. Die Zeit bis 18 Uhr verging sehr schnell. Danach erwarteten wir voller Spannung die Auszählung. Aber welche Ernüchterung folgte auf das Ergebnis! Die Mehrheit der WählerInnen hatte der CDU ihre Stimme gegeben! So kurz nach der friedlichen Revolution fand ich dies enttäuschend. Mein Wunsch, dass die neuen Parteien und Organisationen besser abgeschnitten hätten, wurde leider nicht erfüllt.

In meinem Wahllokal lautete das Ergebnis:

CDU: 31,8%
SPD: 23.4%
DSU: 12,5%
PDS: 6,1%
Bündnis 90: 5%
Grüne Partei: 2%.

Gleich darauf kam die nächste spannende Situation: die Weitermeldung des Wahlergebnisses an das Landratsamt nach Leipzig. Was heute simpel erscheinen mag, erwies sich damals als ein aufreibender Akt. Denn die Telefonleitungen waren ständig besetzt! Ich stand also ca. eine halbe Stunde am Telefon in der Berufsschule, wo sich unser Wahllokal befand, und wählte immer die gleiche Nummer – ohne Wahlwiederholungstaste!

Nach getaner Arbeit fuhr ich noch mit einigen aus dem Wahlvorstand nach Leipzig, wo die Wahl gefeiert wurde. So ganz glücklich war ich nicht, da ich mir ein anderes Wahlergebnis vorgestellt hatte. Dennoch war es ein interessanter und bedeutsamer Tag in meinem Leben. Für uns Ostdeutsche kann man 1990 als das Superwahljahr bezeichnen. Ich begleitete die Prozesse bis zum Dezember zur Bundestagswahl fortlaufend im Wahlvorstand. Es hat mir viel Freude gemacht und Erfahrungen gebracht.

Unvergessen bleibt der Reiz dieser ersten freien demokratischen Wahl an einem warmen Frühlingstag!wo sich unser Wahllokal befand, und wählte immer die gleiche Nummer – ohne Wahlwiederholungstaste!

 

Zusätzliche Information

Foto: Copyright by denk